American Football

Paladins lechzen nach dem Comeback

Derbys als Salz in der Suppe: In der Saison 2019, hier eine Szene aus dem Rückspiel im Walder Stadion, gab es gegen Langenfeld zwei herbe Abfuhren. Ein Jahr zuvor hatten die Paladins noch beide Partien deutlich für sich entschieden. Fotos: Tim Oelbermann
+
Derbys als Salz in der Suppe: In der Saison 2019, hier eine Szene aus dem Rückspiel im Walder Stadion, gab es gegen Langenfeld zwei herbe Abfuhren. Ein Jahr zuvor hatten die Paladins noch beide Partien deutlich für sich entschieden.

Serie: Wir beschäftigen uns unter anderem mit den Pandemie-Folgen für die Sportvereine

Von Jürgen König

Die Auswirkungen der Pandemie auf den Sportbetrieb in der Klingenstadt waren unterschiedlicher Wirkung. Einen hat es besonders hart getroffen: die Solingen Paladins. Der American-Football-Verein mit Heimat im Walder Stadion und auf dem Kunstrasenplatz an der Adolf-Clarenbach-Straße hat im Jahr 2020 keine einzige Partie austragen können. „Wir lechzen danach, endlich wieder unser Produkt, den Footballsport, präsentieren zu können“, gibt Vorstandsmitglied Ingo Hübner das enorme Verlangen nach Sport wieder. Am kommenden Wochenende soll die lange Leidenszeit ein Ende finden.

Die Corona-Folgen: Am 29. Februar 2020 war für die Paladins die Welt noch in Ordnung. Als vierter Partner der Sport-Gala neben Stadt, Sportbund und Tageblatt war der Club Mitgarant einer großartigen Veranstaltung. Das Virus war damals schon in der Öffentlichkeit angekommen, aber an eine solch dauerhafte Weltkrise dachte seinerzeit im ausverkauften Konzertsaal wohl niemand. „Es ist nicht einfach für uns, aber der Erlös von der Sport-Gala hilft uns weiter“, sagte Monate später bei der Übergabe der rund 9000 Euro der damalige 1. Vorsitzende Denis Palenschat.

Bis heute ruht der Spielbetrieb – nicht nur beim Zweitliga-Team, sondern auch bei den Frauen und der Jugend. „In dieser schweren Zeit hat sich der Begriff von der Paladins-Familie zu 100 Prozent bewahrheitet“, ist der mittlerweile als Palenschat-Nachfolger tätige Hübner glücklich, dass es kaum coronabedingte Austritte gab. 350 Mitglieder sind es aktuell. Sie haben schmerzhafte Entscheidungen ebenso akzeptiert wie Veränderungen und Sparmaßnahmen zum Wohle der Spielerinnen und Spieler sowie des Vereins. „Partner, Sponsoren und Unterstützer waren unser Fels in der Brandung, für die Treue gebührt unser tiefster Dank“, blickt Ingo Hübner zurück.

Das soziale Engagement: Gerade erst haben die Paladins ihre Tradition als zuverlässige Kräfte beim wichtigen Blutspende-Marathon an Pfingsten fortgesetzt. Ansonsten sind die Bemühungen klar auf Jugendliche ausgerichtet. Zum Beispiel mit der Bereitstellung von Leihausrüstung an diejenigen, die sich eine Montur nicht leisten können.

Überaus sozial ist das Verhalten auch bezüglich des verantwortlichen Umgangs mit dem Virus. Der Aufwand, um Mitte April erstmalig ein „echtes Training“ durchführen zu können, war inklusive einer eigenen, professionellen Teststation auf dem Stadion-Parkplatz enorm.

Die Sportstätte: Die Jahnkampfbahn ist Austragungsort der Partien, oft ist die Kulisse vierstellig. Für den Footballsport ist Naturrasen wichtig, in der Vergangenheit wurden auch schon Partien im ehemaligen Ohligser Stadion am Hermann-Löns-Weg oder am Schaberg auf der Herbert-Schade-Sportanlage ausgetragen. Wald ist für die Paladins aber das Nonplusultra, gelingt dort insbesondere bei schönem Wetter der Sprung zum Event. Dann findet unter anderem der Palaburger reißenden Absatz und ziehen die Cheerleader mit ihrer Show die Zuschauer auf der vollen Haupttribüne in ihren Bann.

Auch mit Blick aufs Training ist der Sportpark Wald die Heimstätte, der Kunstrasen unterhalb des Areals vom Wald-Merscheider TV bietet gute Gelegenheiten. Das Verhältnis zum Großverein sei super, erklärt Ingo Hübner. „Vor allem die Zusammenarbeit mit Andreas Lukosch ist sehr positiv, einfach und immer zu unserer Zufriedenheit.“

„Das Verhältnis könnte nicht besser sein.“

Ingo Hübner zum Miteinander in verschiedene Richtungen

Die Möglichkeiten: Trotz Auflagen glücklich mit der Kombination Stadion/Kunstrasen – so lautet die Analyse. Analog dazu herrscht große Zufriedenheit in Richtung Stadt, Sportbund und Förderkreis Jahnkampfbahn. „Das Verhältnis könnte nicht besser sein. Alle versuchen, alles für die Paladins möglich zu machen.“ So entspreche auch der rege Austausch zur Situation in der Pandemie genau der Vorstellung. Medizinischer Partner ist die Chirurgisch-Orthopädische Gemeinschaftspraxis mit Dr. Robert Weindl, die Athletik lief im Winter „überragend“ über Plus D Sports.

Bezüglich des Trainingsbetriebs lautet das Motto „So gut es eben geht“. Drei Mal pro Woche in die Cobra zum Test, Mundschutz, Desinfektionsspray, Luca-App vor dem Eintritt auf das Trainingsgelände. „Natürlich ist das nicht die Situation, die wir uns alle wünschen. Aber andererseits sind wir dankbar für jedes bisschen Normalität“, bringt es Paladins-Führungsspieler Raphael Hasenbeck auf den Punkt.

Das Aushängeschild: Die Männer gehören zu den Solinger Teams, die hinter den Bundesliga-Handballern des Bergischen HC normalerweise die meisten Zuschauer zu ihren Heimspielen in der „Festung Jahnkampfbahn“ begrüßen dürfen. 2017 schaffte man als Regionalligist unter Headcoach Cevin Conrad den Zweitliga-Aufstieg mit einer perfekten Saison ohne jeglichen Punktverlust. Als Neuling sprang 2018 der überragende zweite Platz heraus – nur knapp wurde die Qualifikation zum Oberhaus hinter den Düsseldorf Panthern verpasst. 2019 stand am Ende der fünfte Rang zu Buche, 2020 war man zum Stillhalten gezwungen.

Der neue Paladins-Vorstand will den Verein nach dem Stillstand im vergangenen Jahr weiter entwickeln: Frank Neumann (v. l.), Heike Schürmann, Ingo Hübner, Birgit Friedrichs und Pascal Ott.

Die Historie begann 2006 in der Landesliga, mit der Gründung wurde die große Tradition von Klingenstadt-Football durch die Steelers und Hurricanes fortgesetzt. Verbandsliga (ab 2008), Oberliga (ab 2010), Regionalliga (ab 2014) waren Stationen des durchdachten, aber gleichzeitig behutsamen Aufschwungs.

Die neue Saison: Wie wird Corona die Meisterschaft beeinträchtigen? Das ist die große Frage. Rein sportlich wollen sich die Solinger in der German Football League 2 behaupten, folglich nichts mit dem Abstiegskampf zu tun haben.

Personell gab es unter der Leitung des neuen Cheftrainers Michael Tiedge einige markante Veränderungen, so in Person der vier US-Importe: Runningback Moses Harris und Offensiv-Kraft Noah Whittle sowie Andre D. Revere und Robert Cummings für die Defensive sind ebenso neu an Bord wie der aus Langenfeld zurückgekehrte Quarterback Jeremy Konzack. Dafür hatten sich schon 2019 Publikumslieblinge wie Quarterback Danny Farley, Runningback Daniel Rennich oder Defensiv-Leistungsträger Gino Vito Behling verabschiedet.

Apropos Publikum: Klar, dass die Solinger angesichts der entspannteren Corona-Situation und Erleichterungen in der Schutzverordnung auf Zuschauer hoffen. Allerdings nicht direkt. Hübner: „Es gibt so viele neue Auflagen, wir müssen uns erst mal diesen Neuerungen wie Trennung der Teams und Einbahnverkehr widmen, damit die Schiedsrichter überhaupt anpfeifen.“ Das zweite Heim-Match könnte dann mit Zuschauern klappen, zunächst wird auf jeden Fall ein Live-Stream angeboten: live.gfl.info – dies gilt auch für den Saisonstart.

Der Spielplan: Am 6. Juni (15 Uhr) geht es bei den Assindia Cardinals im Essener Sportpark Hallo los. Acht Vereine bilden die Nord-Staffel, in der die Paladins fünf Mal Heimrecht genießen: gegen Lübeck (19. Juni, 18 Uhr), Rostock (11. Juli, 15 Uhr), Essen (7. August, 18 Uhr), Düsseldorf (4. September, 18 Uhr) und Langenfeld (11. September, 18 oder 20 Uhr). Die mit Spannung erwarteten Derbys in Düsseldorf und Langenfeld finden am 26. Juni (16 Uhr, Benrath) beziehungsweise am 29. August (15 Uhr) im Jahnstadion der Longhorns statt.

Die Philosophie: Über das Spielerische hinaus, wo Michael Tiedge und „Co“ Markus Blessmann in der Offensive auf einen Mix von Lauf- und Passspiel setzen wollen, hat der Verein eine Maxime: alles zu versuchen, um das Beste aus der Situation zu machen. Und das gilt für alle Teams, so sind neben den als Profis eingestuften Zweitliga-Cracks noch Frauen, U19, U16, U13 sowie eine Flag-Mannschaft (kein Körperkontakt) gemeldet.

Es gibt folglich viel zu tun, gerade durch Corona sei vieles im Umbruch, was man von außen nicht sieht. Dies wollten die Paladins kürzlich eigentlich allen Partnern und Förderern näherbringen, mussten die Veranstaltung aber mit Blick auf die Schutzverordnung absagen. „Wir sind weiterhin ein ehrenamtlich geführter Verein und merken, dass wir langsam an unsere Grenzen stoßen“, heißt es bei den Paladins, bei denen sich einige Innovationen in der Umsetzung befinden. Die größte Hoffnung ist und bleibt dabei, mit der Flagge von Verein und Stadt zu lauter Musik alsbald auf den grünen Rasen eines gut besuchten Walder Stadions einzulaufen.

Der Verein

Vorstand: Ingo Hübner steht seit Mai an der Spitze der Footballer, Frank Neumann wurde bei der Jahreshauptversammlung – unter strengsten Hygiene-Richtlinien im Stadion durchgeführt – zum 2. Vorsitzenden gewählt. Pascal Ott, Cheftrainer der U16, übernahm im Vorstand das Ressort Event und Organisation. Frank Neumann trat für den Bereich Sponsoring die Nachfolge von Dennis Kretzer an. Den Vorstand komplettieren Heike Schürmann (Geschäftsführerin) und Birgit Friedrichs (Sport).

Kontakt: Der Verein ist auf Facebook und Instagram vertreten – Homepage:

www.solingen-paladins.de

Neuer Cheftrainer: Michael Tiedge geht mit den Paladins in eine besondere Saison.

Das könnte Sie auch interessieren

Meistgelesen

HSV düpiert Fortuna und trifft auf den Meister
HSV düpiert Fortuna und trifft auf den Meister
HSV düpiert Fortuna und trifft auf den Meister
VfB verpasst das Finale, 03 darf noch hoffen
VfB verpasst das Finale, 03 darf noch hoffen
VfB verpasst das Finale, 03 darf noch hoffen
Pokal als gute Option
Pokal als gute Option
Pokal als gute Option
Sportvereinigung triumphiert im dritten Anlauf
Sportvereinigung triumphiert im dritten Anlauf
Sportvereinigung triumphiert im dritten Anlauf

Unsere News per Mail

Nach der Registrierung erhalten Sie eine E-Mail mit einem Bestätigungslink. Erst mit Anklicken dieses Links ist die Anmeldung abgeschlossen. Ihre Einwilligung zum Erhalt des Newsletters können Sie jederzeit über einen Link am Ende jeder E-Mail widerrufen.

Die mit Stern (*) markierten Felder sind Pflichtfelder.

Kommentare