Handball

Nur Robbie verdrängt mal ihren HSV

Steffi Osenberg ist seit vier Jahren beim HSV und dort nicht mehr wegzudenken.
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Steffi Osenberg ist seit vier Jahren beim HSV und dort nicht mehr wegzudenken.

Interview mit Steffi Osenberg, der Co-Trainerin des Gräfrather Handball-Zweitligisten.

Von Fabian Herzog

Mit dem 27:22-Erfolg bei der SG Mainz-Bretzenheim sind Sie und die Zweitliga-Handballerinnen des HSV Solingen-Gräfrath in die Erfolgsspur zurückgekehrt, nachdem zuvor aus den ersten drei Spielen nur 3:3-Punkte herausgesprungen waren. Wie beurteilt die Co-Trainerin den Saisonstart?

Steffi Osenberg: Der verlief natürlich nicht so, wie wir uns das vorgestellt hatten. Das mache ich aber weniger an den Ergebnissen fest, als vielmehr daran, wie diese zustande gekommen sind. Wir haben es sowohl bei der Niederlage in Rödertal als auch beim Unentschieden gegen Regensburg nicht geschafft, den Sack trotz deutlicher Überlegenheit rechtzeitig zuzumachen. Wir arbeiten daran, dass wir „cool“ bleiben. Grundsätzlich sieht man an den ersten Ergebnissen, wie eng die Liga zusammengerückt ist. Im Prinzip kann jeder jeden schlagen.

Vergangene Saison stand am Ende Platz fünf zu Buche. Welche Ziele wurden diesmal in der Vorbereitung gesteckt?

Osenberg: Wir nehmen das Wort Aufstieg nicht in den Mund, wollen aber, wenn alles gut läuft, unter die ersten Drei kommen. Im Vergleich zum letzten Jahr sind wir aber sicherlich nicht mehr die Wundertüte und werden unterschätzt. Unsere Gegner haben sich auf uns eingestellt und ebenfalls teilweise gut aufgerüstet.

Was ganz untypisch war: Das Turnier-Trainingslager auf Sardinien am Ende der Vorbereitung haben Sie verpasst. Fiel Ihnen das schwer?

Osenberg: Auf jeden Fall. Da blutet einem das Herz. Aber ich hatte Karten für das Konzert von Robbie Williams in München zum Geburtstag geschenkt bekommen. Und man kann halt nicht alles haben. Aber Robbie war auch absolut mega.

Wenige Tage später hatten Sie Ihr HSV-Team ja auch schon wieder. Was zeichnet die Mannschaft aus, mit der Sie jetzt schon seit vier Jahren zusammenarbeiten?

Osenberg: Der Charakter der Spielerinnen ist schon außergewöhnlich. Menschlich sind alle top, da ist kein Ausreißer bei. Es gibt auch keine Störfeuer oder Ähnliches. Das erlebt man auf so einer sportlichen Ebene eher selten und hat auch unsere Neuzugänge zum Teil überrascht. Die haben sich vom ersten Tag an extrem wohlgefühlt.

Extrem harmonisch wirkt auch Ihr Zusammenspiel mit Trainerin Kerstin Reckenthäler. Die Videos der gemeinsamen Analyse nach den Spielen auf Instagram sind schon fast Kult. Wie würden Sie Ihr Verhältnis beschreiben?

Osenberg: Ich glaube, wir ergänzen uns einfach prima. Wir kennen uns ja fast schon seit zehn Jahren. Als ich bei Bayer Leverkusen die 2. Mannschaft gecoacht habe, war Keke Trainerin der A-Jugend. Sie ist unglaublich akribisch, immer optimal vorbereitet und ziemlich perfektionistisch. Ich will jetzt nicht sagen, dass ich davon das komplette Gegenteil bin, aber vielleicht der Ausgleich, den sie manchmal braucht (lacht). Na ja und das spiegelt sich dann auch in der Analyse wider, mit der wir zu Beginn der vergangenen Saison angefangen haben und die sich zu einer Art Running Gag entwickelt hat. Keke analysiert das Spiel auf den Punkt und ich steuere dann noch ein eher lockeres „Woran hat es gelegen?“ bei.

Wie würden Sie ansonsten Ihre Rolle beim HSV definieren?

Osenberg: Die Mädels haben mal spaßeshalber gesagt: „Co.“ und so. Ich bin quasi das Mädchen für Alles. Ich kümmere mich um viel Organisatorisches, mache ein bisschen Pressearbeit, arbeite dem Social-Media-Bereich zu, trainiere die Torhüterinnen zweimal pro Woche und höre Keke zu, wenn die sich mal ausheulen muss (lacht).

Beim TuS Wermelskirchen sah Ihre Rolle vor einigen Jahren ganz anders aus. Von 2014 bis 2016 waren Sie in zwei Verbandsliga-Saisons die Cheftrainerin. Wie sind Ihre Erinnerungen?

Osenberg: Es war eine super lustige Zeit, die mir viel Spaß gemacht hat. Ich erinnere mich auch noch daran, dass wir sehr erfolgreich waren und die Kameradschaft toll war. Damals ging es für mich ja auch nicht darum, den Mädels noch irgendetwas beizubringen oder sie auszubilden, sondern in erster Linie darum, eben Spaß am Handball zu haben.

Anders als beim HSV Solingen-Gräfrath

Osenberg: Klar, da haben wir natürlich das Ziel, die Spielerinnen besser zu machen. Was uns in den letzten Jahren sicherlich auch gelungen ist. Eine bessere Trainerin dafür, als Keke, gibt es aber auch nicht. Sie denkt sieben Tage die Woche 24 Stunden an ihre Mannschaft.

Gibt es einen Plan, wie lange Sie und Reckenthäler noch zusammenarbeiten wollen?

Osenberg: Keke hat es auf jeden Fall verdient, früher oder später mal Trainerin bei einem Erstligisten zu sein. Dann würden sich unsere Wege eh trennen müssen. Denn das könnte ich dann mit meinem Job als Führungskraft bei der Firma „All 4 Labels“ in Solingen-Wald gar nicht mehr unter einen Hut bringen. Das ist eben auch der Unterschied zwischen uns beiden. Bei mir ist der Trainerjob ein Hobby, bei ihr ist es definitiv Berufung.

Zur Person

Steffi Osenberg wurde am 14. Januar 1968 in Wuppertal geboren. Als Handballerin beim TV Beyeröhde großgeworden, wurde sie die erste Jugendnationalspielerin des TVB, mit der A-Jugend 1986 Deutsche Vize-Meisterin und wechselte im selben Jahr zum VfL Engelskirchen in die Bundesliga. Auch bei Bayer Leverkusen spielte sie auf höchstem Niveau, erreichte unter anderem das DHB-Pokal-Finale. In Beyeröhde klang ihre aktive Karriere später aus. Auch als Trainerin brachte sie sich in der Buschenburg ein, wechselte 2012 aber zu Bayer Leverkusen, wo sie die 2. Mannschaft übernahm. Von 2014 bis 2016 war Osenberg in Wermelskirchen Trainerin, ehe sie noch einmal nach Leverkusen – als „Co.“ von Kerstin Reckenthäler in der A-Jugend – zurückkehrte und mit dieser 2018 zum HSV wechselte.

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