Handball

Der Punkt fühlt sich an wie ein Sieg

Der HSV demonstrierte gegen Beyeröhde tollen Teamgeist. Die Bank war lautstark bei der Sache. Foto: Christian Beier
+
Der HSV demonstrierte gegen Beyeröhde tollen Teamgeist. Die Bank war lautstark bei der Sache.

Handball, 2. Liga: HSV und Beyeröhde trennen sich 27:27. Das Derby lebte von der Spannung.

Von Lutz Clauberg

Die Schlussminute in der Klingenhalle riss alle von den Sitzen. Die über 500 Besucher erlebten zunächst einen Katastrophen-Pfiff des jungen Gummersbacher Schiedsrichtergespanns Marvin Cesnik/Jonas Konrad – die ansonsten hervorragenden Referees entschieden nach einem glasklaren Angreiferfoul auf Strafwurf für die Wuppertalerinnen. Natalie Adeberg verwandelte 28 Sekunden vor dem Abpfiff super-sicher zur 27:26-Führung. Sofort nahm die Gräfrather Trainerin Kerstin Reckenthäler das Team-Timeout. Und selbstverständlich opferte sie Torhüterin Lorena Jackstadt für eine siebte Feldspielerin. Der erhoffte Erfolg stellte sich tatsächlich ein. Vanessa Brandt kam ziemlich frei zum Wurf, wurde attackiert – erneut entschieden Cesnik/Konrad auf Siebenmeter. Sie lagen erneut falsch. Brandt schnappte sich unbeeindruckt den Ball und sorgte für den Endstand.

27:27 (13:13) hieß es also nach einem eher mäßigen Zweitligaspiel. „Natürlich lief nicht alles super“, sagte Kerstin Reckenthäler. „Aber der Einsatz stimmte. Für uns fühlt sich der Punktgewinn an wie ein Sieg. Wir freuen uns mehr als Beyeröhde.“ Nicht ohne Stolz führte sie an: „Wir sind 2020 zu Hause noch ungeschlagen.“ Zwei Punkteteilungen und ein Sieg lautet die tolle Bilanz des Schlusslichtes, dass in diesem Jahr eine gute Rolle in der 2. Bundesliga spielt.

Der HSV musste auf die kranke Laura Sosnierz verzichten, Mandy Reinarz spielte trotz arger muskulärer Probleme. Sie konnte nicht so, wie sie wollte im Angriff, dafür bildete sie mit Carina Senel einen Klasse-Innenblock. „Das Zusammenspiel Torhüterin/Abwehr hat funktioniert“, meinte Reckenthäler. Lorena Jackstadt hielt reichlich Bälle; die meisten Würfe waren allerdings auch nicht von berauschender Qualität. Der HSV hatte die gleichen Schwierigkeiten, scheiterte sehr häufig an Dana Centini. Auf dem Zettel von Kerstin Reckenthälers Vater Wolfgang standen sage und schreibe 34 Fehlwürfe.

Unter normalen Umständen ist ein Sieg so kaum möglich. Folgerichtig setzte sich Beyeröhde vom Wiederanpfiff weg ab. 13:16 stand es in der 33. Minute – der HSV konterte zum ersten Mal und hielt bis zum 17:17 (40. Minute) das Spiel offen. Die im Hinspiel mit 27:22 siegreichen Gäste erwischten fortan ihre stärkste Phase. Luisa Knippert nahm das Heft immer mehr in die Hand, Ramona Ruthenbeck spielte stark, plötzlich traf auch Melina Fabisch aus der zweiten Reihe. Beim 20:24 (49.) schien Beyeröhde wichtige Punkte im Abstiegskampf eingefahren zu haben. Doch das Blatt wendete sich.

Beyeröhde bekam Fracksausen

Vanessa Brandt krempelte nach einer fünfminütigen Auszeit auf der Ersatzbank die Ärmel hoch. Sie erzielte das 22:25 (51.), das 23:25 (54.) und das 24:26 (55.). Die Gäste bekamen Fracksausen. Lorena Jackstadt meldete sich mit diversen gehaltenen Bälle nach einer längeren Durststrecke zurück. Rechtsaußen Merit Müller bestätigte ihre krass aufsteigende Form mit einer erneut sauberen Leistung: Sie traf zum 25:26 und zum 26:26 (59.) und überwand die stabile Centini mit überlegten Würfen ins lange Eck. Die Linkshänderin hat in den letzten vier Spielen stattliche 22 Tore erzielt und kassierte wie Vanessa Brandt ein Sonderlob der Trainerin, der vor der Zukunft nicht bange ist: „So können wir auch gegen Nord Harrislee bestehen.“

HSV: Jackstadt, Gerken; Brandt (11, 3), Müller (5), Münch (5), Heinrichs (2), Penz (2), Gruner (1), Reinarz (1), Senel, Clauberg, Bohnen

Der 20. Spieltag beim HSV

An Karneval ruht der Handball-Spielbetrieb weitgehend – auf Bundesliga-Ebene allerdings nicht. Der HSV Solingen-Gräfrath spielt am Samstag (22. Februar) am 20. Spieltag in der Klingenhalle gegen den TSV Nord-Harrislee. Anwurf ist wie gewohnt um 18.15 Uhr. Passen muss beim HSV weiter Lisa Fahnenbruck. Die Torhüterin laboriert an einer heftigen Schnittverletzung am Daumen.

Aktuell: Werder Bremen gewann erneut, ist Siebter in der Rückrunden-Tabelle – der HSV Zehnter – und pirscht sich an Beyeröhde heran.

Meinung: HSV auf Spur der Eulen

Von Thomas Rademacher

thomas.rademacher@ solinger-tageblatt.de

Der HSV Solingen-Gräfrath ist immer noch Tabellenletzter der 2. Handball-Bundesliga. Doch das Team von Trainerin Kerstin Reckenthäler geht mit dieser Situation seit Jahresbeginn viel besser um als noch in der ersten Saisonhälfte. Die Hoffnung, dass nach dem sechsten Punkt 2020 und dem siebten überhaupt der Klassenerhalt noch gelingt, ist gering. Aber es scheint den Spielerinnen nichts auszumachen. Ähnlich wie die Eulen Ludwigshafen in der Männer-Bundesliga vorige Saison zieht die Truppe ihr Ding durch und wirft bis zum Schluss alles hinein. Die Zuschauer danken es. Mehr als 500 waren am Samstag in der Klingenhalle beim Remis gegen Wuppertal dabei. Wenn es so weiter geht, läuft es plötzlich doch noch wie bei den Eulen – denen gelang das Wunder.

Das könnte Sie auch interessieren

Unsere News per Mail

Nach der Registrierung erhalten Sie eine E-Mail mit einem Bestätigungslink. Erst mit Anklicken dieses Links ist die Anmeldung abgeschlossen. Ihre Einwilligung zum Erhalt des Newsletters können Sie jederzeit über einen Link am Ende jeder E-Mail widerrufen.

Die mit Stern (*) markierten Felder sind Pflichtfelder.

Meistgelesen

HSV dreht im letzten Turnierspiel mächtig auf
HSV dreht im letzten Turnierspiel mächtig auf
HSV dreht im letzten Turnierspiel mächtig auf
Schönningsen demonstriert Spielfreude
Schönningsen demonstriert Spielfreude
Schönningsen demonstriert Spielfreude
Mattia Bellucci muss mit Krämpfen aufgeben
Mattia Bellucci muss mit Krämpfen aufgeben
Mattia Bellucci muss mit Krämpfen aufgeben
Euphorie beim TSV, Tristesse bei der Eintracht
Euphorie beim TSV, Tristesse bei der Eintracht
Euphorie beim TSV, Tristesse bei der Eintracht

Kommentare