Eishockey

Historische WM mit Solinger Zutaten

Mit dem Adler auf der Brust verlebte Luca Münzenberger in Kanada denkwürdige Eishockey-Tage. Fotos: Andrea Baader/DEB
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Mit dem Adler auf der Brust verlebte Luca Münzenberger in Kanada denkwürdige Eishockey-Tage.

Luca Münzenberger hat beim EC Bergisch Land mit dem Eishockey angefangen.

Von Jürgen König

In der Hoffnung, dass Sportbund und Tageblatt im nächsten Jahr wieder eine Sportlerwahl anbieten können, dürfte dieser junge Mann seinen Platz im Teilnehmerfeld der Herren-Konkurrenz sicher haben: Luca Münzenberger schaffte mit den deutschen U20-Junioren Historisches – in Kanada erreichte das Team erstmalig das Viertelfinale. „Es war der bislang größte Erfolg, und darauf sind wir alle auch stolz“, sagt der Solinger.

Auch für ihn persönlich stellt das Abschneiden einen weiteren Höhepunkt dar, nachdem Münzenberger zuvor schon für das Perspektiv-Team Olympia 2022 beim aufgrund von Corona abgespeckten Deutschland-Cup am Puck war. „Das war eine Ehre, dabei gewesen zu sein. Ich bin dankbar dafür, das erste Mal auf Top-Niveau gegen Männer gespielt zu haben“, freut sich der 18-Jährige noch heute.

„Ein Verlust der Eissporthalle wäre sehr schade.“
Luca Münzenberger zu seiner sportlichen Heimat

Es hätte auch eine andere Entwicklung nehmen können, denn erst einmal hatte der Fußball bei ihm die Nase vorn. Beim VfB erlebte Münzenberger nach eigenem Bekunden eine schöne Zeit, ehe ihn der Eishockeysport in seinen Bann zog. Und das beim EC Bergisch Land, wo er unter anderem die Bambini-Zeit miterlebte. Ratingen war schon bald eine weitere Station, seit 2013 sind dann die Kölner Haie sein Stammverein.

Tor gegen Finnland – Luca Münzenberger (l.) jubelt mit.

Die Beziehung zur Klingenstadt ist aber intensiv geblieben, denn hierhin zog Familie Münzenberger, als Luca noch drei Jahre jung war. An der Heimatstadt hat sich bis heute nichts geändert, folgerichtig waren auch die Grundschule Weyer sowie das Gymnasium Vogelsang mit dem Abitur im Frühjahr 2020 schulische Wirkungsstätten. Und die in diesem Winter geschlossene Eisbahn im Ittertal war stets eine beliebte Anlaufstation in der Freizeit.

Die Titelkämpfe in Kanada waren so etwas wie eine sportliche Reifeprüfung. Die deutsche Mannschaft war durch acht Corona-Fälle arg geschwächt, obwohl man eigentlich alle strengen Regeln eingehalten hatte. 14 Akteure blieben somit für die ersten beiden Begegnungen übrig, was nicht nur Luca Münzenberger reichlich Eiszeit bescherte. „Ich denke, ich habe in den meisten Spielen einen guten Job gemacht und meine Chance genutzt“, blickt er zufrieden zurück. Trotz der 3:5-Niederlage gegen Finnland war es ein guter Auftakt, ehe das Debakel folgte. Gegen die Gastgeber und späteren WM-Zweiten – Sieger wurden die USA – setzte es eine 2:16-Pleite. „Das war natürlich ein Schock, aber wir haben nach vorne geschaut, sind gut zurückgekommen und haben uns mit tollen Teamleistungen belohnt“, analysiert der Stammspieler.

Der 4:3-Erfolg nach Verlängerung über die Slowakei war mit frischen Kräften die Wende, das Viertelfinale wurde durch ein 5:4 gegen die Schweiz gebucht. Dort überzeugte die deutsche Auswahl und musste sich Russland unglücklich mit 1:2 geschlagen geben. Münzenberger: „Defensiv war es gut, aber wir haben unsere Chancen nicht genutzt. Es war aber insgesamt eine Top-Leistung.“

Das alles spielte sich im riesigen Rogers Place in Edmonton ab – ohne Zuschauer wurden dort den ganzen Tag lang die Partien absolviert. Alle Teams befanden sich in der viel zitierten „Bubble“, in der sich nur auf das Coronavirus negativ getestete Personen aufhalten durften. „Das war ziemlich gut geregelt“, erzählt der frühere Raptor von der neuen Arena, die sich in einem Komplex mit Hotelanlagen befand. Wodurch ein direkter Zugang gewährleistet war, sogar eine „Auszeit-Zone“ wurde angeboten.

Kanada wird dem Rechtshänder also in sehr guter Erinnerung bleiben, wie auch seine Zeit an der Birkerstraße. Dass die Zukunft der dortigen Eissporthalle allen Bemühungen zum Trotz am seidenen Faden hängt, sorgt den Nationalspieler. „Für viele Eltern ist es schwer, den Nachwuchs in große Städte zu fahren. Ein Verlust der Eissporthalle wäre sehr schade.“ Dass es bedeutend ist, „in der Provinz“ Eishockey für die Jugend anzubieten, beweist das Beispiel Tim Stützle. Der Teamkamerad von Münzenberger wurde bei der WM als bester Stürmer ausgezeichnet und von den Ottawa Senators verpflichtet. Die Stationen des „Top-Eishockey-Spielers“ vor Mannheim: Krefeld und Viersen.

So hoch hinaus wird es für den jungen Mann aus dem Bergischen nicht gehen, ein Engagement an der University of Vermont Catamounts steht in der amerikanischen College-Liga aber bevor. Und parallel dazu sind die beruflichen Ambitionen groß – Luca Münzenberger studiert Psychologie in Köln, wo es ein Traum wäre, einmal die Nachfolge von Haie-Verteidiger-Ikone Mirko Lüdemann anzutreten.

Hintergrund

Liga: Dass die Deutsche Eishockey-Liga – wenn auch bis auf weiteres ohne Zuschauer – den Spielbetrieb aufgenommen hat, erachtet Luca Münzenberger als essenziell fürs deutsche Eishockey.

Vorbild: Klar gilt seine Bewunderung Landsmann Leon Draisaitl, als erster Deutscher zum wertvollsten Spieler der NHL gekürt. Auch hoch im Kurs: Top-Verteidiger Rasmus Dahlin (20, Schweden).

Spielweise: Bei den Knaben wurde der Solinger zum Verteidiger umgeschult, gute Trainer verhalfen ihm zu Stabilität, starkem Umgang mit der Scheibe und dem Instinkt, sich in den Angriff einzuschalten.

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