Nachgefragt

Die Rassismus-Debatte als Chance

Habib Daff sieht im Fußball einen leicht positiven Trend beim Thema Rassismus. Foto: Christian Beier
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Habib Daff sieht im Fußball einen leicht positiven Trend beim Thema Rassismus.

Auch Solinger Sportler haben Diskriminierungen auf und neben dem Platz erlebt.

Von Thomas Rademacher und Timo Lemmer

Der Tod von George Floyd hat die USA in Aufruhr versetzt, die Rassismus-Debatte weltweit wieder entfacht und zu zahlreichen Demonstrationen geführt. Auch Sportler zeigen sich solidarisch und sind zum Beispiel im Rahmen der Partien in der Fußball-Bundesliga auf die Knie gegangen. Doch wie präsent ist das Thema im Alltag? Wir haben bei zwei Solinger Sportlern nachgefragt.

„Egal, wo man hingeht: Rassismus ist immer da.“

Dammy Agbabiaka, Footballer

Dammy Agababiaka ist der neue Quarterback der Solingen Paladins. Er konnte coronabedingt zwar noch keine Partie für den Football-Zweitligisten bestreiten, wird aber in der geplanten Kurz-Saison zum Einsatz kommen. Der Brite ist sicher: „Egal, wo man hingeht: Rassismus ist immer da. Es ist nur eine Frage, wie die Leute damit umgehen. In den USA kommt es – vielleicht auch durch lasche Waffengesetze – zu mehr Gewalt.“ Dem 23-Jährigen ist dies bei seinem sechsmonatigen USA-Aufenthalt zwar nicht widerfahren, „aber ich kann nicht für die Menschen sprechen, die dort leben. Denn ich habe einen britischen Akzent. Da habe ich gemerkt, dass ich auch von der Polizei besser behandelt wurde.“

In seiner Schulzeit hat der Sportler rassistische Ausdrücke gehört. „Und auf dem Footballfeld natürlich auch. Aber ich muss sagen, dass es beim Rugby schlimmer war“, sagt Agbabiaka, der seinerzeit zweigleisig fuhr. „Rugby ist ein etwas elitärerer Sport. Ich habe die Situation dort drastischer empfunden als im Football, der eher für alle zugänglich ist.“

In seinem Alltag in London kennt Agbabiaka verstärkte Kontrollen durch die Polizei. „Manchmal verstehe ich es, wenn jemand gesucht wird. Aber es kommt auch vor, dass ich mich frage, warum nicht der Mann vor oder nach mir, sondern genau ich kontrolliert werde. Es ist naheliegend, dass dies an der Hautfarbe liegt“, erläutert der Footballer, der die aktuelle gesellschaftliche Lage auch als Chance sieht: „Es ist gut, dass viele Menschen derzeit gemeinsam etwas bewegen. Unabhängig davon, ob schwarz, weiß oder einer anderen Minderheit angehörend, stehen sie für das gleiche Ziel ein. Das macht Hoffnung.“

Fußballer Habib Daff wurde von den eigenen Fans angemacht

Habib Daff macht momentan zweierlei Erfahrung. Die positive: Der Fußballer des VfB Solingen hat das Gefühl, dass Rassismus rund um seinen Sport ein wenig abgenommen hat. Viele Menschen seien aufmerksamer bezüglich der Probleme als früher. Das sei zu beobachten, seitdem der Anteil von Spielern mit afrikanischem Hintergrund steigt. Das schärfe bei Verantwortlichen die Sinne. Die andere hingegen ist ihm nur allzu bekannt: Rassismus gehört weiterhin dazu. „Im Jahr 2020 sollte es eigentlich so sein, dass wir bei dem Thema weiter sind“, sagt Daff. Den 23-jährigen Stürmer aus Hochdahl frustriert es: „Das Thema ist leider Realität. Seit ich fünf, sechs Jahre alt bin, spiele ich Fußball und erlebe es.“ Allen voran sind es Beleidigungen – von Spielern oder noch häufiger von Zuschauern.

Der Tiefpunkt war im Jugendbereich bei Fortuna Düsseldorf erreicht. In der Jugend-Bundesliga habe er sich oft „Beleidigungen, Affenlaute oder das N-Wort“ anhören müssen: „Leider auch von den eigenen Fans. Als ich nach einem Spiel am Bahnhof auf meinen Zug gewartet habe, hatte ich meine Fortuna-Klamotten noch an. Da haben mich eigene Fans angemacht, ich solle die Sachen ausziehen. Das hat doppelt wehgetan.“ Ein großes Problem sei, dass das Thema zu häufig unter den Teppich gekehrt würde. Kein Verein, kein Verantwortlicher, kein Funktionär wolle die negative Presse. „Noch schlimmer ist es, wenn man das Thema anspricht und es komplett geleugnet wird.“

Ein Positiv-Beispiel erlebte Daff während der Jugendzeit: Ein Gegenspieler beleidigte ihn, was dessen Kapitän zu einer klaren Ansage verleitete. „Ich hoffe“, sagt Daff, dessen Eltern aus Guinea stammen, „die jetzige Diskussion hilft, dass wir bei dem Thema weiterkommen.“

George Floyd

Am 25. Mai passierte das Unfassbare. Der 46-jährige Afroamerikaner George Floyd wurde bei einer Polizeikontrolle in der US-amerikanischen Großstadt Minneapolis gewaltsam festgehalten. Acht Minuten und 46 Sekunden kniete ein Beamter auf Floyds Nacken – bis dieser erstickte.

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