Fußball

Kampf gegen Gewalt im Jugendfußball

Immer noch zu häufig sehen Jugend-Fußballspieler – im doppelten Wortsinn – Rot. Foto: imago
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Immer noch zu häufig sehen Jugend-Fußballspieler – im doppelten Wortsinn – Rot.

Auch im Kreis Solingen kommt es immer wieder zu Vorfällen.

Von Moritz Jonas

Der Fußball lebt ganz besonders von seinen Emotionen. Hin und wieder passiert es aber, dass Grenzen überschritten werden und es in physischer und verbaler Gewalt mündet. Das Aggressionspotenzial auf dem Feld ist aber keinesfalls nur ein Problem im Seniorenbereich, auch bei Jugendspielen im Solinger Kreis sind Auseinandersetzungen an der Tagesordnung.

Auch in dieser Spielzeit kam es schon zu dem einen oder andern größeren Vorfall. Trotzdem sieht Rainer Broichgans die Entwicklung als eher positiv an. „Zu richtigen Gewalttaten kommt es selten“, sagt der ehemalige Kreisjugendausschuss-Vorsitzende. Seine seit dem 7. März feststehende Nachfolgerin Alexandra Bartel sieht es ähnlich: „Dank der guten Arbeit unserer Schiedsrichter und unseres Konfliktbeauftragten haben wir das Aggressionspotenzial bei den Jugendlichen gut im Griff.“

Zwischenfälle gebe es trotzdem an jedem Wochenende, berichtet der Kreiskonfliktbeauftragte Thomas Konkel. Bei den im Schnitt 180 Partien, die pro Woche im gesamten Solinger Kreis stattfinden, gebe es immer mindestens einen Vorfall von Gewalt oder Diskriminierung, so Konkel. Diese Zahl umfasst alle Begegnungen vom Seniorenbereich bis runter in die einzelnen Jugendklassen. Auf den ersten Blick eine überschaubare Anzahl, auch im Hinblick auf andere Kreise: „Im Vergleich zu Duisburg oder Essen gibt es im Solinger Jugendfußball deutlich weniger schwere Zwischenfälle“, erklärt Andreas Scheller vom Verbandsjugendsportgericht

Dennoch kommt es auch in der Klingenstadt zu Vorfällen. Interessant ist, dass die Auslöser für solch prekäre Situationen meist nicht die Nachwuchskicker auf dem Platz seien, sondern häufig die Trainer oder Zuschauer, gibt Bartel zu bedenken. So geschehen beim A-Jugend-Derby zwischen dem TSV Solingen und dem VfB Solingen vor einigen Wochen. Da stürmten mehrere Jugendliche nach dem 2:0 für den VfB in der Nachspielzeit den Platz und sorgten so für einen Abbruch der Partie.

Tobias Piotrowicz, der Sportliche Leiter beim TSV für die Jungs in den Altersklassen U17 bis U19, gibt aber Entwarnung: „Das war ein absoluter Einzelfall von pubertären Jugendlichen, die ihre Grenzen austesten wollten.“ Das Ganze hätte sich bereits während des Spiels angedeutet.

Manchmal ist es aber auch die brisante sportliche Situation, die das Fass zum Überlaufen bringt. Wie beim Kreispokal-Halbfinale in der A-Jugend zwischen den Sportfreunden Baumberg und der Sportvereinigung Wald 03. In der 119. Minute hatten die Hausherren den entscheidenden Treffer erzielt. Was darauf folgte, war eine Mischung aus Freude auf der einen und Frust auf der anderen Seite. Daraus resultierte eine verbale und physische Auseinandersetzung zwischen den beiden Teams. 03-Jugendgeschäftsführer Nico Pocrnic schildert das Erlebte wie folgt: „Es war eine angespannte sportliche Situation, bei der die Emotionen irgendwann gebrochen sind und es zu Handgreiflichkeiten auf beiden Seiten sowie Diskriminierungen gegen zwei unserer Spieler kam.“

Der Jugendgeschäftsführer ergänzt, dass die Sportvereinigung – auch wenn Emotionen zum Fußball dazu gehören würden – jegliche Form der Gewalt und Diskriminierung verurteile. Aus diesem Grund hat 03 mit Barbara Meis auch eine interne Konfliktbeauftragte installiert. „Ich möchte die Probleme bekämpfen, bevor sie entstehen“, erklärt sie.

„Die Spieler sollten als Freunde den Platz verlassen.“

Fabian Tahiri, Jugendgeschäfts- führer bei DV Solingen

Denn wenn es auf dem Platz knallt, landen die Fälle ohnehin beim Solinger Konfliktbeauftragten Thomas Konkel. Dieser suche nach sämtlichen vermerkten Zwischenfällen am zurückliegenden Spieltag. Im zweiten Schritt setze er sich mit den betroffenen Vereinen auseinander, um genauere Hintergründe zum Vorfall zu bekommen. Diese gebe er dann an das Sportgericht weiter, wo über das Strafmaß entschieden würde, erklärt Konkel seinen Aufgabenbereich. In schwerwiegenden Fällen lägen die Strafen zwischen drei und sechs Monaten. Ab und an würden auch Anti-Aggressions-Seminare verordnet.

Fabian Tahiri, Jugendgeschäftsführer bei DV Solingen, ist das zu wenig: „Ich finde die Strafen teilweise zu lasch.“ Er selbst habe erst Anfang des Monats einen Zwischenfall erlebt, als es beim Spiel der DV-C-Jugend beim 1. FC Monheim zu einer Schlägerei kam. „Es sollte keine Gewalt auf dem Platz herrschen und auch nie persönlich werden“, appelliert Tahiri. „Die Spieler sollen als Freunde den Platz verlassen.“

Ein Ansatz, den Alexandra Bartel als die neue Jugendausschuss-Vorsitzende begrüßt. Sie kritisiert zudem die Tonart, die häufig auf den Sportplätzen herrscht: „Dort müssen wir ansetzen. Sowohl bei Zuschauern als auch den Mannschaften.“ In Zukunft wolle sie das Vorgehen mit den Vereinen besprechen. Auch das Wiederaufleben von Anti-Diskriminierungs-Programmen wie der „Ball ist Bunt“ stehe auf der Agenda. Vorrang habe aber die für viele Vereine immer noch schwierige Corona-Situation, erklärt Bartel.

Kreis Remscheid

Im benachbarten Fußballkreis ist die Lage beinahe dramatisch. „Wir haben eine zunehmende Form von Aggressivität und Gewaltbereitschaft festgestellt“, erläutert Jugendchef Carsten Balke. Ein Burscheider C-Jugend-Spieler wurde beispielsweise nach einer Prügelei für neun Monate gesperrt.

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