Mein Blick auf die Woche im Sport

Klingenhalle: Der Zorn des BHC ist berechtigt

thomas.rademacher@solinger-tageblatt.de
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Die Klingenhalle passt nicht mehr zum Profisport im Jahr 2022, der zum Großteil von Partnern finanziert wird, die ihre Kunden auch mal guten Gewissens zu einem gepflegten Event mitnehmen wollen. Nach Balingens Abstieg ist nun wirklich jede Halle tauglicher für die Bundesliga als die Klingenhalle, meint ST-Sportredakteur Thomas Rademacher.

Der jüngste Legionellenbefall in der Klingenhalle hat für Unruhe hinter den Kulissen gesorgt. Und er könnte das Fass bei Handball-Bundesligist BHC zum Überlaufen gebracht haben. Es ist nicht das erste Ärgernis rund um die Sportstätte, das bei Geschäftsführer Jörg Föste und Co. für miese Stimmung sorgt. Da wundert es dann auch nicht, dass der 62-Jährige mit verbalen Breitseiten wenig sparsam umgeht.

Denn: Was hat die Klingenhalle heutzutage noch für eine Daseinsberechtigung im Profisport? Abseits des nostalgischen Faktors, der Tatsache, dass man sie einfach liebgewonnen hat und die Stimmung beeindruckend sein kann: Objektiv spricht tatsächlich wenig für die Halle. Vor drei Wochen vertrieb BHC-Kapitän Fabian Gutbrod eine Maus aus dem Kabinentrakt. Der VIP-Bereich befindet sich im Mattenraum. Die Duschen sind auch früher wegen Legionellen schon gesperrt gewesen. Die Zuschauer sitzen größtenteils auf unbequemen Bänken, die Treppen außen sollen zuletzt unbeleuchtet gewesen sein. Im Normalfall steigen Journalisten auf dem Weg zum Pressebereich über die Beine von im Gang herumsitzenden Spielern des Gegners.

Handball ist eben ein volksnaher Sport, ist das also alles ein Problem? Für manche nicht, für uns Journalisten sowieso nicht. Aber es passt eben nicht mehr zum Profisport im Jahr 2022, der zum Großteil von Partnern finanziert wird, die ihre Kunden auch mal guten Gewissens zu einem gepflegten Event mitnehmen wollen. Nach Balingens Abstieg ist nun wirklich jede Halle tauglicher für die Bundesliga als die Klingenhalle. Die Konkurrenz hat dem BHC in dieser Hinsicht längst den Rang abgelaufen.

Ist es da nicht angebracht, dass eine Stadt – noch mangels Alternative – zumindest alles dafür tut, um sein sportliches Aushängeschild einigermaßen zufrieden zu stellen? Wenn es Legionellen gibt, wäre zumindest eine Info vorab hilfreich. Womöglich gibt es sogar eine Lösung. Stattdessen, so der Eindruck, heißt es seit eh und je: Friss oder stirb! Dass der BHC nun im Zorn mit dem „Klingenhallen-Tod“ droht, kann man verstehen. Ob es der richtige Schritt wäre, steht auf einem anderen Blatt. Mein von Lokalkolorit geprägtes Bauchgefühl sagt: Nein.

TOP Die November-Wochen der Wahrheit waren für HSV, BHC und 03 sehr erfolgreich.

FLOP Fußball: Kreisliga A verliert aus Solinger Sicht ihren Reiz.

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