Fußball

Kölmel-Duo schafft das doppelte Double

Lena Kölmel genießt jeden Moment im Trikot von Borussia Dortmund – wie ihre Teamkolleginnen profitiert sie von Freundschaftsspielen gegen höherklassige Konkurrenz.
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Lena Kölmel genießt jeden Moment im Trikot von Borussia Dortmund – wie ihre Teamkolleginnen profitiert sie von Freundschaftsspielen gegen höherklassige Konkurrenz.

Solinger Geschwisterpaar steigt auf und wird Pokalsieger – als Torhüter mit dem BV Gräfrath und Borussia Dortmund.

Von Jürgen König

Als Florian Kölmel vor zwei Wochen seinen Arbeitsplatz zwischen den Pfosten des BV Gräfrath einnahm und mit seinem Bezirksliga-Aufstiegsteam zusätzlich noch den Kreispokal anpeilte – was dann auch gelang –, hatte ein weiblicher Fan von ihm genau dies kurz zuvor schon geschafft. Ihr Name: Lena Kölmel, die Schwester und wie der ältere Bruder Torhüterin. Ihr Verein: der berühmte Ballspielverein Borussia 09 Dortmund.

Familienliebe geht über Vereinstreue.

Florian Kölmel

„Bei uns beiden war in den jeweiligen Vereinen kein Torwart da, also hat man uns reingestellt“, erzählt das Geschwisterpaar mit großer Freude über die Parallele zu Beginn der Karriere. Florian wurde als der Größte mit seinen 1,93 Metern ausgesucht und ließ seiner Anfangsstation beim Post SV bis heute weitere Engagements beim Sportring, bei der Union in der Niederrheinliga, gleich zwei Mal beim VfB bis zur Landesliga hoch, bei der Britannia und nunmehr am Flockertsholz folgen.

Als U19-Spieler gab es sogar ein Probetraining bei der Dortmunder Borussia. Lena, die nach eigenem Bekunden zunächst während der Spiele des Bruders eher auf den Bau von Sandburgen bedacht war, fing erst im Alter von 14 mit dem Fußball an. Und fand rasch den Weg ins Tor. „Auf dem Feld wirktest du auch etwas verloren“, blickt Florian auf ihre Anfänge zurück – sein Stolz auf die 1,78 Meter große Schwester sollte sich noch einstellen. „Ich habe mich schnell wohl gefühlt, wenn der Pfosten neben und die Linie hinter mir war“, sagt Lena, die über den Sportring, die Eintracht und Soest aufgrund des Studiums den Weg nach Dortmund fand.

In die Großstadt des Ruhrgebiets gezogen, wurde sie dort Teil einer ganz besonderen Geschichte. Der ruhmreiche BVB hatte im Vorjahr beschlossen, Frauenfußball anzubieten. Und das mit dem Ziel, sich ganz nach oben zu orientieren. 23 Spielerinnen, später wurden es 24, sollten die große Chance erhalten. Corona machte jedoch einen Strich durch die Rechnung eines großen, öffentlichen Probetrainings, von daher waren die Aspirantinnen aufgefordert, ein Bewerbungsvideo zu schicken.

Aus 150 wurden 50, die tatsächlich zum Training kamen, 23 blieben übrig. Mit dabei: Lena Kölmel. „Das war wahnsinnig spannend. Ich habe versucht, cool zu bleiben, und mich natürlich riesig über die Zusage gefreut.“ Der Zuspruch ihres Freundes Daniel, die Chance zu suchen, hatte sich gelohnt. Ausgerechnet bei der Eintracht im Walder Stadion – ohne die an einem Zehenbruch laborierende Solingerin – ging ein Test mit 0:1 verloren. Es sollte ein seltenes Gefühl für die mittlerweile eng befreundeten Schwarz-Gelben bleiben, die mit 18 Siegen durch ihre Kreisliga fegten, mal mit 17:0 gewannen und auf ein Torverhältnis von 143:3 kamen. In Meisterschaft wie Pokal waren Teams des TV Brechten die härteste Konkurrenz, aber auch die zogen mit 0:3 und 0:4 den Kürzeren.

Ob Stadion Rote Erde, Fußballakademie, ein großer Trainerstab, Bildungsreise nach Polen, 1300 Zuschauer im Freundschaftsspiel gegen 1860 München, ansonsten bis zu 600 Besucher, Anhänger mit großer Reiselust und vieles mehr – Lena kennt den Rahmen: „Das ist Fußball unter Profi-Bedingungen.“ Was sich auch dadurch äußert, dass es die Fans waren, die mit einem Entscheid ein klares Votum trafen: Aufbau von der Kreisliga A statt der Option, die Lizenz eines klassenhöheren Clubs zu erwerben.

Florian Kölmel klatscht sich mit Fabian Schulten ab, der das 1:0 im Pokal erzielte und seine Karriere beendete.

Von einer Zukunft seines Teams in höheren Ligen bleibt Florian Kölmel wohl weit entfernt, aber mit dem Erreichten und Geplanten beim BV Gräfrath ist er rundum zufrieden. „Der Pokalsieg war wie bei meiner Schwester natürlich das i-Tüpfelchen“, spricht der Keeper auch von einem verdienten Triumph – der sich zumindest angedeutet hatte. So war im Pokal auch Landesligist VfB gegen den Neu-Bezirksligisten auf der Strecke geblieben, und dieser hatte zudem eine überragende Kreisliga-A-Meisterrunde hingelegt. „Wir haben mit unserer Fünferkette unglaublich an Kompaktheit zugelegt. Und wie auch beim 1:0 gegen den TSV im Pokalfinale so gut wie immer als Mannschaft funktioniert“, schwärmt der 28-Jährige vom Miteinander am Gräfrather Lichtturm.

Dort wird Florian Kölmel in der kommenden Bezirksliga-Saison sicher öfters gefordert werden als in der tadellos bestrittenen Aufstiegsrunde oder eben im Endspiel gegen Aufderhöhe. „Das wird wesentlich anstrengender und eine Herausforderung für den Kopf, wir müssen immer hellwach sein“, ist der Rückhalt hinter der Abwehr traurig, dass mit Fabian Schulten und Dennis Petti zwei langjährige Wegbegleiter ganz oder teilweise aufhören. Aber auch Kölmel will sich innerhalb des bestens funktionierenden Torhüter-Teams ab und zu eine sportliche Auszeit zugestehen, die langjährige Freundin Katja wird es freuen.

Das ist Fußball unter Profi-Bedingungen.

Lena Kölmel
Als Kinder wehrten sie im Zimmer auf Matratzen die Bälle ab, jetzt tun sie es auf dem Rasen: Lena und Florian Kölmel.

Derweil soll in Dortmund die Erfolgsgeschichte bei steigendem Druck mit gezielten Verstärkungen weitergeschrieben werden, ohne dass das freundschaftliche Verhältnis im Kader leidet. „Bis nach ganz oben sind insgesamt sechs Aufstiege notwendig, innerhalb von zehn Jahren will es der Verein packen“, blickt Lena Kölmel voraus. Eine zweite Mannschaft wurde gegründet, sie ist bislang eine von drei Torhüterinnen, die wechselweise ihre Spielanteile bekommen hatten – bei der Solingerin, unter anderem gecoacht von Ex-BVB-Spieler Johannes Focher, steht eines der drei Gegentore in der Bilanz. „Ich schaue schon zu meinem Bruder auf und bin fasziniert von seinen Abschlägen. Meine Stärke liegt sicherlich im eins gegen eins“, sagt Lena, die als 24-Jährige ohne große Bedeutung die Rückennummer 20 trägt. Gräfraths Nummer 30 sieht letzteres auch so, führt es darauf zurück, dass beide ruhigere Typen seien. „Meine Stärken sind auf der Linie, mittlerweile läuft es aber auch im Strafraum gut“, setzt Florian noch auf ein verbessertes Spiel mit dem Ball.

Auf Bundesliga-Niveau ging sein Blick bislang stets zum großen BVB-Rivalen nach Schalke. Das war sein Lieblingsverein, doch mittlerweile trägt er das Dortmunder Trikot mit der Kölmel-Aufschrift auf dem Rücken. Die Erklärung ist klar: „Familienliebe geht in dem Fall über Vereinstreue.“ Umgekehrt wäre es sicher auch so, aber Lena kann sich neben ihrem Fan-Dasein für den BV Gräfrath wie beim Pokalfinale ganz auf ihre Dortmunder Rolle konzentrieren. Da treffen die Spielerinnen auch schon mal mit Marcel Schmelzer und Mats Hummels zusammen oder sind Teil eines Spots mit Jude Bellingham – nicht schlecht für eine Kreisliga-Mannschaft.

Persönliches

Beruf: Lena studiert in Wuppertal auf Master strategische Produkt- und Innovationsentwicklung. Florian ist seit zwei Monaten im Recruiting tätig, der Personalgewinnung für ein Unternehmen.

Mentor: An Torwarttrainer Jörn Malcharek geht das Sonderlob, durch die Arbeit mit ihm habe man die Leistungen auf ein anderes Level heben können. Wichtig ist aber natürlich auch die treue Familie, die in der Südstadt zuhause ist.

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