Fußball

Vor dem Pokalfinale: Kevin Kampl über RB Leipzig, das Finale und seine Heimat Solingen

Kevin Kampl von RB Leipzig im Gespräch mit ST-Lokalchef Björn Boch.
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Kevin Kampl von RB Leipzig im Gespräch mit ST-Lokalchef Björn Boch.

Der gebürtige Solinger Fußballprofi stand dem ST vor dem Pokalfinale SC Freiburg gegen RB Leipzig Rede und Antwort. Das ganze Gespräch gibt´s hier auch als Video.

Am Samstag stehen sich der SC Freiburg und RB Leipzig im Finale des DFB-Pokals gegenüber. Für den gebürtigen Solinger Kevin Kampl ist es bereits das vierte Pokalfinale – drei mit RB, eines mit Borussia Dortmund. Gewinnen konnte er den Pokal noch nicht. Laut DFB wäre Kampl „mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit“ der erste Solinger Pokalsieger in der Geschichte des Wettbewerbs. Im Interview gab er dem Tageblatt Einblick in seine Gefühlslage vor dem Finale.

Kevin Kampl über. . .


. . . seine Erwartungen für Samstag: „Ich bin das dritte Mal in vier Jahren mit Leipzig im Pokalfinale. Wir haben uns hier alle darauf geeinigt: Aller guten Dinge sind drei. Es muss jetzt einfach klappen, und wir brennen darauf. Wir haben die Enttäuschung ja schon zweimal erlebt, das ist extrem bitter. Aber wir haben daraus gelernt und sind ein bisschen erfahrener geworden, um mit so einem Finale umzugehen. Es wäre der krönende Abschluss einer tollen Rückrunde, durch die wir auch die Qualifikation für die Champions League wieder geschafft haben. Diesen Schwung wollen wir mit ins Finale nehmen und den ersten Titel für diesen Verein holen.“

. . . seine Einsatzchancen – in beiden Ligapartien gegen Freiburg stand er in der Startelf: „Wenn ich fit und nicht verletzt war, habe ich fast immer gespielt. Domenico Tedesco macht einen super Job hier. Mir macht es unglaublich viel Spaß, weil er mich als Spieler sehr gut versteht und ich ihn als Trainer. Aber klar: Wir haben einen breiten und großen Kader. Und den brauchen wir auch. Ich hoffe, dass ich fit bleibe und am Samstag spielen werde.“

Wir wissen, dass wir nicht überall gemocht werden. Das ist uns aber relativ egal.

Kevin Kampl


. . . die Nervosität vor einem Finale: „Das ist ein Spiel, wo es um alles geht. Der Pokal ist was Besonderes, weil man sieht, was alles passiert. Dass auch ein Viertligist einen Bundesligisten schlagen kann. Es wird am Samstag darauf ankommen, wer es mehr will, wer präsenter auf dem Platz ist und wer das Spiel in die Hand nimmt. Wir müssen einfach klar im Kopf bleiben und auch das, was drumherum passiert und in der Presse steht, bestmöglich ausblenden. Freiburg hat eine überragende Saison gespielt und uns in beiden Spielen in der Liga auch geärgert. Ich glaube, wenn wir unser volles Leistungspensum auf den Platz bringen, haben wir eine gute Chance, das Spiel zu gewinnen.“

. . .die allgemeine Beliebtheit des SC Freiburg mit Christian Streich und die Vorbehalte gegen das „Konstrukt“ RB Leipzig: „Wir können damit umgehen. Wir wissen, dass wir nicht überall gemocht werden. Das ist uns aber relativ egal. Wir wissen, was wir hier jeden Tag leisten und wie wir arbeiten. Wie der ganze Verein arbeitet. Es ist nicht so, dass wir irgendwas geschenkt kriegen, weil wir einen großen Sponsor hinter uns haben. Das ist alles harte Arbeit.

Wir haben eine sehr junge Mannschaft, die enorme Qualität hat. Deswegen finde ich es schade, dass es diesen Unmut gegen uns gibt. Auch die Freiburger machen eine super Arbeit. Aber ich finde, dass man uns ein bisschen mehr Respekt zollen könnte. Wir vertreten ja auch den deutschen Fußball, zum Beispiel in der Champions League oder in der Europa League.“

. . . die Aussage, dass seine beste Zeit als Sechser noch kommt – und was er sich erhofft: „Ein paar Titel gewinnen. Wir waren immer knapp dran mit Leipzig. Das Spiel in Glasgow wird mir extrem lange im Kopf bleiben und mich verfolgen. Wir hätten eigentlich ins Finale kommen müssen. Wir haben leider den Start in Glasgow verpennt und das wurde eiskalt bestraft.

Ich werde jetzt 32, viele Sechser kommen erst in diesem Alter an ihr Limit, von der Erfahrung her, von der Spiel- und Denkweise auf dem Platz. Fußball wird nicht nur mit den Beinen gespielt, es passiert auch viel im Kopf. Da habe ich mich extrem weiterentwickelt. Und wenn ich fit bleibe, denke ich schon, dass ich noch ein paar Jahre auf Topniveau bleiben kann.“

. . . die Tränen im Halbfinale nach der Niederlage gegen Glasgow – und den Jubel beim Elfmeter im Pokalhalbfinale gegen Union Berlin:„Ich bin ein sehr emotionaler Mensch. Ich konnte im Halbfinale gegen Union nicht spielen, weil ich davor krank war. Ich wollte unbedingt, dass wir ins Finale kommen. Glasgow war extrem bitter. Wann kriegst Du mal die Chance, die Europa League zu gewinnen? Du kannst das nicht beeinflussen, wenn der Schiri abpfeift und Dir bewusst wird: Das war es. Die erste Chance auf einen Titel ist weg. Das hätte nicht sein müssen, da kamen mir die Tränen.“

. . . sein Verhältnis zu Solingen: „Wir haben uns dort ein Haus gekauft, wollen da irgendwann unsere Wurzeln schlagen. Meine Familie wohnt da, die Familie meiner Frau wohnt da, meine Brüder und Freunde. Meine Kinder sind beide im Städtischen Klinikum geboren und werden in Solingen zur Schule gehen. Das ist meine Heimat und wird es auch immer bleiben.“

Vertragsverlängerung und Interview

Vertrag: Das Interview mit Kevin Kampl fand am Sonntag statt. Auf die Frage nach einer Vertragsverlängerung, die als Formsache galt, antwortete Kampl, dass es für ihn „keinen Grund gebe, etwas anderes zu machen“ als bei RB Leipzig zu bleiben. Am Dienstag teilte RB dann offiziell mit, dass der Vertrag mit Kampl vorzeitig um ein Jahr bis 2024 verlängert wurde.

„Jedes Team braucht Führungsspieler mit Erfahrung und Routine – Kevin hat sich bei uns zu einem Führungsspieler entwickelt und ist extrem wichtig für das Team“, so der Technische Direktor Christopher Vivell.
Lesen Sie auch: Kevin Kampl besucht Flüchtlingshilfe

Kevin Kampl (M.) mit RB Leipzig am 25. Spieltag gegen den SC Freiburg (hier mit Lukas Kübler (l.) und Ermedin Demirovic). Im Pokalfinale am Samstag stehen sich die beiden Vereine erneut gegenüber. Das ST sprach vorab mit dem gebürtigen Solinger Kampl.

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