Handball

Höhenflug im Höhendorf – beim TVW bewegt sich etwas

Einige bekannte Gesichter bei den Männern des TVW um Trainer Rainer Hantusch (r.): Wie der frühere WMTV-Keeper Joe Mientus (Nummer 1) oder der ehemalige Alligators-Baseballer Jens Cornelsen (31). Fotos: TVW
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Einige bekannte Gesichter bei den Männern des TVW um Trainer Rainer Hantusch (r.): Wie der frühere WMTV-Keeper Joe Mientus (Nummer 1) oder der ehemalige Alligators-Baseballer Jens Cornelsen (31).

Die Handballabteilung des TV Witzhelden erlebt in jüngster Vergangenheit dank unterschiedlicher Faktoren einen enormen Aufschwung.

Von Fabian Herzog

Die Querverbindungen in die Nachbarstädte sind enorm. Klar, angesichts der geografischen Lage ist es kein Wunder, dass sich beim TV Witzhelden viele bekannte Handballerinnen und Handballer aus der Region tummeln. Gründe dafür gibt es aber weitere. Vor allem den Höhenflug der Höhendörfer, die sich sportlich wie gemeinschaftlich zu einer beliebten Adresse im Bergischen gemausert haben.

Kaum einer kann die Entwicklung besser beurteilen als Matthias Adam. Der 27-Jährige ist nicht nur Abteilungsleiter, sondern auch Spieler in seiner achten Saison im TVW-Trikot. „Wir haben in den vergangenen Jahren vieles entwickelt“, sagt er nicht ohne Stolz und verweist auf rund 230 Mitglieder und jeweils drei Senioren-Mannschaften. „Das war mal anders“, erinnert sich Adam an die Zeit, als sich der TVW aus der Spielgemeinschaft mit den Bergischen Panthern wieder rauslöste, nur noch auf rund 150 Handballer und Handballerinnen kam und mit den 1. Männern erst einmal in die Kreisliga abschmierte. „Wir haben uns breiter aufgestellt“, sagt er zu den Gründen.

Dazu zählen aus seiner Sicht auch drei wesentliche Faktoren. Erstens: „Wir haben den Spaß in den Vordergrund gestellt.“ Zweitens: „Wir versuchen, alle gleich zu behandeln.“ So findet die alljährliche Weihnachtsfeier beispielsweise mit allen Mannschaften gemeinsam statt. Und drittens: „Die Trainer haben großen Anteil am Aufschwung.“

„Wir haben eine echt coole Truppe.“

Rainer Hantusch, Trainer der Männer

Streng genommen auch Achim Hagenbruch. Er ist seit Jahren der Hallensprecher in Witzhelden und genießt beinahe schon Kultcharakter. Bei den Toren spielt er für jede Spielerin und jeden Spieler individuelle Jingles ein.

Blick zu den Frauen, wo Lidija Hepp in der zweiten Saison das Sagen bei der 1. Mannschaft hat. Die Witzheldenerin schloss sich dem TVW vor drei Jahren zunächst als Spielerin an, musste aber in der Saison 2018/19 wegen Achillessehnenproblemen ihr Karriereende akzeptieren. „Mehr als leichtes Jogging ist seitdem nicht drin“, sagt die 45-Jährige. 

Bekannte Gesichter auch bei den Frauen: Wie Christine Storck (hinten, 6.v.r.), Anja Mohr (hinten, 5.v.l.), Anne Bohrmann (hinten, 4.v.r.) oder Lisa Vogel (vorne, 4.v.r.).

Hepp hat sich damit abgefunden und fühlt sich in der Trainerrolle „total wohl“. Grund dafür sei vor allem das homogene Miteinander, der Zusammenhalt im Verein und das Verhältnis zu ihren Spielerinnen. „Ich kann mich auf alle total verlassen“, schwärmt sie regelrecht von ihrem Team. „Ich muss niemanden kontrollieren. Die Aufgaben, die ich stelle, werden zu 100 Prozent umgesetzt. Das macht mich glücklich.“ Dass sie mit ihrem Ehemann Lars, der so oft es sein Trainerjob beim Drittligisten Leichlinger TV zulässt bei den 1. Männern spielt, „nur fünf Minuten“ von der Halle entfernt wohnt, sei ein zusätzlicher Wohlfühlfaktor.

Auch sportlich läuft es voll nach ihrem Geschmack. In der Oberliga steht für die „Turmladies“ derzeit Platz vier zu Buche, dieser war es auch in der abgebrochenen Vorsaison. „Das ist das, wo wir hingehören“, findet Lidija Hepp und betont: „Die Nordrheinliga ist überhaupt kein Thema. Da würden wir uns keinen Gefallen mit tun.“ Dagegen spräche unter anderem die Tatsache, dass viele der Spielerinnen Mütter sind und „eine Menge Kompromisse“ eingehen, um am Training teilzunehmen. Mehr als ein bis zwei Einheiten pro Woche würde aber niemand schaffen.

Zu ihrem Team gehören mit Christine Storck (früher WMTV), Anne Bohrmann und Lisa Vogel (beide zuvor HSV 2) mehrere Solingerinnen. Auch Anja Mohr, ebenfalls schon in Gräfrath aktiv gewesen, wohnt mittlerweile in der Klingenstadt.

Früherer SG-Spieler will die Männer in der Landesliga etablieren

Blick zu den Männern, wo zeitgleich zu Lidija Hepp bei den Frauen Rainer Hantusch den Trainerposten zur Saison 2019/20 übernommen hat. Der frühere Klasse-Handballer, der es als Spieler der SG Solingen und bei Bayer Dormagen bis in die 2. Liga geschafft hat, führte den TVW direkt in seiner ersten Saison und nach elf Jahren Abstinenz in die Landesliga, wo in den ersten sechs Partien nur 4:8-Punkte heraussprangen. „Wir haben uns nicht gut präsentiert“, findet der Burscheider, der das bisherige Abschneiden aber einzuordnen weiß: „Für viele ist die Landesliga Neuland.“

Rainer Hantusch geht in seiner Rolle als TVW-Trainer voll auf.

Für Torhüter Joe Mientus gilt dies freilich nicht. Der Solinger hat beim WMTV und auch beim HC Wermelskirchen schon auf diesem Niveau gespielt. Hantusch: „Wir haben eine coole Truppe.“

Mit dieser verfolgt er verschiedene Ziele. Einerseits den Klassenerhalt in der Landesliga, andererseits aber vor allem eine gewisse Nachhaltigkeit. „Wir wollen eine Identifikation mit Witzhelden schaffen“, verdeutlicht der Trainer. Außerdem ginge es darum, den TVW für junge Spieler attraktiv zu machen.

Das Gemeinschaftsgefühl liegt dem 43-Jährigen dabei besonders am Herzen. Wie wichtig dies sei, habe er in seiner aktiven Zeit erlebt. „Da gehe ich voll drin auf“, sagt Hantusch. „Das ist für mich das Größte.“ Es ist dem früheren Rückraumshooter, der nach einer Meniskus-OP und acht weiteren Eingriffen die Schuhe an den Nagel hängen musste, anzumerken, dass ihm der Trainerposten liegt. „Ich möchte den Jungs etwas beibringen“, sagt Rainer Hantusch, der zugibt: „Manchmal erwische ich mich dabei, dass ich zu viel will.“

TV Witzhelden

Jugend: Der Nachwuchs ist eine der größten Baustellen des TVW. Nachdem auch diese den Verbund mit den Panthern im vergangenen Jahr verlassen hat, gibt es aktuell nur eine Mini-Mannschaft des Jahrgangs 2016.

Halle: Die Turmarena ist für den Trainingsbetrieb komplett ausgelastet, weil man diese auch mit der Badminton-Abteilung teilt. Deswegen wird auch mal nach Leichlingen ausgewichen.

Ernie Meyer: Der Solinger coacht seit 2019, als der TVW nahezu alle Trainer austauschte, die 2. Frauen in der Bezirksliga.

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