Fußball

Planungssicherheit und Zukunftsangst prägen die Lage

DV Solingen mit Habib Daff am Ball in der Offenisvbewegung – der Solinger Bezirksligist gewann sein Heimspiel am 25. Oktober mit 3:0 gegen den TSV Eller. Danach war Schluss mit Fußball, DV lag auf dem zweiten Platz hinter dem VfL Benrath. Foto: Andreas Horn
+
DV Solingen mit Habib Daff am Ball in der Offenisvbewegung – der Solinger Bezirksligist gewann sein Heimspiel am 25. Oktober mit 3:0 gegen den TSV Eller. Danach war Schluss mit Fußball, DV lag auf dem zweiten Platz hinter dem VfL Benrath.

Der Abbruch der Fußball-Saison beschäftigt auch in Solingen die Gemüter.

Von Timo Lemmer

Die Hängepartie ist vorbei: Auch wenn das Ergebnis längst vermutet worden war und sich die allermeisten Vereine in verschiedenen Konferenzen ohnehin dafür ausgesprochen hatten, die endgültige Annullierung der Fußball-Saison der Amateure in allen Spielklassen erfolgte erst zu Beginn dieser Woche. Durch die Art und Weise des Abbruchs gibt es diesmal weder Auf- noch Absteiger. Zum erhofften Zeitpunkt Mitte August sollen alle Spielklassen folglich so den Neustart hinlegen, wie sie es bereits letzten Sommer – in der Hoffnung auf eine (ver-)wertbare Saison – getan hatten.

Für Manuel Habljak ist der Abbruch alternativlos.

Dass es endlich eine klare Aussage seitens des Verbands gibt, freut die Vereinsvertreter in Solingen: „Jetzt ist Planungssicherheit für alle da“, sagt Manuel Habljak, Geschäftsführer des VfB Solingen. Doch es gibt auch Kritik: Ditib-Vatanspor Solingen vertritt weiter offensiv einen anderen Ansatz – die Weyersberger hätten schon die letzte Saison am liebsten nicht ab-, sondern nur unterbrochen und fühlen sich darin nun bestätigt. Beide Vereine gehören jedenfalls im Männerbereich zu den Teams, deren Ligazugehörigkeit nun extern geklärt wurde.

So wäre DV Solingen in der Bezirksliga als Zweiter des Zeitpunkts der Unterbrechung gerne aufgestiegen. Vedat Atalay ärgert sich als Sportdirektor bekanntermaßen, dass nun die zweite Saison in Folge abgebrochen worden ist: „Es hat sich damit leider nur das bewahrheitet, was wir schon letztes Jahr betont haben: Dieses Problem wird uns länger begleiten, und das war abzusehen. Es ist schade, dass man das nicht voraussehen konnte oder wollte.“ Was ihn besonders stört: Die Einwände seines Vereins seien kaum zur Kenntnis genommen worden, wenngleich sie sich jetzt als richtig herausgestellt hätten: „Leider ist nichts von dem, was man sagt, irgendwie von Gewicht.“ Er ist resigniert: „Wir haben mit der Entscheidung wieder einmal Gewissheit, dass alles, was in diese Saison geflossen ist, umsonst war: Energie, Zeit, Arbeit, Emotionen und natürlich Finanzen.“

„Eine Wertung nach sieben Spieltagen wäre nicht fair.“

Bastian Kreienbaum, Kapitän des FC Britannia

Doppelt betroffen ist man sportlich am Bavert, wie Habljak unterstreicht: Denn die Zweite, Tabellenführer der Kreisliga B, habe „eine sehr ambitionierte Zielsetzung“ verfolgt. „Wir verlieren dort also die Chance auf die Kreisliga A. Aber die Entscheidung ist natürlich richtig und war alternativlos.“

Der Fokus im Walder Süden liegt dennoch am stärksten auf der Landesliga-Elf: Die hält abermals die Klasse. Habljak weiß, dass Spötter nunmehr behaupten: Das lag jetzt zwei Jahre nur an den Umständen. In der Tat hatte sich die Elf sportlich jeweils schwergetan. „Wir profitieren diesmal und bleiben in der Landesliga. Wir wollen jetzt einen Kader bauen, der eine Landesliga-Perspektive hat. Es wird ordentlich Bewegung geben.“ Heißt konkret: Den Klassenerhalt sieht der VfB als Chance, sein sportliches Glück demnächst wieder selbst in die Hand zu nehmen.

Bei Vedat Atalay ist Resignation eingekehrt.

Am meisten Pech dürfte der BV Gräfrath haben, der in der Kreisliga A den besten Eindruck hinterließ und berechtigt auf die Bezirksliga hoffen durfte. Wenn die Saison nicht beendet werden könne, sei das mehr als ärgerlich, hatte Vorstandsmitglied Marcel Lauenroth zuletzt gesagt: Das ist nun Realität. Während deshalb am Weyersberg DV – der Fusions–club will unbedingt in die Landesliga – Frust schiebt, hat Platznachbar FC Britannia so den Bezirksliga-Verbleib in der Tasche. Beim FCB, der sich nach Abgängen sowohl von Daniel Pesch als auch Tim Evertz nach einer anderen, sportlichen Leitung umsehen muss, war das ungewiss. Kapitän Bastian Kreienbaum: „Ich persönlich sehe den Abbruch als längst überfällig und logische Konsequenz an. Eine Wertung nach sieben Spieltagen wäre nicht fair.“ Atalay teilt jedermanns Hoffnung, dass „wenigstens die neue Saison vernünftig stattfinden kann“. Mitte August ist als Rückkehr des Amateurfußballs, der seine Kreispokale sowie den Verbandspokal noch über die Bühne bekommen möchte, in den Gedankenspielen verankert. Doch er hat auch eine düstere Aussicht: „Der Amateurfußball hat in letzter Zeit sehr gelitten und wird lange brauchen, um sich zu erholen.“

Hintergrund

Protest: Während in Solingen lediglich vereinzelt das Vorgehen des Verbandes kritisiert wird, löst die Annullierung andernorts Protest aus. Oberliga-Spitzeneiter 1. FC Bocholt hat angekündigt, die Entscheidung juristisch prüfen zu lassen: So habe beispielsweise im Nordostdeutschen Fußballverband Oberligist Viktoria Berlin mit elf absolvierten Begegnungen in die 3. Liga aufsteigen dürfen. Der hiesige Verband hatte stets 50 Prozent der Spiele als Mindestmarke für eine Wertung angepeilt. Die wurde nicht annähernd erreicht.

Das könnte Sie auch interessieren

Meistgelesen

Kreispokal: TSV gegen 03 am Gravenberg
Kreispokal: TSV gegen 03 am Gravenberg
Größe des Hilfsteams im Ittertal übersteigt die Erwartungen
Größe des Hilfsteams im Ittertal übersteigt die Erwartungen
Größe des Hilfsteams im Ittertal übersteigt die Erwartungen
Robin Becker und Dynamo Dresden sammeln Spenden für Leichlinger Kitas
Robin Becker und Dynamo Dresden sammeln Spenden für Leichlinger Kitas
Robin Becker und Dynamo Dresden sammeln Spenden für Leichlinger Kitas
TSG verstärkt sich mit einem Teammanager
TSG verstärkt sich mit einem Teammanager

Unsere News per Mail

Nach der Registrierung erhalten Sie eine E-Mail mit einem Bestätigungslink. Erst mit Anklicken dieses Links ist die Anmeldung abgeschlossen. Ihre Einwilligung zum Erhalt des Newsletters können Sie jederzeit über einen Link am Ende jeder E-Mail widerrufen.

Die mit Stern (*) markierten Felder sind Pflichtfelder.

Kommentare