Mein Blick auf die Woche im Sport in Solingen

Die fragwürdigsten Entscheidungen des Corona-Winters

thomas.rademacher @solinger-tageblatt.de
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Die Amateursportler spielen wieder. Doch die Planungen könnten deutlich besser sein, sagt ST-Sportredakteur Thomas Rademacher.

Solingen. Nachdem die Saison 2020/21 fast nur vom Profisport geprägt war, sind die Amateursportler in der laufenden Spielzeit zurück in Aktion. In vielen Bereichen läuft es sehr gut, wenn auch nicht ohne Einschränkungen. Zwischenzeitlich war die Teilnahme am Spielbetrieb nur für Geimpfte und Genesene möglich, kurzfristig sogar auch für Geboosterte nur mit Test. An diesen Vorgaben konnten die Verbände freilich nichts ändern. Sie mussten und müssen sich der Gesetzgebung des Landes unterwerfen, dabei immer flexibel bleiben und so die Weiterführung der Wettkämpfe ermöglichen. Genau das ist auch eine Kernaufgabe von Sportverbänden. Dass dies während der Pandemie schwieriger ist und dadurch Fehler geschehen, ist nachvollziehbar. Trotzdem ist es zu einigen Entscheidungen gekommen, die für Erstaunen sorgen.

An erster Stelle ist in diesem Zusammenhang der Saisonabbruch im Tischtennis zu nennen. Der Westdeutsche Verband hatte im Januar zunächst unterbrochen und später dann tatsächlich eine Wertung nach der Hinrunde beschlossen. Diese Entscheidung ist mit Blick auf das Solinger Sportgeschehen der absolute Flop-Flop des Winters. Zum einen erfüllt der Verband seine Kernaufgabe nicht, obwohl die Möglichkeit besteht. Zum anderen entschärft sich die Corona-Lage mehr und mehr, so dass im April vielleicht sogar komplett ohne Auflagen gespielt werden könnte.

Aber vor allem schafft sich die Sportart durch eine solche Entscheidung nahezu selbst ab. Seit 2002 sind die Mitgliederzahlen im Deutschen Tischtennis-Bund von knapp 690 000 auf 520 000 gesunken. Ein großer Schwund wurde nach Beginn der Pandemie verzeichnet. Eine Sportart kann nur begeistern, wenn Wettkämpfe stattfinden. Hierauf freiwillig zu verzichten und dabei auf die Corona-Situation zu verweisen, ist im Sinne des Tischtennis grob fahrlässig. Diskutabel wäre es gewesen, auf Doppel zu verzichten, um einen größeren Abstand zu wahren. Oder Ab- und Aufstiege auszusetzen, um besorgten Spielern die Entscheidung zum freiwilligen Verzicht zu erleichtern. Aber ein kompletter Abbruch ist ein Offenbarungseid – und verhindert nebenbei einen potenziellen „Booster“ für die Sportart, die in Timo Boll und Dimitrij Ovtcharov zwei absolute Aushängeschilder auf internationalem Level hat.

Ein weitsichtiger Schachzug war die Entscheidung des Fußballkreises Solingen, die Saison in zwei Etappen aufzuteilen, um bei einem ungünstigen Pandemie-Verlauf eine Wertung herbeiführen zu können. So werden in der 20-köpfigen Kreisliga A nur Hinspiele, die sogenannte Qualifikationsrunde, absolviert. Nach deren Abschluss an diesem Wochenende bestreitet die Top-Ten eine Aufstiegsrunde mit weiteren neun Partien, während der Rest um den Ligaverbleib kämpft. Eine tolle Idee, die jedoch nicht zu Ende gedacht wurde. Denn die Teams nehmen keinen einzigen Punkt aus der Qualifikation in die Aufstiegsrunde mit. Die Nachteile sind mannigfaltig: Für die bereits frühzeitig oben angesiedelten Teams geht es seit mehreren Spieltagen um nichts mehr. Das führt sogar dazu, dass an diesem Wochenende eigentlich nur noch Freundschaftsspiele feststehen. Der Elfte kann den Platz mit dem Zehnten nämlich nicht mehr tauschen.

Doch das ist nicht der einzige Nachteil. Es ist eine Ungerechtigkeit, dass zum Beispiel Spitzenreiter SSV Lützenkirchen mit aktuell 44 Punkten genauso ohne Zähler in die Aufstiegsrunde startet wie der zehntplatzierte HSV Langenfeld II (29 Punkte). Zugegeben: Play-off-ähnliche Verhältnisse sind reizvoll, doch die Spitzenteams sollten zumindest einen kleinen Bonus bekommen. Zehn Punkte für den Ersten zum Start, neun für den Zweiten und analog weiter – das wäre zumindest einigermaßen fair gewesen. Gleiches müsste dann freilich auch für die Abstiegsrunde gelten, in der nun aber das abgeschlagene Schlusslicht DV Solingen II dieselben Voraussetzungen im Kampf um den Klassenerhalt hat wie die TG Burg, die mit 27 Punkten an der Aufstiegsrunde gekratzt hat.

Hinterfragen muss der Verband auch die beiden Kreisliga-Spieltage, bevor am kommenden Wochenende die höheren Klassen wieder beginnen. Der TSV Solingen II und HSV Langenfeld II profitieren davon, da sie zahlreiche Spieler ihrer Bezirksliga-Teams einsetzen dürfen. Dass die Vereine diese Möglichkeit nutzen, ist verständlich. Doch der Verband hat es ihnen – sehenden Auges – sehr einfach gemacht.

TOP Handball: Der Bergische HC begeistert wieder. Beim 32:27 gegen Lemgo zeigte der Bundesligist seine dritte starke Leistung in Serie.

FLOP Basketball: Zwei Spieler der HSV-Sharks geraten im Spiel aneinander. Einer tritt künftig nicht mehr für den Oberligisten an.

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