Handball

Reinachers Devise: Richtig oder gar nicht

Erwin Reinachers Einstand als Trainer bei den Panther-Frauen verlief anders als geplant. Foto: Doro Siewert
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Erwin Reinachers Einstand als Trainer bei den Panther-Frauen verlief anders als geplant.

Solinger Trainer der Oberliga-Handballerinnen der Bergischen Panther hatte einen ungewöhnlichen Einstand.

Von Peter Kuhlendahl 

Herr Reinacher, ich zähle einfach mal auf, was in den letzten Monaten passiert ist. Kurz nachdem Sie im Februar das Team der Oberliga-Frauen der Bergischen Panther als Trainer übernommen hatten, wurde die Saison zunächst unter- und dann abgebrochen. Es folgten Wochen und Monate der Ungewissheit. Jetzt soll es Anfang September weitergehen. Ihr Einstand war, um es mal so auszudrücken, ein wenig kürmelig.

Erwin Reinacher (lacht): Kürmelig. Das ist genau der richtige Ausdruck. Dies war alles natürlich ganz anders geplant.

Lassen Sie uns die Zeit aufarbeiten. Wie kam es zu Ihrem Engagement?

Reinacher: Nach meiner aktiven Zeit ist der Kontakt zu den Panthern nie ganz abgerissen. Ich lebe in Solingen und bin dort oft im Sportpark Landwehr. Da habe ich dann Louisa Jörgens getroffen. Sie erzählte mir, dass ihr Mann Denis als Panther-Coach aktuell kürzer treten wolle und in der neuen Saison gar nicht mehr zur Verfügung stehen würde. Mein Interesse war schnell geweckt, und wir fanden die Idee, dass ich vorzeitig an seiner Seite einsteige, ganz charmant.

Dann kam aber Corona, und nach zwei Spieltagen war alles vorbei.

Reinacher: Die Unsicherheit ging damit einher. An ein richtiges Kennenlernen geschweige denn gemeinsames Training war nicht zu denken. Das Team hat zwar individuelle Trainingspläne von mir bekommen, die auch fleißig umgesetzt worden sind. Aber das Handballspezifische fehlte.

Jetzt soll es bereits am ersten September-Wochenende in der Oberliga losgehen. Was halten Sie von diesem anvisierten Starttermin?

Reinacher: Gar nichts. Wir sind aber nicht unvorbereitet. Ich bin auch nicht sauer, aber ziemlich verwundert.

Warum verwundert?

Reinacher: Es gibt so viele Fragezeichen. Das fängt zum Beispiel damit an, dass von Stadt zu Stadt unterschiedlich bestimmt wird, wie viele Leute überhaupt offiziell zu einer Mannschaft gehören und so in die Halle dürfen. Da kann der Westdeutsche Handball-Verband zwar wieder, wie vor wenigen Tagen, mit neuen Zahlen kommen. Entscheidend ist aber, was die Städte sagen. Noch größer ist allerdings meine Sorge, dass die Belastung nach den vielen Monaten ohne Handballtraining zu groß ist und Verletzungen so programmiert sind.

Sie selbst haben unter anderem in der 2. Bundesliga und Regionalliga gespielt. Waren dann auch unterklassig als Spielertrainer im Einsatz. Zuletzt als Coach im männlichen Nachwuchsbereich. Jetzt arbeiten Sie zum ersten Mal mit einem Frauenteam. Da gibt es im Umgang sicher Unterschiede, oder?

Reinacher: Unterschiede gibt es. In manchen Dingen ticken Spielerinnen eben anders als Spieler. Entscheidend ist für mich aber, dass man nur gemeinsam als Team etwas erreichen kann.

Spielerinnen aus Ihrem Team haben auf die Frage, ob es Unterschiede zwischen Ihnen und Ihrem Vorgänger gebe, mit einem Augenzwinkern gesagt, dass jetzt schon mehr Zug drin sei.

Reinacher: Wer mich kennt, weiß, dass ich das, was ich mache, richtig oder gar nicht angehe. Da steckt vielleicht irgendwo noch der Ex-Profi in mir drin.

Haben sich alle Spielerinnen damit anfreunden können?

Reinacher: Ich gehe mal davon aus. Sonst hätten wir ja nicht den exakt selben Kader wie in der vergangenen Saison. Es gibt keine Zu- oder Abgänge.

Da haben Sie ein eingespieltes Team zusammen. Ist das ein Vorteil für die neue Saison? Und wie lauten die Ziele?

Reinacher: Ein Nachteil ist es mit Sicherheit nicht. Aber ich habe die Probleme der vergangenen Monate ja geschildert. Unser Ziel ist ein Platz im vorderen Mittelfeld. Allerdings gibt es aus den bekannten Gründen bei allen Gegnern Fragezeichen, was ihre Stärke betrifft. Die Saison wird eine ganz schöne Wundertüte sein. Es wird einige Spieltage dauern, bis man von Tendenzen sprechen kann.

Und Ihre persönlichen Ziele bei den Panthern?

Reinacher: Ich möchte, dass das Team sich entwickelt und es so weiterbringen. Aus diesem Grund ist mein Engagement auch nicht kurzfristig angelegt. Ich möchte hier etwas bewegen.

Zur Person

Erwin Reinacher wurde am 24. März 1974 in Lörrach unweit der Schweizer Grenze geboren. In Saarbrücken, bei der HSG MüKäBa, bei Unitas Haan, dem LTV Wuppertal, dem TuS Wermelskirchen, den Panthern und in Leichlingen hat er in der 2. und 3. Liga beziehungsweise in der Regionalliga gespielt. Reinacher lebt mit seiner Frau und zwei Kindern in Solingen. Dort ist er als Sportlehrer an der Grundschule Uhlandstraße tätig. Außerdem betreibt er seit vielen Jahren eine Agentur, mit der er in erster Linie Handballcamps für Kinder, aber auch Trainerseminare organisiert.

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