2. Handball-Bundesliga

HSV-Manager sieht die Erstliga-Basis

Stefan Bögel prägt den Zweitliga-Handball im HSV entscheidend mit – und redet gerne Klartext.
+
Stefan Bögel prägt den Zweitliga-Handball im HSV entscheidend mit – und redet gerne Klartext.

Interview mit Stefan Bögel vor dem Spitzenspiel am Samstag.

Von Jürgen König

Die 27:31-Niederlage bei Werder Bremen kam überraschend, welche Folgen kann sie haben?

Stefan Bögel: Da besteht meinerseits keine Befürchtung, dass es einen Einbruch geben könnte. Vor den Spitzenspielen im November hätte man nervös werden können, aber da hat das Team mit 4:2-Punkten absolut geliefert. Es war nach dem Rumpelstart eine ganz starke Phase. In Bremen haben wir verdient verloren. Wir sind als Tabellenführer und Favorit dahin gefahren, hatten aber zu viele Ausfälle. Da ist die schwache Quote aus dem Rückraum zu nennen, aber auch das Fehlen von Carina Senel im Innenblock. Und Werder hat mit seiner nicht schlechten Mannschaft eine sehr gute Leistung abgerufen.

Am Samstag um 18.15 Uhr kommt Erstliga-Absteiger HL Buchholz 08-Rosengarten in die Klingenhalle. Wie sind die Erwartungen an das Spitzenspiel?

Bögel: Vielleicht können wir nach der Niederlage in Bremen etwas unbekümmerter zur Sache gehen. Unser kommender Gegner hat überraschend auch Federn gelassen, und das sogar beim Abstiegskandidaten SG Schozach-Bottwartal. Aber wir werden uns von dem Ergebnis nicht blenden lassen, wir erwarten eine gute Mannschaft – und leichte Spiele gibt es in der 2. Bundesliga ohnehin nicht. Die Erwartungen sind klar: Zwei Punkte holen und oben dran bleiben, wo es wie unten sehr eng ist.

Sie haben sich schon mehrfach mehr Zuschauer gewünscht als aktuell – der Schnitt liegt bei 402. Was fehlt da noch?

Bögel: Da gibt es sicherlich mehrere Faktoren. Grundsätzlich kann man sagen, dass wir es noch nicht geschafft haben, alle zu aktivieren, zu unseren Spielen zu kommen. Das Freitag-Spiel kürzlich war – trotz der aufgrund des folgenden Fußball-Masters fehlenden Vortribüne – mit rund 500 Zuschauern das bislang beste in dieser Saison von den Einnahmen her. Da waren Menschen in der Klingenhalle, die wir ewig nicht mehr oder noch nie gesehen haben. Das Interesse an uns ist also da, wir müssen es aber noch mehr wecken. Weil man außerhalb eines Freitags Anfang Januar auch gegen ein sehr breites Sportangebot in Solingen, für das wir stehen, ankämpft.

Welche Bedeutung haben die Einnahmen durch Besucher für den Etat?

Bögel: Der Anteil ist mit zehn Prozent nicht hoch, aber gute Kulissen sind natürlich dennoch ungemein wichtig und einfach schön. Den Löwenanteil unseres Etats halten die Sponsoren mit 90 Prozent. Ohne die Summe zu nennen, liegen wir mit unserem Etat in der 2. Liga an achter, neunter Position.

Die Klingenhalle steht mit ihrem Sanierungsstau im Fokus. Auch Sie haben schon Kritik rund um die Sportstätte geübt, was missfällt Ihnen genau?

Bögel: Insbesondere, dass wir bei der Diskussion über eine Arena komplett links liegengelassen werden. Was sich da tut, nehmen wir nur aus der Presse wahr. Zudem werden wir rund um die Klingenhalle zu oft mit fehlender Flexibilität seitens der Bädergesellschaft konfrontiert, so auch zuletzt bei dem Freitag-Spiel. Danach hat es einen Weckruf unsererseits gegeben, den die Betreiber offenbar verstanden haben. Ich bin mit der Halle selbst sehr zufrieden, es ist eine sehr gute Spielhalle für uns und eine der Top-Hallen der 2. Bundesliga, mit der wir auch Richtung 1. Liga gehen könnten.

„In Solingen gibt es keine Alternative zur Klingenhalle.“

Stefan Bögel

Welche Ideen hat der HSV-Manager für eine Spielstätte im Profihandball?

Bögel: In Solingen gibt es keine Alternative zur Klingenhalle, der Rest hat keine Zulassung für Zweitliga-Frauenhandball. Also muss man über den Tellerrand hinausschauen – und blickt auf die Bayerhalle in Sonnborn. Es ist natürlich nicht in unserem Interesse, dass Spitzenhandball aus Solingen verschwindet, aber von der hiesigen Politik kommt gar nichts. Das ist enttäuschend, zumal nach Corona jeder registriert haben sollte, welche enorme Arbeit ein Verein für die Jugend und Gesellschaft leistet. Von daher ist für uns der Verbleib in der Klingenhalle lebensnotwendig, weil wir bei einer Arena wohl außen vor wären. Im Übrigen belasten uns auch die Hallennutzungsgebühren mit einer kräftigen Summe im Jahr stark – etwas, was Clubs in anderen Städten überhaupt nicht kennen.

Erstliga-Handball für Frauen wäre ein Novum in Solingen, die Chance ist da. Trainerin Kerstin Reckenthäler hat nach Bremen gesagt, man sei kein Aufstiegsanwärter – zu Recht?

Bögel: Es ist verständlich, dass man Hoffnungen nicht unbedingt schüren sollte. Wenn sie sich nicht erfüllen, steht man schnell als der „Gescheiterte“ da. Für mich liegen aktuell zumindest Göppingen und Berlin in der potenziellen Aufstiegsriege vor uns. Und ich weiß, woher wir kommen. Wir waren 16., 5., 4. – wenn wir jetzt auf Platz drei landen würden, hätten wir uns abermalig verbessert. Nichtsdestotrotz wird der Lizenzantrag selbstverständlich für beide Ligen abgegeben. Wobei der Fernsehboden in Liga eins schon wieder die nächste Herausforderung wäre. Bremen hat vielleicht gezeigt, dass wir noch nicht ganz so weit sind. Aber absteigen werden wir nicht mehr (lacht), es wird auch im kommenden Jahr Bundesliga-Handball in Solingen geben.

Was muss erledigt werden, um vehement Richtung Oberhaus zu gehen?

Bögel: Wir praktizieren Bundesliga-Handball mit einem ehrenamtlichen Geschäftsführer, einer ehrenamtlich funktionierenden Geschäftsstelle und vielen Helfern – natürlich ehrenamtliche. Das bedeutet im Umkehrschluss die Notwendigkeit von mehr Struktur, die aber bezahlt werden will. Wobei wir regelmäßig in neue Dinge investieren: in die Geschäftsstelle samt Fanshop, in die Ausrüstung für ein einheitliches Erscheinungsbild auch beim Training. Zudem haben wir zuletzt stark die sozialen Medien beackert. Kurzum: Wir gehen Schritt für Schritt für eine noch bessere Zukunft.

HSV Solingen-Gräfrath

Zur Person: Stefan Bögel ist Geschäftsführer der HSV Solingen-Gräfrath FrauenPower GmbH. Der 57-Jährige ist außer seiner Arbeit beim HSV international im Handball tätig – Schwerpunkt sind die USA. In den Staaten habe das Bildungsprogramm erste Früchte getragen. Bögel ist dort ebenso involviert wie der frühere HSV-Spieler Gary Hines, derzeit mit dem US-Team bei der WM aktiv.

Zur Heimat: Das ist unter anderem die neue Geschäftsstelle im Dycker Feld (Lindgesfeld 29). Corinna Tiessen-Lau engagiert sich dort, die räumlichen Gegebenheiten stellen eine sehr effektive Basis dar.

Zur Jugend: Die spielt beim HSV traditionell eine große Rolle, bei Mädchen und Jungen ist man ab der Regionalliga abwärts stark vertreten – bei den Mädchen in allen Regionalligen.

Unsere News per Mail

Nach der Registrierung erhalten Sie eine E-Mail mit einem Bestätigungslink. Erst mit Anklicken dieses Links ist die Anmeldung abgeschlossen. Ihre Einwilligung zum Erhalt des Newsletters können Sie jederzeit über einen Link am Ende jeder E-Mail widerrufen.

Die mit Stern (*) markierten Felder sind Pflichtfelder.

Meistgelesen

HSV Gräfrath siegt, singt und lacht in Mainz
HSV Gräfrath siegt, singt und lacht in Mainz
HSV Gräfrath siegt, singt und lacht in Mainz
DV-Zweite holt die ersten Punkte im neuen Jahr
DV-Zweite holt die ersten Punkte im neuen Jahr
Regionalliga: Siege für beide BHC-Teams
Regionalliga: Siege für beide BHC-Teams
Regionalliga: Siege für beide BHC-Teams
Ohligser TV: Trainer David Horscht sagt Tschüss
Ohligser TV: Trainer David Horscht sagt Tschüss
Ohligser TV: Trainer David Horscht sagt Tschüss

Kommentare