Die Woche im Sport von Thomas Rademacher

Der Profihandball hat fast keine Wahl

thomas.rademacher@ solinger-tageblatt.de
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Die Corona-Krise erwischt derzeit viele mit voller Wucht.

Ein Opfer ist natürlich auch der Profisport, der gerade abseits des Fußballs stark auf Zuschauereinnahmen angewiesen ist. Perfekte Beispiele dafür sind die Eishockey-, Hand- und Basketball-Ligen, die pro Spiel im Schnitt etwa 5000 Fans in die Hallen locken. Hatte die DEL (Eishockey) mit Beginn der Krise seine Play-offs abgesagt und alternativlos in den sauren Apfel gebissen, war in der HBL (Handball) und BBL (Basketball) noch die Hoffnung auf eine Fortsetzung der Saison vorhanden. Dass nun bis Ende August definitiv keine Großveranstaltung in Deutschland stattfinden darf, lässt zumindest im Handball die Wahrscheinlichkeit des Weiterspielens auf ein Minimum sinken.

Warum? Drei Gründe drängen sich auf: Erstens fällt es schwer, den alten Leistungsstand der Spieler rechtzeitig und ohne erhöhtes Verletzungsrisiko herzustellen, um die Saison bis zum 30. Juni – wenn die Verträge auslaufen – zu Ende zu bringen. Zweitens müssen nach aktuellem Stand alle direkten Kontakte einer positiv auf das Virus getesteten Person in Quarantäne. Wäre also zum Beispiel ein Spieler des Bergischen HC betroffen, könnte der Rest des Teams nicht mehr trainieren – und logischerweise auch nicht mehr die Saison zu Ende bringen. Drittens – und das ist vielleicht sogar der einleuchtendste Grund – werden die Vereine nun ausrechnen, ob eine Fortsetzung der Saison mehr kostet als ein Abbruch. Die weitreichend genutzte Ersparnis durch Kurzarbeit wäre schließlich nicht mehr möglich, und die Einnahmen durch Fernsehgelder sind mit dem Fußball nicht ansatzweise zu vergleichen.

Daraus folgt: Der Profihandball hat fast keine Wahl. Es ist davon auszugehen, dass die erforderliche Dreiviertel-Mehrheit aller 36 Erst- und Zweitligisten für den Abbruch votiert und dieser kommende Woche zum Fakt wird. Dieser Schluss verstärkt sich insbesondere darin, dass es keine Absteiger geben würde – die gefährdeten Teams also auch sportlich keinen Anreiz haben, die Saison zu Ende zu spielen.

Schade ist das natürlich trotzdem. Denn ein Stück weit Normalität im Sport ist ein großer Wunsch. So bleibt die Hoffnung, dass die kommende Saison normal beginnen kann. Doch selbst wenn das nicht gelingt, muss die Zeit genutzt werden, um Lösungen zu erarbeiten. Zur Not muss die Liga eben im September vor keinen oder wenigen, mit Masken bekleideten Fans starten.

TOP Sportstätten-Förderung sorgt für gute Nachrichten in schlechten Zeiten.

FLOP Ungewissheit macht allen Solinger Clubs zu schaffen.

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