Die Woche im Sport

Profihandball rennt mit EM-Qualifikation sehenden Auges ins Verderben

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Mit der Austragung der EM-Qualifikationsspiele ist der Handball sehenden Auges ins Verderben gerannt.

Von Thomas Rademacher

Nach mehr als einem Jahr Corona-Pandemie ist bekannt, dass das Risiko einer Infektion beim Reisen genauso steigt wie beim Aufeinandertreffen vieler Personen. Beides geschieht bei Handball-Länderspielen. Sie bieten dem Virus eine gute Gelegenheit, sich in viele Regionen zu vermehren, wenn Spieler aus zig Vereinen kommen, in mehrere Städte reisen, Handball zusammen betreiben und sich unmittelbar danach wieder zurück zu ihren Clubs begeben. Was passieren kann, hat bereits die erste kurze Pause in der Bundesliga Anfang November 2020 gezeigt. Damals kam es während der Qualifikation zur Europameisterschaft 2022 trotz angeblich höchster Sicherheitsvorkehrungen zu einem Ausbruch im deutschen Team, der letztlich dazu führte, das an den folgenden beiden Bundesliga-Spieltagen etwa die Hälfte aller angesetzten Partien verschoben werden musste. Zuvor hatte es wohlgemerkt keinen einzigen Ausfall gegeben.

Schon damals war das kein Zufall. Zu einer Infektion kann es immer kommen, da die Profis auch Familie und Kinder haben und sich natürlich nicht über eine komplette Saison isolieren können und wollen, aber bei den in den engen Terminplan eingeschobenen Länderspielreisen wird das Risiko um ein vielfaches erhöht. Wie ist das Problem zu lösen? Durch Zeit, die man nicht hat. Wenn es Nationalspiele gibt, müssen die Sportler eigentlich ein paar Tage isoliert werden, bevor sie mehrfach negativ getestet zurück ins Teamtraining ihres Clubs dürfen. Wie soll das funktionieren, wenn zwischen dem Länderspiel und der nächsten Bundesliga-Partie drei Tage liegen? Exakt so war es diese Woche. Am Sonntag spielten viele Nationalteams, am Mittwoch ging der Ligabetrieb weiter.

Und spätestens am Dienstag deutete sich an, dass es im dänischen Team zu einem Ausbruch gekommen war. Drei Spieler sind inzwischen bestätigt positiv getestet, die meisten anderen befinden sich in Quarantäne. Das Duell des Bergischen HC in Flensburg (drei betroffene Dänen im Team) fiel aus, weil das örtliche Gesundheitsamt die Lage anders einordnete als das Berliner. Die Füchse nämlich durften einfach ohne ihre beiden Dänen, die nach ihrer Rückkehr keinen Kontakt zur Mannschaft hatten, antreten. Dass sie das ohne Murren taten, ist ihnen hoch anzurechnen. Bei vielen anderen Clubs wäre das Gejammer groß gewesen. Die Hauptstädter bissen auf die Zähne und rangen auch ohne die Leistungsträger Jacob Holm und Hans Lindberg GWD Minden mit 28:25 nieder.

Trotzdem ist es natürlich verständlich, dass es den Vereinen wehtut, auf Leistungsträger zu verzichten. Vor allem, wenn das Problem doch schon seit November bekannt ist. Mit der Austragung der EM-Qualifikationsspiele ist der Handball sehenden Auges ins Verderben gerannt. Der sportliche Wert der Partien ist ohnehin überschaubar. Die Topteams könnten in diesen Zeiten schlicht und einfach gesetzt werden, sie würden die Quali auch mit verbundenen Augen schaffen. Wenn man dann noch ein paar Plätze ausspielen muss, lässt sich das doch besser als mit Hin- und Rückspielen ohne Zuschauer in allen Ländern organisieren. Nicht nur leiden darunter die Vereine, auch das Gesundheitsrisiko der Spieler wird unnötig erhöht. Schon das Treffen an einem neutralen Ort für mehrere Partien würde das Risiko verringern. Und man würde wertvolle Zeit gewinnen, um die Spieler in die Clubs zurückzuführen. Wie etwa nach der WM in Ägypten Ende Januar. Hier verlegte die Bundesliga freiwillig Begegnungen, an denen Handballer beteiligt gewesen wären, die bei der WM noch spät im Einsatz gewesen waren.

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FLOP Fußballer sind sich mal wieder uneinig, wenn es um die Saisonfortsetzung geht. Die Diskussion wird sich bald wohl eh erledigen.

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