American Football

Prozess: Paladins machen ersten Schritt

Das Flutlichtderby gegen Langenfeld gehörte – abgesehen vom Ergebnis – zu den Höhepunkten der Paladins in der abgelaufenen Saison. Foto: Moritz Alex
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Das Flutlichtderby gegen Langenfeld gehörte – abgesehen vom Ergebnis – zu den Höhepunkten der Paladins in der abgelaufenen Saison.

Die Walder Zweitliga-Footballer sind mit der zurückliegenden Saison unterm Strich zufrieden.

Von Fabian Herzog

In einem mehr als würdigen Rahmen wurde eine außergewöhnliche Spielzeit nun auch offiziell abgeschlossen. Mit rund 90 Personen versammelten sich die Footballer der Solingen Paladins vor wenigen Tagen in den Räumlichkeiten der Cobra, um sich bei den vielen Helferinnen und Helfern zu bedanken, die Import-Spieler André Revere, Moses Harris, Robert Cummings und Noah Whittle zu verabschieden, Bilanz zu ziehen und nach vorne zu schauen. „Wir haben einen ersten Schritt gemacht“, kommentierte Headcoach Michael Tiedge stellvertretend für das Trainerteam das Erreichen des fünften Platzes in der GFL 2, verdeutlichte aber auch, dass langfristig mehr als 8:12-Punkte anvisiert werden sollen: „Wir befinden uns in einem Prozess, der kein Sprint ist, sondern ein Mittelstrecke-Rennen.“

Über allem steht die Zufriedenheit darüber, die von Corona geprägte und pandemiebedingt verkürzte Saison so störungsfrei durchbekommen zu haben. „Das war meine größte Sorge“, gibt Ingo Hübner, der 1. Vorsitzende, zu. Trotz einer fehlenden regulären Vorbereitung blieben die Paladins von großem Verletzungspech verschont, was auch der guten Zusammenarbeit mit David Grögers Athletik-Studio Plus D zu verdanken sei. Bis auf die letzten beiden Spiele, in denen ein Spieler rausgenommen werden musste, gab es auch keine Positivfälle im Team.

„500 Solinger Fans sind eh so laut wie 1000 in anderen Stadien.“

Ingo Hübner, Vorsitzender

Dafür aber sehr wohl einige positive Überraschungen. Wie die Youngster Noah Gehring oder Alexander Busch, die in ihrer ersten Seniorensaison einen klasse Eindruck hinterlassen haben. Letztgenannter bekam immer wieder die Chance, sein Talent als Quarterback unter Beweis zu stellen, und sorgte für mächtig Furore. „Ich wage zu behaupten, dass kein Spieler unserer Offense über so großen Mut verfügt wie er“, sagt Hübner.

Für viel Freude haben auch die vier Imports gesorgt. „Mit denen haben wir wirklich alles richtig gemacht“, lobt der Vorsitzende. „Das sind grundsolide Jungs, die menschlich sehr gut reingepasst haben und sich in Solingen extrem wohlgefühlt haben“, schließt sich Tiedge seinem „Chef“ an. Sportlich haben Harris und Whittle (in der Offensive) wie Cummings und Revere (in der Defensive) ihre Qualitäten gezeigt und wie erhofft den Unterschied gemacht. Die beiden Letztgenannten wurden sogar für das US-Team nominiert, das am 3. Oktober in Berlin gegen ein All-Star-Team der European League of Football (mit Ex-Paladin Patrick Poetsch) antritt. Cummings wird dies wegen der Schlüsselbein-Verletzung aus dem letzten Spiel gegen Langenfeld allerdings verpassen.

Das 9:38 gegen den Lokalrivalen war eine der Niederlagen, die schmerzten. Schlimmer empfanden die Verantwortlichen der Paladins aber das 14:17 gegen Rostock und beide Derbys gegen die Düsseldorf Panther (auswärts 0:13, zu Hause 28:30). „Da fehlte uns jeweils die Cleverness“, findet Tiedge. Dies spiegelte sich vor allem auch in vielen Strafen wider, die die Paladins immer wieder zurückwarfen. Hübner: „Da haben wir uns nicht mit Ruhm bekleckert.“ Im Schnitt 78 Yards Strafe pro Spiel sprechen Bände.

Eine deutliche Lücke klaffte leistungsmäßig zwischen den Mannschaftsteilen. Während Offense und auch Special Teams phasenweise Steigerungspotenzial offenbarten, können sich die Statistikwerte der Defense sehen lassen. Mit zugelassenen 89 Lauf- und 254-Gesamt-Yards im Schnitt pro Partie belegen die Paladins den zweiten Platz in ihrer Nordstaffel.

Fünf Heimspiele mit insgesamt 2800 Zuschauern

Absolute Spitze sind die Solinger dem eigenen Empfinden nach in Sachen Heimspiel-Atmosphäre. „Es war fantastisch, endlich wieder vor Zuschauern zu spielen“, schwärmt Michael Tiedge, für den es die erste Saison im Walder Stadion als Paladins-Headcoach war. Dass bei der Zuschauerresonanz nicht an Glanzzeiten wie 2018 oder 2019 angeknüpft werden konnte, lag auch an den Coronabestimmungen. Knapp 500 Zuschauer gegen Lübeck und Rostock, 400 gegen Essen, 600 gegen Düsseldorf und 800 zum Abschluss gegen Langenfeld sorgten wirtschaftlich immerhin für kein Minus. Und, wie Hübner meint: „500 Solinger Fans sind eh so laut wie 1000 in anderen Stadien.“

Rund um die Paladins

Ausblick: Beim Saisonabschluss-Event in der Cobra bekam die Mannschaft auch schon mal den Trainingsplan mitgegeben. Los geht die Vorbereitung für die 2022er-Saison in der zweiten Oktober-Woche. Wie das Team im nächsten Jahr aussehen wird, darüber lässt sich noch keine verlässliche Aussage treffen. Fakt ist, dass die Paladins kaum von ihrem eingeschlagenen Weg mit dem verstärkten Fokus auf Vereins-Identifikation und Einbau der Jugendspieler abweichen werden.

Personal: Gerne würde man „den einen oder anderen der diesjährigen Imports“ wieder in Solingen begrüßen. Aber das entscheidet sich erst in einigen Monaten. Fest steht, dass Martin Wilberg (Karriereende), Theo Papadopoulos (berufsbedingte Auszeit) und Paul Urspruch (Auslandsstudium) vorerst nicht mehr zur Verfügung stehen.

Comeback: Wilberg, der bereits von der Vereinsgründung an für die Walder die Knochen hingehalten hat, ist laut Hübner allerdings auch zuzutrauen, es ähnlich wie er selbst zu machen. Gegen Essen feierte der Vorsitzende in der zurückliegenden Saison ein Kurz-Comeback. „Ich wollte selbstständig vom Feld gehen“, begründet Hübner, der seine Spielerkarriere eigentlich, aber eben coronabedingt nicht standesgemäß, schon beendet hatte.

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