Handball

HSV besinnt sich auf die eigene Qualität

Lisa Fahnenbruck (l.) und Melina Fabisch wollen wieder mit dem HSV jubeln. Letztere ist allerdings umgeknickt, so dass ihr Einsatz am Samstag fraglich ist. Foto: Moritz Alex
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Lisa Fahnenbruck (l.) und Melina Fabisch wollen wieder mit dem HSV jubeln. Letztere ist allerdings umgeknickt, so dass ihr Einsatz am Samstag fraglich ist.

Am Samstag sind die Zweitliga-Handballerinnen gegen Herrenberg in der Außenseiterrolle.

Von Thomas Rademacher

Die Handballerinnen des HSV Solingen-Gräfrath waren das Überraschungsteam der 2. Liga. Als Letzter der vorigen Saison war die Mannschaft von Trainerin Kerstin Reckenthäler in der Hinrunde auf einer gewaltigen Erfolgswelle geritten. Mit 19:9-Punkten hatten sich die Solingerinnen sogar in direkter Schlagdistanz zur Spitzengruppe befunden. Zuletzt allerdings lief es nicht mehr optimal. Zwei knappe Auswärtsniederlagen gegen schwächer platzierte Mannschaften sorgten für Ernüchterung. Der ersehnte 20. Punkt lässt weiterhin auf sich warten. Ob er gegen den Tabellendritten SG Herrenberg am Samstagabend in der Klingenhalle (18.15 Uhr) aufs Konto wandert? Eine Situationsanalyse.

Ist der HSV zurück auf dem Boden der Tatsachen?

Negativ formuliert lässt sich das so sagen. In der Hinrunde haben die Solingerinnen in nahezu jedem Spiel gepunktet, in dem die Chance dazu bestand. In seiner heißesten Phase schlug der HSV sogar Aufstiegsaspirant BSV Sachsen Zwickau 25:24. Ein Abkommen von der Erfolgswelle stellt erst das letzte Hinrunden-Duell beim Tus Lintfort dar, das 24:25 verloren ging – dieses fand am 30. Januar statt und lässt sich damit gleichzeitig als erstes Spiel des Abwärtstrends beschreiben.

Ist die Lage dramatisch?

Mit den Erfolgen wachsen die eigenen Ansprüche, doch eigentlich ist nur das passiert, was zu jedem Zeitpunkt hätte eintreten können. „Mir war klar, dass wir nicht die ganze Saison so erfolgreich durchspielen können“, sagt Trainerin Kerstin Reckenthäler. „Ich glaube, dass sich die Mädels vor den Spielen in Bremen oder Kirchhof zu viel Druck gemacht haben. Sie hatten den Anspruch, unbedingt dort gewinnen zu müssen. Das sollte er aber nicht sein.“ Das 24:26 in der Hansestadt und vor allem das 26:27 bei der SG Kirchhof waren zwar extrem unglücklich, „und natürlich wollten wir da gerne gewinnen. Aber es ist keine Schande, dass das nicht gelungen ist.“

War die Stimmung entsprechend schlecht beim Training?

„Ich hatte mir im Vorfeld Gedanken darüber gemacht, welche Ansprache ich wähle“, sagt Reckenthäler. „Niemand hatte die Niederlage einfach abgehakt. Das ist auch vollkommen normal und richtig so.“ Dennoch sei es wichtig, sich auf die eigenen Qualitäten zu besinnen. „Ich habe der Mannschaft klar gemacht, dass wir immer noch total gut da stehen, wenn wir auf unser Saisonziel blicken. Und ich habe versucht, die Augen zu öffnen, wo jede Einzelne noch vor einem Jahr gestanden hat.“ Der Großteil des Teams befand sich bekanntlich im Zweitliga-Abstiegskampf. „Unser Ziel ist es, auch in der kommenden Saison Zweitliga-Handball zu spielen. Es sieht weiterhin sehr gut aus, dass uns das gelingt“, sagt die Trainerin mit Blick auf elf Punkte Vorsprung auf einen Abstiegsplatz bei noch zehn ausstehenden Partien.

Vanessa Brandt führt die 2. Liga mit 134 Toren an.

Wann holt das Team denn endlich den 20. Punkt?

Reckenthäler ist inzwischen gar nicht mehr davon überzeugt, dass es richtig war, so oft über diese Marke zu sprechen. „Wir wollen natürlich noch den einen oder anderen Punkt holen“, stellt die 38-Jährige klar. „Aber die 20 habe ich vielleicht einfach zu hoch gehangen. Es ist ja sowieso eine hypothetische Zahl. Wahrscheinlich reichen auch die 19 Zähler, die wir schon haben.“ Die Trainerin möchte nur noch von Spiel zu Spiel denken. „Wir schauen einfach, was gegen Herrenberg drin ist.“

Ist der Druck gegen den Drittplatzierten geringer?

Gegen die schwächer platzierten Teams waren die Solingerinnen Favorit, am Samstagabend sind sie Außenseiter. „In der Wahrnehmung der Mädels ist es so, dass es leichter wird, weil sie befreiter aufspielen können“, sagt Reckenthäler. „Vielleicht hilft das wirklich. Wichtig ist aber, dass wir mit dem Druck gegen andere Mannschaften besser umgehen lernen. Ein gewisses Anspannungslevel ist gut. Wenn es zu groß ist, führt es aber zu Angst und Blockade.“ Die Trainerin ist sich auch sicher, dass einige zu kritisch mit sich selbst sind, so dass ihr das Duell gegen einen Favoriten gerade recht kommt.

Wie ist die Ausgangslage für die Partie gegen Herrenberg?

Das Hinspiel verlor der HSV 28:31 – es war die erste Saisonniederlage. Zuletzt jedoch hat auch der Tabellendritte nicht in allen Belangen überzeugt. Gegen Bremen spielten die Herrenbergerinnen nur 26:26, gegen die HSG Freiburg, die von den Gräfratherinnen mit 32:25 abgefertigt wurden, mühte sich die Truppe zu einem 28:26-Erfolg. Grundsätzlich ist der nächste HSV-Gegner stark besetzt, hat in den Rückraumspielerinnen Lea Neubrander und Annika Blanke die Sechste und Siebte der ligaweiten Torschützenliste im Kader. Überzeugt ist Reckentäler auch von Torhüterin Laura Waldenmaier.

Rund um den HSV

Personal: Fraglich ist der Einsatz von Melina Fabisch. Die Rückraum-Linkshänderin ist im Training umgeknickt. Sie wurde am Mittwoch geschont und soll es am Donnerstag wieder versuchen.

Lizenz: Der HSV hat die Lizenz für die 1. und 2. Liga fristgerecht eingereicht. Beim Oberhaus handelt es sich freilich um eine Formalität. „Wir haben keine Ambitionen, in dieser Saison aufzusteigen“, stellt Trainerin Kerstin Reckenthäler klar.

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