Fußball

Horst Franz lebt auch mit 80 den Fußball

Lang ist es her: Vater und Sohn bei der Trainingsarbeit. Foto: ST-Archiv
+
Lang ist es her: Vater und Sohn bei der Trainingsarbeit.

Der prominente Trainer und sein Sohn stellen sich einem Doppel-Interview.

Von Jürgen König

Herzlichen Glückwunsch, Horst Franz! Der prominente Fußball-Trainer, in Solingen-Ohligs wohnend, feiert an diesem Mittwoch seinen 80. Geburtstag. Corona hat die Planungen allerdings verändert. So hatte sein Sohn Sascha Karten für das Spiel der Europameisterschaft zwischen Deutschland gegen Frankreich in München gesichert, das klappt ebenso wenig wie die geplante Feier mit Familie und Freunden am kommenden Wochenende. Und am Geburtstag selbst ist der seinerseits in Solingen-Wald beheimatete Franz junior sogar im Einsatz – als Co-Trainer von Zweitligist Erzgebirge Aue gegen den VfL Bochum. Das Duo stellte sich aber unseren Fragen, die Antworten zeigen ganz deutlich auf: Auch mit 80 lebt Horst Franz seinen Fußball.

Wann war klar, dass die Trainer-Tradition im Hause Franz aufrecht erhalten würde?

80 Jahre wird Horst Franz an diesem Mittwoch in Solingen...

Horst Franz: Schon früh hat sich Sascha für das Trainergeschäft interessiert. Der erste wichtige Schritt war die Tätigkeit beim DFB-Stützpunkt Düsseldorf, wo er Nachwuchsspieler ausgebildet hat. Als dann das Angebot kam, als Co-Trainer in die 3. Liga zu den Sportfreunden Siegen zu wechseln, war mir eigentlich klar, dass seine Zukunft im Profifußball liegt. Sascha Franz: Natürlich habe ich schon früh davon geträumt, einmal in die Fußstapfen meines Vaters zu treten. Aber der Weg dahin war weit, und dass es klappen würde, wurde erst im Laufe der Zeit klar. Ich habe schon als Jugendlicher die Gespräche meines Vaters mit Spielern und Trainerkollegen aufgesogen. Zudem konnte ich viel lernen, als er mich schon früh zu seinen Trainingseinheiten und Spielbeobachtungen mitgenommen hat. Solche Erfahrungen sind in einer Fußballkarriere natürlich Gold wert.

Was war Ihre schönste Station?

Horst Franz: Das war die Zeit bei Arminia Bielefeld in der Bundesliga. Auf der Alm hat auf mich die größte Herausforderung meiner Karriere gewartet: Ich sollte die Arminia aus einer eigentlich aussichtslosen Situation zum Klassenerhalt führen. Dass dies gelungen ist, war damals ein Fußballwunder. Noch nie in der Bundesliga-Geschichte konnte eine Mannschaft mit so wenig Punkten bei Amtsantritt gerettet werden. Über die Auszeichnung zu Deutschlands ‚Trainer des Jahres‘ habe ich mich 1981 sehr gefreut. Sascha Franz: Ich habe bei jeder Station tolle und einmalige Momente erlebt. Bis heute habe ich Kontakt zu vielen ehemaligen Weggefährten. Trotzdem gab es ein ganz besonderes Highlight: Einen Verein wie Darmstadt 98 vom letzten Platz der 3. Liga bis in die Bundesliga zu führen und dort als krasser Außenseiter den Klassenerhalt zu schaffen, war schon etwas ganz Besonderes!

„Ich bin ein Freund des Videobeweises, der den Fußball fairer macht.“

Horst Franz

Was hätten Sie gerne aus der Aktualität heraus zu Ihrer aktiven Trainer-Zeit gehabt?

Horst Franz: Die technischen Hilfsmittel haben dem Spiel neue Möglichkeiten gebracht. Ich bin ein Freund des Videobeweises, der den Fußball fairer macht und Ungerechtigkeiten im Spiel bereinigt.

Gibt es Dinge, die Sie aus den Schilderungen Ihres Vaters heraus heute rund um den Profi-Fußball vermissen?

...während sein Sohn Sascha im fernen Aue coachen muss.

Sascha Franz: So wie ich es damals aus Gesprächen und Telefonaten meines Vaters mitbekommen habe, ging es früher mehr um das Fußballspiel als solches. Im Vergleich zu damals hat heute das Drumherum stark an Bedeutung gewonnen. Mich persönlich hat allerdings von Kindheit an das sportliche Geschehen auf dem Platz fasziniert. Das ist auch der Grund, warum ich ein Studium zum Diplomsportlehrer absolviert habe.

Was schätzen Sie besonders an Ihrem Trainer-Sohn und Trainer-Vater, in welchem Punkt wäre vielleicht eher Kritik angebracht?

Horst Franz: Sascha hat einen menschlich sehr guten Umgang mit den Spielern. Er kann sich in die Psyche der Fußballer hineinversetzen. Das ist heutzutage genau so wichtig wie seine taktischen Fähigkeiten. Er kann ein Spiel lesen und das Geschehen auf dem Platz mühelos analysieren. Ich würde mir allerdings wünschen, dass er öfter auf Abstand zum Bundesliga-Geschäft geht. Er ist ein Workaholic, der sich mehr Ruhephasen gönnen sollte. Sascha Franz: Ich war schon immer sehr stolz auf meinen Papa. Sowohl, wie er sich als Vater, aber auch, wie er sich als Trainer verhalten hat. Auch als er noch in der Bundesliga aktiv war, hat er sich immer Zeit für die Familie genommen, und ich konnte jederzeit mit Problemen zu ihm kommen. Sportlich gesehen bewundere ich seinen Fußballsachverstand. Auch heute noch kennt er fast jeden Profispieler mit seinen Stärken und Schwächen. Und an der Seitenlinie hat er auch in hektischen Situationen immer die nötige Ruhe bewahrt.

„Ich glaube gar nicht, dass der Bundesliga-Fußball so weit weg vom Fan ist.“

Sascha Franz

Was bedeutet Ihnen das jahrelange Scouting bezüglich Spielen und Spielern des Vaters für den Sohn?

Horst Franz: Durch das jahrelange Scouting bin ich immer auf dem neusten Stand des Fußballs geblieben. Alle Entwicklungen, die der Fußball genommen hat, konnte ich mitmachen. Der tägliche Umgang mit jungen Menschen hat dazu geführt, dass ich auch mit meinen nunmehr 80 Jahren geistig frisch geblieben bin. Sascha Franz: Durch die Vater-Sohn-Konstellation habe ich immer eine ehrliche und unabhängige Meinung über die Spiele und Spieler bekommen. Das ist nicht selbstverständlich, denn im Profifußball spielen auch stets andere Interessen eine Rolle. Meinem Vater konnte ich natürlich immer zu 100 Prozent vertrauen. Dadurch haben wir bei vielen Transfers und Gegneranalysen komplett richtiggelegen.

Der Blick nach vorne: Was muss – erst recht nach Corona – passieren, damit der Bundesliga-Fußball wieder näher am Fan sein kann?

Horst Franz: Ich hoffe, dass der Bundesliga-Fußball und unsere Gesellschaft zu mehr Normalität und Bescheidenheit zurückfinden. Fußballer, die goldene Steaks essen und ihre Friseure aus dem Ausland einfliegen lassen, sollten zurück auf den Teppich. Wenn ein Spieler von Millionen Fans vergöttert wird, bekommt er automatisch eine Vorbildfunktion, der er gerecht werden sollte. Schließlich hat man in der Öffentlichkeit nicht nur eine Verantwortung für sich selbst, sondern auch für die Gesellschaft. Sascha Franz: Ich glaube gar nicht, dass der Bundesliga-Fußball so weit weg vom Fan ist, wie es manchmal scheint. Natürlich zeigen Bilder in den Medien oft eine Welt voller Glamour. Aber die Fans, die ihre Vereine unter der Woche auf dem Trainingsplatz besuchen, erleben, dass die meisten Spieler und Trainer Fußballer zum Anfassen sind. Nur bleibt dafür an den Spieltagen selbst zu wenig Zeit.

Stationen

Horst Franz: Nach diversen Engagements in Österreich übernahm er 1977 die SG Union Solingen, blieb bis 1980 am Hermann-Löns-Weg. Danach verrichtete er seinen Job zumeist im Oberhaus, so bei Arminia Bielefeld, beim Karlsruher SC, bei Borussia Dortmund und beim FC Schalke 04. In der 2. Liga war Franz senior unter anderem bei Rot-Weiss Essen und beim FSV Mainz 05 aktiv.

Das könnte Sie auch interessieren

Unsere News per Mail

Nach der Registrierung erhalten Sie eine E-Mail mit einem Bestätigungslink. Erst mit Anklicken dieses Links ist die Anmeldung abgeschlossen. Ihre Einwilligung zum Erhalt des Newsletters können Sie jederzeit über einen Link am Ende jeder E-Mail widerrufen.

Die mit Stern (*) markierten Felder sind Pflichtfelder.

Meistgelesen

Sascha Franz: „Viel Arbeit in familiärem Umfeld“
Sascha Franz: „Viel Arbeit in familiärem Umfeld“
Sascha Franz: „Viel Arbeit in familiärem Umfeld“
Gräfrath bezwingt Dauersieger Britannia
Gräfrath bezwingt Dauersieger Britannia
Gräfrath bezwingt Dauersieger Britannia

Kommentare