Handball

Neustart bedeutet für Stefan Nippes viel

Stefan Nippes als Torhüter in Aktion – im August 2016 spielte sein Krefelder Team im DHB-Pokal beim Bergischen HC. Der Erstligist setzte sich seinerzeit in der Klingenhalle souverän mit 34:16 (15:6) durch. Heute beweist er Leidenschaft als Sportlicher Leiter. Foto: Christian Beier
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Stefan Nippes als Torhüter in Aktion – im August 2016 spielte sein Krefelder Team im DHB-Pokal beim Bergischen HC. Der Erstligist setzte sich seinerzeit in der Klingenhalle souverän mit 34:16 (15:6) durch. Heute beweist er Leidenschaft als Sportlicher Leiter.

Ein Solinger leitet die sportlichen Geschicke von Krefelds Drittliga-Handballern.

An diesem Wochenende erhält der sportliche Reigen über Bundesligist Bergischer HC und Frauen-Zweitligist HSV Solingen-Gräfrath hinaus Zuwachs. Zwar ohne einen Verein aus der Klingenstadt, aber mit personell enger Verbindung zur HSG Krefeld Niederrhein. Dort ist Stefan Nippes seit 2019 Sportlicher Leiter – als waschechter Solinger war der Torhüter bei der SG und beim BHC bis 2008 selbst aktiv.

Jetzt steht die Aufstiegsrunde zur 2. Bundesliga ins Haus, 14 Clubs haben gemeldet. „Ich empfinde es als sehr gut und sehr wichtig, dass die Drittligisten um den Aufstieg spielen können. Wichtig, dass wir uns zeigen können und nicht ein komplettes Jahr unter dem Radar laufen“, erkennt Nippes ein bedeutendes Signal nach außen – und sieht es als großes Glück an. Gar nicht glücklich waren die Vereine unterhalb der beiden Bundesligen im Herbst, als die Saison unterbrochen wurde. In der Staffel Mitte hatte Krefeld gerade mal vier Partien mit 4:4-Zählern absolviert, der Leichlinger TV (2:0) gar nur eine.

„Wir sind grundsolide und wollen Schritt für Schritt wachsen.“

Stefan Nippes zur Situation in Krefeld mit Eishockey und Fußball

Die Blütenstadt war bis 2009 und von 2010 bis 2013 eine weitere Station von Nippes, der als Aktiver zudem beim Tusem Essen, VfL Eintracht Hagen, TV Emsdetten und eben in Krefeld unter Vertrag stand. In seiner zweiten Saison kämpft er nun in anderer Position für den Handballsport und war entsprechend erfreut, dass der 3. Liga das Siegel Profisport zugestanden wurde – damit war der Weg frei für Training sowie den Wettbewerb. „Die 3. Liga ist bezüglich Profisport sehr heterogen, wir werden diesem Anspruch gerecht“, weiß der 34-Jährige um die eigene gute Situation und die Probleme anderer – so durfte man selbst durchgehend trainieren, während zum Beispiel für einen Longericher SC die Halle verschlossen blieb. Nippes: „Da ist dann auch kein Spielbetrieb zu gewährleisten.“ Unterschiedliche Regelungen in den Bundesländern spielen ebenso eine Rolle wie das jeweilige Standing in der Stadt. Davon profitiert dann ein HC Empor Rostock, der nicht nur laut Krefelds Trainer Maik Pallach zum Favoritenkreis zählt.

„Das Ziel ist die K.o.-Phase, was gleichermaßen unserer Qualität wie auch unserem Anspruch entspricht. Aber es ist kompliziert“, formuliert Stefan Nippes die Erwartungen – wohl wissend, dass die Mannschaft im Sommer einen Umbruch erlebte und mit nur vier Meisterschaftsspielen natürlich keine Eingespieltheit generieren konnte. Nach zuletzt vier Testbegegnungen stellten sich beim einen oder anderen Spieler auch schon die ersten körperlichen Probleme ein.

Fühlt sich bei der HSG Krefeld wohl: Stefan Nippes.

Hinzu kommen die Corona-Unwägbarkeiten. So waren zu Beginn der 3. Liga durchaus ein paar Zuschauer zugelassen. Wie man ganz ohne Publikum zurecht kommt, gehört ebenso zu den anstehenden Herausforderungen, wie mit möglichen positiven Testungen. Der Deutsche Handball-Bund, unter dessen Dach die Aufstiegsrunde vonstatten geht, hat einen Schnelltest am Spieltag vorgeschrieben. In Krefeld gibt es für mehr Sicherheit derer drei pro Woche.

Den Sprung in die 2. Liga hatten die Eagles bereits 2019 geschafft, das Abenteuer aber mit dem sofortigen Abstieg bezahlen müssen. „Wir haben da gesehen, was uns fehlt – sportlich wie strukturell“, verweist Stefan Nippes unter anderem auf die fehlende Tradition. Im Jahr 2013 entstand der Verein aus SC Bayer 05 Uerdingen und DJK SV Adler Königshof. Mittlerweile bekam die HSG Krefeld den Zusatz Niederrhein. „Mit der Namensöffnung wollen wir auch außerhalb von Krefeld für Unterstützungswürdigkeit werben“, sagt der Ex-Keeper. Die Pandemie grätschte aber auch hierbei dazwischen, vier in Moers geplante Spiele fielen aus. An diesem Samstag (19 Uhr) geht es in der Krefelder Glockenspitzhalle gegen Hanau um die ersten Punkte.

Die westdeutsche Großstadt mit ihren rund 230 000 Einwohnern hat gleich zwei bedeutende sportliche Botschafter: die Pinguine aus der Deutschen Eishockey-Liga und den KFC Uerdingen als Fußball-Drittligist. „Mit unseren Gesellschaftern aus Krefeld und der Region haben wir uns eine Nische geschaffen. Wir sind grundsolide und wollen Schritt für Schritt wachsen“, betont Stefan Nippes und ist glücklich, im Projekt den Sprung vom Spieler zum Sportlichen Leiter geschafft und dabei bereits viel gelernt zu haben. Offen für viel Input sei er, sich seiner Verantwortung bewusst. Und: „Es macht einfach Spaß, zu gestalten. So bin ich meinem Sport am engsten verbunden.“ In Absprache mit Coach Pallach habe er gleichermaßen für die Aufstiegsrunde wie auch für die kommende Saison wichtige Transfers getätigt.

Obwohl mit seiner Freundin in Düsseldorf wohnend und als Verwaltungsbeamter in Monheim arbeitend, hat Nippes noch engen Kontakt zu seiner Familie in Solingen. Und zu seinem Bruder, der unlängst ein spektakuläres Erstliga-Comeback im Löwen-Trikot beim HC Erlangen feierte. „Ich wusste ja, dass er mittrainierte. Er hat dann super gespielt, das hat mich sehr gefreut“, sagt Stefan Nippes. Und wünscht Kristian einen echten Abschluss nach einer tollen Karriere – vielleicht ja sogar vor Zuschauern. Es ist der Wunsch wohl aller Sportler.

Aufstiegsrunde zur 2. Liga

Teilnehmer: In Gruppe A spielen HC Empor Rostock, 1. VfL Potsdam, Eintracht Hildesheim, Tus Spenge, VfL Eintracht Hagen, Tus Vinnhorst und MTV Braunschweig. Die Gruppe B bilden HSG Krefeld Niederrhein, HSG Hanau, Tus Dansenberg, TV Willstätt, HC Oppenweiler/Backnang, TSB Heilbronn-Horkheim, VfL Pfullingen.

Modus: In zwei Gruppen à sieben Mannschaften spielt in einer einfachen Runde zunächst jeder gegen jeden. Jedes Team hat drei Heim- und Auswärtsspiele auszutragen. Danach geht es für die jeweils ersten vier Mannschaften in Hin- und Rückspiel im K.o.-Modus weiter. Die beiden Aufsteiger sollen bis zum 13. Juni ermittelt sein.

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