Leichtathletik

Nach 50 Jahren: Stiller Abschied einer Umtriebigen

Ulrike Bongard-Scheer bei der Weihnachtsfeier einer ihrer Gruppen in unbeschwerten Tagen. Das Miteinander war der Übungsleiterin stets wichtig. Foto: Bongard-Scheer
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Ulrike Bongard-Scheer bei der Weihnachtsfeier einer ihrer Gruppen in unbeschwerten Tagen. Das Miteinander war der Übungsleiterin stets wichtig.

Leichtathletik-Funktionärin und Übungsleiterin Ulrike Bongard-Scheer gab ihre Kurse im vorigen Jahr auf.

Von Daniel Bernards

Das Pandemiejahr 2020 brachte für viele Menschen der Stadt einschneidende Veränderungen. Das gilt auch für Ulrike Bongard-Scheer. Die im Solinger Leichtathletikclub beheimatete Übungsleiterin beendete ihre Kurse in der Präventions- und Rückengymnastik – und, so wie es aussieht, ihr Engagement als Übungsleiterin und Funktionärin in der Leichtathletik, das sie fast ein halbes Jahrhundert lang betrieben hat.

Die 66-jährige Mutter von zwei erwachsenen Kindern und Ehefrau des langjährigen SLC-Vorsitzenden Hans-Joachim Scheer macht deutlich, dass dieser Einschnitt tatsächlich hauptsächlich durch die Covid-Maßnahmen zustande kam: „Ab dem März sind mir einfach die Kurse weggebrochen. Und es ist ungewiss, wann und wie es weitergehen wird, zumal sich zudem viele Teilnehmer aus dem Verein abgemeldet haben.“ Drei Mal in der Woche führte Bongard-Scheer noch 50-60 Teilnehmer in Kursen ihres eigenen Vereins und der TG Burg. Die Kontakte, die dabei entstanden sind, würden zwar trotz der schwierigen Zeiten nicht abreißen, werden, so erzählt sie, dennoch sicher am meisten fehlen: „Da sind einige Freundschaften entstanden, insbesondere in dem SLC-Kurs, den ich knapp 20 Jahre lang geleitet habe.“ Denn eines sollte es in ihren Kursen nicht geben: „Das war nie ein anonymes Kommen und Gehen, das wollte ich nie.“

Hans-Joachim Scheer (r.) ist inzwischen Ehrenvorsitzender des Solinger LC und immer noch aktiv im Organisationsteam des Klingenlaufs. Der soll 2021 steigen.

Gleichzeitig sieht Bongard-Scheer neue Möglichkeiten im Leben ohne sportliche Verpflichtungen: „Ich genieße die neuen Freiheiten auch ein bisschen.“ Schließlich habe sie inzwischen das Rentenalter erreicht. So sei mehr Zeit für die Familie, zumal „ich inzwischen Großmutter geworden bin“. Wenngleich Vater Friedhelm Bongard als Trainings- und Lauffreund von Herbert Schade ein höchst erfolgreicher Leichtathlet war, zog es die Tochter weniger zur aktiven Leichtathletik. Aber: „Ich wurde oft gefragt, ob ich nicht da oder dort helfen kann, und habe das dann meist auch gemacht.“

„Ich habe viele Dinge begonnen, die erst mit der Zeit ins Bewusstsein gerückt sind.“
Ulrike Bongard-Scheer

So rekrutierte Friedhelm Bongard bereits vor knapp 50 Jahren seine Tochter Ulrike regelrecht als „Kampfrichterin“, ehe schnell der Schritt als Statistikerin des Leichtathletikkreises folgte, den zu der Zeit Heide Rosendahl prägte. Doch noch eine andere Institution und die Bekanntschaft mit einer weiteren Legende der Solinger Lauf- und Leichtathletikszene wurde in der Folgezeit bedeutend: „Bei Ina Westers Lauftreff nahm ich erst nur teil.“ Dann wurde Ulrike Bongard-Scheer wieder einmal gefragt, nämlich, ob sie selber den Kurs Laufen/Gehen übernehmen könnte: „Mit dieser neuen Gruppe im Lauftreff konnten wir viele, eher etwas unsichere Teilnehmer ans kontinuierliche Laufen bringen.“

Im Grunde sei der Kurs ein Vorläufer dessen gewesen, was sich später als Walken etablierte. Überhaupt, so stellt die ausgebildete Übungsleiterin fest, „habe ich viele Dinge begonnen, die erst mit der Zeit ins Bewusstsein gerückt sind“. Dazu gehöre neben der langjährigen Tätigkeit im Gesundheitssport, die Anfang der 90er Jahre begann, noch die Arbeit als Projektleiterin des Landesprojektes Talentsuche/Förderung, die sie 15 Jahre lang ausübte. Hierbei ging es darum, Kinder und Jugendliche aus den Schulen für die Sportart Leichtathletik zu gewinnen, aber auch darum, Lehrkräfte durch Fortbildungen zu qualifizieren.

Um eines, darauf legt Ulrike Bongard-Scheer großen Wert, sei ihr es niemals gegangen: „Ich war nie auf Außenwirkung bedacht, stattdessen ging es mir um die Freude an der Sache und um die Kontakte, die so entstanden.“ Ob der Abschied von sportlichen und leichtathletischen Funktionen endgültig ist, scheint auch noch nicht zu 100 Prozent festzustehen: „Man weiß nie, was die Zukunft bringt. Aber derzeit genieße ich alle meine Freiheiten.“

Ulrike Bongard-Scheer

Vater: Friedhelm Bongard starb Ende 2018 im Alter von 86 Jahren. Er gehörte in den 50er Jahren zu den besten Langstreckenläufern Deutschlands, verpasste 1956 nur knapp die Olympischen Spiele in Melbourne. Auch der Trainingskamerad Herbert Schades arbeitete später mit großem Engagement als Trainer und Funktionär.

Ehemann: Hans-Joachim Scheer, von vielen schlicht „Jocki“ genannt, ist inzwischen vom SLC zum Ehrenvorsitzenden ernannt worden. Inzwischen ebenfalls in Pension arbeitete er viele Jahre als Geschäftsführer beim Landesverband Nordrhein. Noch aktiv ist er im Organisationsteam des Klingenlaufes, das darauf hofft, dass die beliebte Veranstaltung 2021 stattfinden kann.

Kinder: Sohn Oliver war in Jugend- und jungen Erwachsenenjahren ein glänzender Hürdenläufer im SLC-Trikot. Nach seinem Studium arbeitete er als leichtathletischer „Entwicklungshelfer“ in Mittel- und Südamerika. Inzwischen lebt er mit seiner Familie in Österreich. Tochter Michaela ist in mittlerweile wieder in Solingen beheimatet und im städtischen Gesundheitsamt tätig.

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