Die Woche im Sport

Kurzfristig bleibt der Solinger Fußball ein Sorgenkind – mindestens

timo.lemmer@solinger-tageblatt.de
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Der Glaube an Besserung fehlt.

Der Deutschen liebstes Kind: Je nach Standpunkt ist es das Auto (ist das nicht längst überholt?) oder die Fußball-Bundesliga. Seit bald 15 Jahren, so war es zumindest bis zur Pandemie, knackt das Oberhaus beispielsweise Jahr für Jahr den Schnitt von 40 000 Stadionbesuchern pro Partie. Ein beeindruckender Wert, der aber doch nichts ist im Vergleich zu dem, was Woche für Woche im Jugend- und Amateurfußball los ist. Mit 90 000 bezifferte der DFB vor einigen Jahren mal den Umfang der ausgetragenen Spiele pro Woche. Noch viel eher als die Bundesliga bewegt der eigene, viel nahbarere Sport die Republik – und noch viel eher, als einen Haaland im Stadion zu sehen, vermissten es alle Fußballer – jung oder erwachsen –, während des Lockdowns selbst gegen den Ball zu treten.

In Solingen ist das nicht anders. Auf 13 Kunstrasenplätzen rollt täglich der Ball, am Wochenende herrscht Vollbetrieb. Doch in der Klingenstadt bleibt der Volkssport Nummer eins dennoch Sorgenkind: Die Masse ist da, doch wo ist die Klasse?

Sicherlich hat die lange dahinsiechende Union einige Löcher gerissen. Sportlich. Im Senioren- und Nachwuchsbereich. Emotional in der Fußballseele. Im Vertrauen rund um den Solinger Fußball, was zwingend notwendige Unterstützung angeht. Aber diese Ausrede hat lange genug hergehalten. Seitdem versuchen es zahlreiche Köche und vermeintliche Heilsbringer, mal strebt hier eine Jugendabteilung für ein paar Jahre auf, mal spielt dort jemand ein paar Jahre in der Landesliga. Bäumchen wechsle dich, in ein paar Jahren ist wieder jemand anders dran.

Dabei haben die Solinger mehr als Bock auf guten Fußball, der – das scheint im ersten Schritt noch wichtiger – ansprechend präsentiert wird. Im Walder Stadion müssen quasi nur die Tore geöffnet werden, um Jugend- und Seniorenendspiele oder hochkarätige Testspiele auszurichten, und die Leute kommen.

Dass es in der Stadt Tausende Fußballfans gibt, der Nachwuchs breit aufgestellt ist, und es Macher gibt – Beispiele: Beim TSV entsteht eine tolle Infrastruktur, bei Wald 03 wird in die sportlichen Rahmenbedingungen investiert – ist eine weiterhin eine gute Basis. Es nützt aber nichts, wenn weiterhin an allen Ecken und Enden verschiedene Süppchen gekocht werden. Gespräche zwischen Vereinen werden, so hört man, nur allzu häufig machtasymmetrisch geführt: Wir haben eine breite Basis, wir haben (aktuell) mehr Geld, dein Verein braucht uns eher – wir diktierten die Bedingungen. An der Sache interessiert ist anders. Keine Chance, dass so etwas nach vorne geht.

Dabei kann sich das aufgrund des sportlichen Ist-Zustands eigentlich niemand leisten. Das klassenhöchste Team, Landesligist VfB, startet so in die Saison, wie die vorigen geendet sind (schlecht). In der Bezirksliga gibt es zwei Null-Punkte-Starts. Und ob eines der ambitionierten Teams den einzigen Aufstiegsplatz ergattern kann, oder am Ende die Qualität der Düsseldorfer Teams nicht doch wieder höher ist, ist komplett offen. Der Fußball bleibt ein Sorgenkind. In dieser Spielzeit gewiss, wie die ersten zwei Wochen schon zeigen. Ob auch darüber hinaus, das entscheiden nicht zuletzt die handelnden Personen: In Solingen gibt es (nicht alle, aber viele) Möglichkeiten. Allein: Der Glaube an Besserung fehlt nach den Jahren der Dauer-Tristesse.

TOP: Andrea Rohrbach-Kerl, jahrelanges Herz der Eintracht, hängt mit 40 Jahren die Fußballschuhe an den Nagel. Chapeau vor dieser Laufbahn!

FLOP: Kein Jungen-Team schafft es auf Verbandsebene.

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