Laufsport

Klingenlauf soll in alter Stärke sein Comeback feiern

Viel Leben herrscht im Südpark, wenn dort der Klingenlauf den ganzen Fronleichnam-Nachmittag über gastiert – diesmal nicht. Fotos: Christian Beier
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Viel Leben herrscht im Südpark, wenn dort der Klingenlauf den ganzen Fronleichnam-Nachmittag über gastiert – diesmal nicht.

Durch die Absage müssen die Organisatoren bereits entstandene Kosten kompensieren. Derweil liegt die ganze Leichtathletik brach.

Von Jürgen König

Am 11. Juni (Fronleichnam) sollte die 32. Auflage des Klingenlaufs über die Bühne gehen. Doch auch dieses überaus attraktive Event, präsentiert vom Solinger Tageblatt, wurde bereits Ende März wegen der Corona-Krise aus dem Kalender gestrichen. Zusammen mit Hans-Joachim Scheer aus dem Organisationsteam arbeiten wir die Problematik rund um den Ausfall auf. Der 65-Jährige ging vor wenigen Monaten als hauptamtlicher Funktionär des Leichtathletik-Verbandes Nordrhein in den Ruhestand, war beim SLC selbst aktiv, Trainer und Vorsitzender.

Was gab den Ausschlag für die zeitige Absage?

Noch, bevor von Leichtathletik-Verbandsseite alles auf unbestimmte Zeit abgesagt wurde, wollten sich die Veranstalter in allen gesellschaftlichen Bemühungen solidarisch zeigen, das Virus zu bekämpfen. „Wir konnten den Lauf nicht promoten und durchführen. Die Leute in Solingen raffen sich dabei zum Sport auf, in der Spitze sind es 1400 Teilnehmer, darunter 900 Schüler. Durch die Absage setzen wir jetzt ein Zeichen zur gesellschaftlichen Solidarität“, erläutert Scheer.

Im kommenden Jahr will Hans-Joachim Scheer (r.) wieder Geschenke für Helfer und Sieger verteilen. Am 3. Juni 2021 ist der nächste Klingenlauf geplant (Archivbild).

Eine Gratwanderung oder Nutzung einer Lücke mit Blick auf den Interpretationsrahmen bei der Definition von Großveranstaltung (Verbot bis 31. August) habe man nicht angestrebt. Man sei vielmehr froh, Weitblick bewiesen zu haben, bevor formale Vorgaben in Kraft traten.

War die Verlegung in den Herbst keine Option?

Kurz habe man darüber nachgedacht, aber schnell erkannt, dass es nichts bringe. Zum für Anfang September geplanten Miss-Zöpfchen-Lauf wollte man keine unnötige und beidseitig nachteilige Konkurrenz aufkommen lassen. In keiner Weise wäre so etwas gut für beide Veranstaltungen, da man von der Größenordnung her den gleichen Anspruch habe – so das Fazit.

Wie groß ist der finanzielle Verlust?

Für den Solinger Leichtathletik-Club hat es schon zuletzt keine Ausschüttung gegeben, der Etat war „auf Kante genäht“. Hans-Joachim Scheer: „Wir hatten bei einem Etat von rund 10 000 Euro immer eine schwarze Null. Das Geld in der Kasse war der Stock fürs nächste Jahr.“ Jetzt muss das Organisationsteam im Kampf um Wirtschaftlichkeit mit roten Zahlen leben, denn beispielsweise wurden für den Dienstleister bei der Zeitmessung schon 1000 Euro fällig.

Besteht die Sorge um einen generellen Einbruch?

Davon geht man bei den Veranstaltern, in dessen Kreis der SLC mittlerweile der einzige verbliebene Verein ist, nicht aus. Bedeutsam seien die Auswirkungen aber allemal. Umso wichtiger sei eine positive Haltung, wie man sie bei den Stadtwerken erleben durfte. „Ebenso wie Nouvertné zahlen sie ihre Sponsorenleistung komplett, das bedeutet uns sehr viel“, heißt es beim SLC. Die Kosten für den Flyer fallen ins Budget des unterstützenden Stadt-Marketings. Die Gefahr eines generellen Einbruchs sieht Scheer allein angesichts weniger Einzelstarter nicht: „Die Situation trifft alle Läufe, 2021 wird es bei uns wieder so laufen wie 2019.“ Generell gebe es bei zeitgleich stattfindenden Läufen immer weniger Streitfälle, eigentlich sollen zwischen zwei Schauplätzen 50 Kilometer liegen.

Wie ist es generell um das Konzept des Klingenlaufs bestellt?

Noch vor der Absage hatte man sich dazu entschieden, den am Anfang des langen Nachmittags stehenden 10-Kilometer-Lauf im Programm zu lassen – einer überschaubaren Resonanz zum Trotz. Die Schüler-Läufe als Herz des Events unter der Regie von Uwe Brockmann sind stets ein hochwertiger Selbstläufer, beim 5-km-Lauf gebe es noch viel Luft nach oben. „Da können wir mehr mit Firmen oder Großvereinen machen“, denkt Hans-Joachim Scheer gleichermaßen an betriebliche Gesundheitsvorsorge wie auch an ein mehrwöchiges Vorbereitungsprogramm für den Lauf.

Hält der Austragungsort Südpark allen Zweifeln stand?

Der 2008 auch aufgrund von Sicherheitsproblemen erfolgte Umzug von der Innenstadt hat sich bewährt. Besonders für die Zuschauer ist ein großartiger Blick auf die Szenerie möglich, die Atmosphäre ist top. Von daher drängt sich derzeit keine – erst einmal auch zu schaffende – Alternative auf. Scheer: „Es passt, zum Beispiel auch die Umkleidesituation in der Eissporthalle, die uns perfekte Möglichkeiten bietet.“

Welche Auswirkungen hat Corona auf den SLC?

Wie viele andere Solinger Vereine ist auch der führende Leichtathletik-Club komplett belastet – alles liegt brach. Dabei konnte auf der Herbert-Schade-Sportanlage am Schaberg zum Jahreswechsel mit 570 Mitgliedern sogar auf einen Rekordstand angestoßen werden. Die Vereinsführung um Uwe Ludwig hadert indes nicht – sie respektiere alle sinnvollen Einschränkungen, so Hans-Joachim-Scheer.

Der Solinger LC

Auch das für den 16. Mai geplante Sportfest der Schülerklassen U8 und U10 muss ausfallen – Gleiches gilt für das Klingensportfest, das am 7. Juni die Regiomeisterschaften Langstrecke beinhalten sollte. Der Verband hatte angeordnet, sämtliche Wettkämpfe und Meisterschaften bis zum 15. Juli ruhen zu lassen. Einnahmen zugunsten der Förderung der Jugendarbeit fehlen somit. Für die Kinder wird ein Nachholtermin im Herbst angepeilt, zudem ist ein Qualifikationswettkampf zur Erfüllung von Normen eine Option.

www.solinger-lc.de

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