Handball

Nele Weyh bringt Bewegung an den Kreis

Szene vom Viertelfinale um die Deutsche A-Jugend-Meisterschaft: Gegen den Buxtehuder SV schied der verletzungsbedingt geschwächte Thüringer HC trotz insgesamt neun Toren von Nele Weyh aus. Foto: imago
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Szene vom Viertelfinale um die Deutsche A-Jugend-Meisterschaft: Gegen den Buxtehuder SV schied der verletzungsbedingt geschwächte Thüringer HC trotz insgesamt neun Toren von Nele Weyh aus.

Handball-Zweitligist HSV setzt auf einen Neuzugang aus der Thüringer Talentschmiede.

Von Jürgen König

Vier Neuzugänge hat der HSV Solingen-Gräfrath für seine dritte Zweitliga-Saison unter Vertrag genommen, eine Spielerin lebte bislang weit entfernt von der Klingenstadt: Nele Weyh. In Eisenach geboren, zog es die 18-Jährige über Wartburgstadt zum großen Thüringer HC. Das Talent stand auf dem Zettel einiger Clubs, der HSV machte das Rennen, nachdem über den zuständigen Stützpunkttrainer des Deutschen Handball-Bundes Kontakt entstanden war. „Für mich war bei der Entscheidung das Training unter Kerstin Reckenthäler ausschlaggebend und die familiäre Atmosphäre. Außerdem finde ich ein junges Team vor, das erfolgshungrig ist“, sagte die Handballerin bei ihrem Antrittsbesuch, in dessen Rahmen sie auch den Gräfrather Marktplatz bei Sonnenschein erleben durfte.

Die Portion Eis dort hatte sich Weyh redlich verdient, denn sie nahm parallel zur Wohnungssuche – fündig wurde sie schließlich in Aufderhöhe – an Trainingseinheiten in der ersten Vorbereitungsphase des Zweitligisten teil. Die enthielt eine besondere und aufschlussreiche Einheit, der HSV fungierte in Hennef als Demonstrationsteam beim hochkarätig besetzten Lehrgang für kommende A-Lizenz-Inhaber. Der stand unter der Leitung von Frauen-Bundestrainer Henk Groener – eine interessante Abwechslung in der durchaus fordernden Phase, die an diesem Freitag ihren Abschluss erfährt.

Nele Weyh im Trikot des HSV, wo sie auf Anhieb einen guten Eindruck hinterlassen hat. Ihr Vertrag läuft bis 2023.

„Sie ist sehr jung, und an ihrer Einstellung lässt sich erahnen, dass sie hohe Ziele hat“, ist Reckenthäler angetan. Auch wenn die Rechtshänderin in Sachen Athletik sicher noch Luft nach oben hat, bringt sie bereits eine Menge mit. Nele Weyh wird im Team der Solingerinnen gemeinsam mit Carina Senel das Duo am Kreis bilden. Viel in Bewegung sein, Räume für den Rückraum aufreißen, aktiv mitspielen – so beschreibt die zukünftige HSVerin sich selbst, setzt auf schnelle Beine und eine gute Technik. Die kommt nicht von ungefähr, hat sie doch seit 2018 die Ausbildung im Leistungszentrum des Thüringer Handball-Clubs Erfurt-Bad Langensalza genossen. Sie gehörte als Jugendliche dem Erstliga-Anschlusskader an und kam so auf neun bis zehn Trainingseinheiten pro Woche. In der Abwehr wird die Rechtshänderin aufgrund ihrer Größe von 1,70 Metern nicht erste Wahl für den Innenblock sein – dort hatte Gräfrath auf der Zielgeraden der vergangenen Saison öfters und durchaus mit Erfolg auf Liga-Torschützenkönigin Vanessa Brandt als zusätzliche Variante zu Senel/Mandy Reinarz gesetzt. Hingegen ist Weyh eine weitere Option bei der Ausführung von Siebenmetern.

Foto-Shooting, als HSV-Premiere in dieser professionellen Form die sportmedizinische Untersuchung bei Kooperationspartner Helios-Klinikum, Krafttraining – es gab schon einige Erkenntnisse für die Neu-Solingerin, die nach dem Abitur Richtung Lehramt in Wuppertal oder Köln studieren möchte. Dabei ist die Richtung noch offen: Sozialkunde, Ethik, Mathematik und Sport befinden sich im Visier.

„Ich lebe von meinen Emotionen und gehe gerne voran.“

Nele Weyh

Und wie kommt es zur ungewöhnlichen Trikotnummer 57? „Von klein auf habe ich immer das Trikot mit der Nummer 7 getragen.“ Die hat beim Zweitligisten aus der Klingenstadt aber schon die zur Vertragsspielerin aufgestiegene Henriette Clauberg – und die Nummer 77 ist das Markenzeichen von Liga-Torschützenkönigin Vanessa Brandt. Also wurde es die 57, die beim Thüringer HC ihre bisherige hochgeschätzte Positionskollegin Josefine Huber trug.

Ihr Lebensmotto „Immer 110 Prozent“ lässt bezüglich ihrer beruflichen Zukunft keine Sorge aufkommen, aber auch sportlich soll der Trumpf stechen – wenngleich das bloße Laufen nicht zu ihren Lieblingsaktivitäten zählt. „Sie hat sich bislang super präsentiert, da passt alles“, schwärmt Gräfraths Manager Stefan Bögel, der von der Deckungsleistung im Training und ihrer gesamten Art angetan war. „Ich lebe von meinen Emotionen und gehe gerne voran“, hofft die Bayern Münchens Fußballer interessant findende Nele Weyh besonders, dass sie nach der aufgrund der Pandemie nicht mehr zu genießenden vollen Salza-Halle viele Zuschauer in der Klingenhalle erleben darf. „Es pusht schon sehr, wenn Fans dabei sind.“ Und wenn sich dann noch die Vorstellung vom „Leistung bringen und überraschend gewinnen“ umsetzen lässt, sollte die Welt der neuen Kreisläuferin auch in einer sicherlich aufgewerteten 2. Bundesliga in Ordnung sein.

Los geht es Anfang September beim enorm aufgerüsteten SV Werder Bremen unter dem früheren Solinger Profi Robert Nijdam, erster Gast am Weyersberg ist am 11. September die SG Herrenberg. Der HSV geht im Moment davon aus, dass zu Hause wieder samstags ab 18.15 Uhr gespielt wird.

HSV-Trainer-Team

Inga Lehnhoff stellt ihre Erfahrung in den Dienst des HSV-Projektes.

Beim Ausbau seiner Strukturen vermeldet der Zweitligist die Verpflichtung von Inga Lehnhoff, die sich um das individuelle Training des Anschlusskaders und das Frühtraining kümmern soll. „Uns ist es wichtig, dass unsere Spielerinnen auf ein besseres Level gehoben werden, mit Inga haben wir dafür die perfekte Verstärkung gefunden“, sagt der Solinger Manager Stefan Bögel. Die 31-Jährige hatte beim Verein schon mal in einer schwierigen Phase als Trainerin in der 3. Liga ausgeholfen.

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