Fußball

Paul Caspar eifert Ziel nun in Remscheid nach

Gute Laune, stets ein Lächeln auf den Lippen, positive Ausstrahlung: Paul Caspar will beim FC Remscheid auch sportlich von sich reden machen. Foto: PC
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Gute Laune, stets ein Lächeln auf den Lippen, positive Ausstrahlung: Paul Caspar will beim FC Remscheid auch sportlich von sich reden machen.

Der Solinger Fußballer hat schon eine Menge erlebt, gibt sich damit aber noch nicht zufrieden.

Von Fabian Herzog

Für seinen Traum hat er jahrelang auf einiges verzichtet und noch mehr investiert. Wie viele andere Fußballer auch, hat Paul Caspar in seiner Jugendzeit groß gedacht. Einmal Profi werden und mit dem, was einem am meisten Spaß macht, seinen Lebensunterhalt verdienen. Dass er nun, mit 21 Jahren, beim FC Remscheid in der Landesliga spielt, lässt erahnen, dass sein Plan nicht aufgegangen ist. Aber: Caspar hat sich nicht aufgegeben. „Den Traum habe ich noch immer“, sagt der sympathische Solinger trotzig.

In der Nachbarstadt will sich der Linksfuß langfristig für höhere Aufgaben empfehlen. Sein kurzfristiges Ziel lautet allerdings, fußballerisch erst einmal wieder in die Spur und zu alter Stärke zurückzufinden. Ein Kreuzbandriss samt Knorpelschaden, im September 2019 zugezogen und Anfang Januar 2020 operiert, hat ihn aus dem Tritt gebracht. „Ich muss erst wieder Fuß fassen“, sagt Caspar, der beim FCR extrem happy ist: „Ich bin super aufgenommen worden. Es fühlt sich an, als wäre ich nie woanders gewesen.“

„Es fühlt sich an, als wäre ich nie woanders gewesen.“
Paul Caspar, Fußballer beim FCR

War er aber. Und wie! Paul Caspar hat sportlich schon einiges erlebt. Angefangen beim SSC 95/98, wo er an der Seite von Adrian Stanilewicz (lange Bayer 04, jetzt mit Darmstadt 98 in der 2. Liga) kickte, führte ihn sein Weg über Union Solingen und TuSpo Richrath in die U14 des VfL Bochum.

Paul Caspar mit gesenktem Kopf und der E-Jugend der Union im Jahr 2010.

„Bei einem Turnier mit der Kreisauswahl in Wuppertal bin ich scheinbar aufgefallen“, erinnert er sich. Vom Sturm landete Caspar in der Innenverteidigung. Der Grund: „Ich war damals einer der Größten.“ Ein Umstand, der sich im Laufe seiner Karriere ändern sollte, wie der 1,73 Meter große Fußballer lachend anmerkt: „Ich glaube, ich bin seit der U15 nicht mehr gewachsen.“

Sportlich allerdings schon. In der U16 war er Bochums Kapitän, auch in der U17 und damit erstmals in der Junioren-Bundesliga lief es anfangs noch. Doch dann passte es zwischen ihm und dem damaligen Trainer nicht mehr. Bis zum zweiten Jahr U19 biss sich Caspar durch, schloss sich dann aber Rot-Weiß Oberhausen an. „Da war ich gesetzt und hab jedes Spiel in der Jugend-Bundesliga gemacht“, erinnert sich der Linksfuß, der aufgrund seiner Schnelligkeit die Rolle als Außenverteidiger immer sehr offensiv interpretiert hat.

Kein Wunder, dass RWO ihn gerne für die 1. Mannschaft gehalten hätte. Doch Caspar hatte andere Pläne. Nach dem Abi an der Alexander-Coppel-Gesamtschule entschied er sich, im Herbst 2018 nach Amerika zu gehen. Das Angebot einer Agentur, mit einem Stipendium an der berühmten UCLA in Los Angeles Umweltwissenschaften zu studieren und in der College-Mannschaft zu spielen, konnte er nicht ausschlagen.

In den USA war Caspar sportlich zu Beginn allerdings nicht vom Glück verfolgt. Obwohl ihm Matthew Taylor, früherer Stürmer von Preußen Münster, als Co-Trainer den Einstieg erleichterte, fand er sich meist auf der Bank wieder. Ein Grund war, dass die Chemie mit dem Coach nicht passte. Was nicht überrascht, wenn man weiß, dass dieser wegen Bestechung kurze Zeit später im Gefängnis landete. Da war der Solinger allerdings schon zu einem kleineren College nach Virginia weitergezogen.

Dort war Caspar von Beginn an gesetzt. Doch im September verletzte er sich im Training. „Ich bin falsch aufgekommen.“ Die Diagnose in Amerika lautete: Anriss der Außenbänder, aber das Kreuzband ist stabil. Zur Sicherheit ließ er sich in Wuppertal noch einmal untersuchen, wo das dann schon anders klang. Caspar: „Da wurde mir gesagt, dass gar kein Kreuzband mehr vorhanden ist.“ Es folgten OP, Reha und Anfang März die coronabedingte Rückkehr nach Deutschland, von wo aus er nun online studiert.

Im Sommer begab sich der 21-Jährige auf die Suche nach einer sportlichen Perspektive. „Ich wollte auf hohem Niveau wieder Fuß fassen“, erzählt er. Obwohl seine Heimatstadt mit dem VfB auch einen Landesligisten zu bieten hat, entschied er sich für den FC Remscheid, zu dem ihm ein Bekannter seiner Freundin, der als Spielerberater tätig ist, riet. „Der FCR ist perfekt für mich“, sagt Caspar, der bereit ist, ab sofort wieder auf einiges zu verzichten und viel zu investieren.

Neun Minuten

Wenige Tage, nachdem Caspar beim FC Remscheid eingestiegen war, feierte der Linksfuß sein Debüt. Beim 1:0 in Hamborn kam er in den letzten neun Minuten zum Einsatz. Beim 2:0 in Speldorf fehlte er dann wegen seines Studiums, danach fielen die Spiele coronabedingt aus.

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