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Königsdisziplin der Leichtathleten verlangt alles ab

Sieht doch gar nicht so untalentiert aus: ST-Mitarbeiterin Celine Derikartz meisterte mit dem Hürdenlauf die erste von sieben leichtathletischen Herausforderungen. Fotos: Christian Beier
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Sieht doch gar nicht so untalentiert aus: ST-Mitarbeiterin Celine Derikartz meisterte mit dem Hürdenlauf die erste von sieben leichtathletischen Herausforderungen.

Mitgemacht! ST-Mitarbeiterin folgt der Einladung des TSV Aufderhöhe und versucht sich im Siebenkampf.

Von Celine Derikartz

Als ich am Schaberg ankomme, ist die erste Disziplin bereits aufgebaut. Schließlich gibt es einen straffen Zeitplan. Die Leichtathletik-Abteilung des TSV Aufderhöhe hat mich zum Mitmachen eingeladen und sich in Person von Trainer Hartmut Maus etwas ganz Besonderes ausgedacht. Da die Sportart Leichtathletik sehr breitgefächert ist und ich einen möglichst umfassenden Einblick bekommen soll, lautet meine Aufgabe heute: Siebenkampf.

TSV-Trainer Hartmut Maus hatte Spaß – trotz der nicht immer perfekten Umsetzung der Übungen.

In einer Stunde sind an diesem Abend sieben Disziplinen in der folgenden Reihenfolge zu absolvieren: 100 Meter Hürden, Hochsprung, Kugelstoßen, 200 Meter Sprint, Weitsprung, Speerwurf und ein 800-Meter-Lauf. Als ob das alleine nicht schon reichen würde, regnet es auch noch in Strömen. Das kann ja lustig werden. Damit ich nicht allein bin und einen Ansporn habe, haben sich trotz des bescheidenen Wetters fünf Mädchen der U16 des TSV bereiterklärt, ebenfalls mitzumachen.

Der Siebenkampf – das Pendant bei den Herren ist der Zehnkampf – gilt als Königsdisziplin der Leichtathletik. Alle Grundfertigkeiten müssen beherrscht werden, auch wenn diese teilweise völlig unterschiedlich sind. Schnelligkeit, Kraft und Ausdauer zählen ebenso dazu wie spezifische Techniken, zum Beispiel beim Werfen. Die Einzelergebnisse der Disziplinen werden im Wettkampf in Punkte umgerechnet und addiert.

Überall ist zumindest eine solide Leistung erforderlich, um nicht zu viel Boden auf die Konkurrenz zu verlieren. „Normalerweise gibt es immer ein, zwei Disziplinen, die man lieber macht und auf die man sich im Training und in den Wettkämpfen spezialisiert“, erläutert Hartmut Maus. Eine solche Spezialisierung erfolgt meist relativ spät. Im Kinder- und Jugendbereich wird zunächst ausschließlich Mehrkampf betrieben, bis sich eine Neigung zu einer bestimmten Disziplin herauskristallisiert. Oder man bleibt eben als Allrounder dem Mehrkampf treu.

Den Auftakt machen beim Siebenkampf traditionell die 100 Meter Hürden. Also nichts wie rein in den Startblock, irgendwie werde ich die Hindernisse schon überwinden. Das Problem: Auf mich warten zehn Stück. Gegen Ende der 100 Meter schwinden merklich die Kräfte und von Hürde zu Hürde fällt mir der Absprung schwerer. Während also meine Konkurrentinnen links und rechts an mir vorbeipreschen, lautet meine Devise erst einmal: unfallfrei alle zehn Hürden überwinden. Das gelingt mir immerhin.

Es folgt der Hochsprung, bevor ich mich dann im Kugelstoßen versuchen darf. Drei Kilo wiegt die Metallkugel, die es so weit wie möglich aus der Abwurfzone zu stoßen gilt. Von dort wird ein Maßband angelegt, um die gestoßene Weite bis zur Aufprallstelle der Kugel abzulesen. Nachdem ich die Kugel kurz in der Hand gewogen habe, befürchte ich, dass der Trainer das Band bei mir wohl nicht so weit ausziehen muss. Tatsächlich sind meine beiden Versuche – gelinde gesagt – ausbaufähig, aber ich bekomme die Kugel immerhin aus der Abwurfzone gewuchtet. Sechs Meter stehen am Ende für mich zu Buche. Ich gönne mir gerade ein wenig Zufriedenheit, als Maus mir mitteilt: „Deine Altersgruppe stößt eigentlich mit vier Kilogramm, in der U16 sind es aber noch drei Kilo.“ Zu früh gefreut.

Die Mädchen zeigen mir bei jeder Disziplin die richtige Technik und geben mir fleißig Tipps, wie es besser klappen könnte. Dieses Gemeinschaftsgefühl ist ebenfalls ein Teil der Leichtathletik. Obwohl jeder für sich und die persönliche Bestleistung kämpft, zählt auch der Gedanke, als Mannschaft gut abzuschneiden und sich gegenseitig zu unterstützen und aufzubauen.

Nicht zuletzt wegen der Atmosphäre der Wettkämpfe hoffen Maus und die derzeit 60 Leichtathleten des TSV, dass sie sich bald wieder mit anderen messen können. Bedingt durch Corona ist die gesamte Sommersaison ausgefallen, und die Hallen-Meisterschaften sind auch noch nicht terminiert. Stattdessen wird unermüdlich trainiert, egal bei welchem Wetter. Jeder will fit sein, wenn es drauf ankommt.

„Wir werten das trotzdem. Du hast heute Welpenschutz.“
Hartmut Maus, TSV-Trainer, nach dem missglückten Speerwurf

Beim Speerwerfen gilt: Was einfach aussieht, ist in Wahrheit äußerst schwierig und erfordert einen sehr speziellen Bewegungsablauf. „Deutschland ist eine Speerwurf-Nation“, ermuntert mich der Trainer. Um es kurz zu machen: An meinen mehr als dürftigen Würfen ist diese Tatsache definitiv nicht erkennbar, wirklich zum Fliegen bringe ich das Sportgerät auch nicht.

Im Gegenteil: Eigentlich soll der Speer im Bogen fliegen und mit der Spitze zuerst aufkommen, ansonsten ist der Versuch ungültig. Mir gelingt das Kunststück, dass sich der Speer in der Luft überschlägt und mit dem Ende voran aufkommt. „Wir werten das trotzdem. Du hast heute Welpenschutz“, zeigt sich Trainer Maus milde. Zum Schluss heißt es noch einmal, die Kräfte für den 800-Meter-Lauf zu mobilisieren, dann ist es geschafft. Meine Punkteausbeute ist recht mager – die Gewinnerin unseres kleinen Wettkampfes hat mehr als doppelt so viele Punkte wie ich. Aber Dabeisein ist ja bekanntlich alles. Ich habe jedenfalls mein Bestes gegeben, viel Spaß gehabt und darüber hinaus einen guten Einblick in eine äußerst vielfältige Sportart bekommen.

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