Leichtathletik

Klingenlauf-Siegerin peilt Lahti an

Im Südpark gewann Kirsten Brandenburger zuletzt den Klingenlauf, ihr Ziel liegt 2238 Kilometer nördlicher.
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Im Südpark gewann Kirsten Brandenburger zuletzt den Klingenlauf, ihr Ziel liegt 2238 Kilometer nördlicher.

Triathletin Kirsten Brandenburger möchte ihre Karriere mit der WM-Teilnahme krönen.

Von Jürgen König

Wenn sie mit ihrem bunten, mit Blumen geschmückten Fahrrad durch Wald fährt, ist dies für den Stadtteil ein gewohntes Bild. Aber die Fahrerin kann auch anders als gemütlich: Kirsten Brandenburger ist Solingens Top-Triathletin, verfügt folgerichtig natürlich über ein hochmodernes Gerät für die Radstrecke und hat ein großes Ziel im Visier. Am 28. August 2023 soll es mit der Teilnahme an der Weltmeisterschaft im finnischen Lahti klappen. Und genau ein Jahr zuvor, am 28. August 2022, möchte sie sich dafür qualifizieren – in Duisburg wird das begehrte Ticket vergeben.

„Es läuft gut, die Chance ist auf jeden Fall konkret“, sagt die 51-Jährige, die ihr ehrgeiziges Unterfangen in der Altersklasse 50 angeht. Gute Leistungen im Training und Wettkampf machen ihr Mut, den sie auch benötigt. Denn nur der Sieger ihrer Klasse schafft den Sprung zur WM, und gemeldet sind in Duisburg 75 Konkurrentinnen. 2 Kilometer Schwimmen im Wasser der weltbekannten Regattabahn, 90 Rad-Kilometer aus dem Sportpark Wedau raus und wieder zurück sowie ein Halbmarathon auf der Strecke der seit vielen Jahren etablierten Winterlaufserie – so sieht die Aufgabe konkret aus.

Was eigentlich schon vor drei Jahren über die Bühne gehen sollte, aber von Corona ausgebremst wurde, wird nun Wirklichkeit. Und Brandenburger hat eine Menge dafür getan. Zum Beispiel im Wasser. „Früher bin ich schlechter geschwommen“, weiß die Vielseitigkeitssportlerin und schickt nicht nur in dieser Hinsicht ein Riesenkompliment an den Coach: Peter Sauerland. Der erfahrene Trainer, unter anderem eben in Sachen Triathlon, hat ein effektives Programm erarbeitet. Da kann eine Einheit im Hitdorfer See auch mal in Intervallen zweieinhalb Kilometer betragen. Als das Klingenbad während der Sommerferien nicht zur Verfügung stand, gab es als Alternative am Abend Bahnen im Heidebad.

Nicht zu kalt, aber auch nicht zu warm, um noch gemäß Reglement den Neopren-Anzug tragen zu dürfen – das wäre der Wunsch für Duisburg. Wo sie die in der Regel drei wöchentlichen Einheiten am Weyersberg optimal umsetzen und beweisen möchte, dass die harten Corona-Einschränkungen – mit Zugseil-Übungen auf dem Trockenen – keinen bleibenden Nachteil hinterlassen haben.

Kirsten Brandenburger übt auch die Wechsel.

Vom Wasser geht es aufs Rad, wo der Namensgeber des Sauerland-Teams auch eine große Stütze ist. „Ich kann mich super auf ihn verlassen“, sagt die gleichzeitig für den TSV Solingen startende 1,68 Meter große Sportlerin über den „Chef“, der zum Beispiel im Trainingslager von Cala Ratjada auf Mallorca wertvolle Arbeit geleistet hat. Hier ist unter anderem die Radrennbahn am Dorperhof eine beliebte und wichtige Stätte, an der zwei Einheiten pro Woche abgespult werden und bei denen die Kombination mit dem Laufen optimal verbessert werden kann. Neben Sauerland spielt hier auch der frühere Leichtathlet Wolfgang Döll eine Rolle, an dessen Seite sonntägliche Ausfahrten schon mal sechs Stunden dauern. Erst ein Vierteljahr ist es her, dass sich Kirsten Brandenburger eine Zeitfahrmaschine zugelegt hat, mit der sie in flachem Terrain Steigerungen erzielen kann. In Duisburg – und auch in Lahti.

Ob Ruhrgebiet, Skandinavien oder sonst wo – eine große Rolle im Triathlon spielen stets die Wechsel. So hat die Walderin gelernt, sich vor dem Laufen in Windeseile die Socken anzuziehen und auch die Schnürriemen zu befestigen. „Diese Zeit investiere ich in der Wechselzone gerne, um die Gefahr von Blasen auszuschließen“, sagt die frühere Leichtathletin (400 und 800 Meter), die üblicherweise schnell in ihre stärkste Disziplin kommt. Während es beim Schwimmen stets „volle Pulle“ heißt, geschieht beim Radfahren und Laufen viel aus dem Gefühl heraus. 80 Prozent der maximalen Belastung seien es aber immer, so Brandenburger unter Einbeziehung ihrer Pulsuhr. Kürzlich erst in 46:09 Minuten Klingenlauf-Siegerin über die zehn Kilometer gewesen, benötigt sie heute 1:40 bis 1:45 Stunden für den Halbmarathon, den sie früher in 1:20 absolviert hatte. Denn das kaputte Knie bescherte ihr eine mehrjährige Zwangspause, die erst vor sechs Jahren endete.

Vorliebe für Nutella,Sorge um die Kinder

Und nun folgt als Triathletin ein neues Kapitel. Mit Schwimmen, das die einstige Duathletin erst mit 19 erlernte. Stabilitätsübungen auf der heimischen Matte runden ihr Trainingsprogramm, das Laufeinheiten auf der Korkenziehertrasse einschließt, ab. Und natürlich ist Peter Sauerland allgegenwärtig, auch als Physiotherapeut. Bliebe noch die Ernährung, die gerade bei der großen Distanz eines Wettbewerbs viel abverlangt. „Ich laufe immer Gefahr, zu wenig zu essen. Jetzt habe ich mir den Verzehr von Gels antrainiert“, sagt Brandenburger, die gesund trinkt und isst – ohne jemals auf die geliebte Portion Nutella verzichten zu wollen.

Ansonsten herrscht Disziplin, auch im Job. Als Lehrerin der Grundschule Am Rosenkamp hat sie die Folgen der Pandemie bei den Kindern hautnah miterlebt und sieht rund ums Schwimmen Verbesserungsbedarf. „Es gibt so viele Kinder, die nicht schwimmen können“, hofft Brandenburger auf gute Lösungen, so auch die Freigabe des Hallenbades Vogelsang für den Schulsport und weniger Auszeiten im Klingenbad. Der teilweise Frust hierüber ändert nichts an ihrem Engagement, die Kinder sportlich groß werden zu lassen. Wie die starke Resonanz der Schule beim Klingenlauf einmal mehr bewies.

Mit dem Fahrrad über die Trasse zum Gesprächstermin gekommen, ging es für Kirsten Brandenburger danach gleich zum Training. Das nahe gelegene Freibad Ittertal war eine von vielen Stationen der Reise, die sie über Duisburg – wo sie ihre Bestzeiten über 10, 15 und 21 Kilometer aufgestellt hat – nach Lahti führen soll. Immer mit dabei: große Dankbarkeit in Richtung derer, die so ein zeitintensives Unternehmen ermöglichen. Mit ihnen würde die Solingerin das Happy End im August 2023 gerne teilen.

„Ich kann mich super auf ihn verlassen.“

Kirsten Brandenburger über Trainer Peter Sauerland

Hintergrund

Nachwuchs: Kirsten Brandenburger hat zwei sportbegeisterte Söhne. Der Ältere, Jonas (21), gehörte in den vergangenen Jahren zur deutschen Spitze im Sportklettern, hat aber mittlerweile das Weltcup-Niveau gegen das Studium der Wirtschaftswissenschaften getauscht. Der Jüngere, Nils (20), ist beim Solinger Leichtathletik-Club aktiv, startet dort über die 400 Meter. Er studiert Biologie und Sport fürs Lehramt.

Liga: Zuletzt war für die Solingerin die olympische Distanz (1,5 km Schwimmen, 40 km Radfahren und 10 km Laufen) in Sassenberg (Münsterland) angesagt. Als beste Frau erreichte sie in der Gesamt-Einzelwertung Platz 26 und mit der Landesliga-Mannschaft des TSV in Person von Ingo Klünner (3.), Jannik Schubert (14.) und Udo Genscher (53.) Rang vier. Damit belegt der TSV nach drei von vier Wettkämpfen einen Aufstiegsplatz.

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