Handball

Die Handball-Stars der HSV-Historie

Acht Jahre war Silke Gnad spielende Co-Trainerin des HSV. Mit Ehemann Hansi, 1993 Kapitän von Basketball-Europameister Deutschland, lebt sie im Bergischen Land. Foto: Gnad
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Acht Jahre war Silke Gnad spielende Co-Trainerin des HSV. Mit Ehemann Hansi, 1993 Kapitän von Basketball-Europameister Deutschland, lebt sie im Bergischen Land.

Bei Solingen-Gräfrath haben schon viele Größen des Sports gespielt – ein Überblick.

Von Lutz Clauberg

Gary Hines trägt seit Sommer 2020 das Trikot des HSV Solingen-Gräfrath – in der Bezirksliga. Der US-Nationalspieler ist im Vergleich zu anderen prominenten HSV-Stars ein relativ kleines Licht. Wir blicken zurück.

Silvester 1994: Vitali Sidorenko (3.v.l.) lädt seine Handball-Weggefährten zum Reinrutschen ein. Mit dabei sind auch Andrej Minevski (2.v.r.) und Svetlana Minevskaja (r.).

Svetlana Minevskaja (52): Die Halblinke und Spielmacherin war Weltmeisterin 1986 und 1990 mit Russland, kam mit 26 Jahren als aktuelle weißrussische Nationalspielerin 1993 aus Minsk zum damaligen Oberligisten HSV Gräfrath – weil ihr Ehemann Andrej, Olympiasieger 1992 mit der Gemeinschaft Unabhängiger Staaten (GUS), beim TV Lenzinghausen in der Westfalen-Oberliga angeheuert hatte. „Svet“ feierte ihr Debüt am 24. Oktober 1993 beim 21:14 in Duisburg-Bruckhausen mit sieben Treffern, zum letzten Mal lief sie am 14. Dezember 1997 in Stemmer auf: Nach insgesamt 63 Partien und 514 Treffern wechselte sie nach der Weltmeisterschaft in Deutschland mit Delegationsleiter Stefan Bögel zum ambitionierten Zweitligisten DJK/MJC Trier.

Mit Alexander Anpilogov kam 2000 ein Olympionike als Trainer der HSV-Männer, konnte den Abstieg aber nicht vermeiden.

Kerstin Reckenthäler (38), aktuelle Trainerin des HSV, erinnert sich gut an erfolgreiche gemeinsame Jahre: „Ich bin mit 16 Jahren nach Trier gekommen. Sie hat mich an die Hand genommen und uns jungen Spielerinnen viel mit auf den Weg gegeben.“ Mit Torjägerin Minevskaja und dem aufstrebenden Talent Reckenthäler stieg Trier im Jahr 2000 in die 1. Liga auf und wurde 2003 Deutscher Meister. Während Reckenthäler nach 18 Länderspielen wegen hartnäckiger Knieprobleme 2005 ihre Karriere beenden musste, ging es für „Svet“ munter weiter: über Rostock zum Thüringer HC. Dort beendete sich mit 39 Jahren ihr herausragende Bundesliga-Karriere.

Corinna Kunze (l.) und Raissa Tichonowitsch trafen im November 1994 in der August-Dicke-Schule im Europapokal-Duell Dortmund gegen Gomel (Weißrussland) aufeinander. Beide spielten später für den HSV.

Andrej Minevski (51) war beim Ohligser TV der Garant für den Oberliga-Aufstieg 1996, ehe er 1997 den Club nach drei Saisons verließ. Die gemeinsame Tochter Shenia Minevskaja, am 31. Oktober 1992 in Minsk geboren, spielt professionell äußerst erfolgreich Handball. Nach einigen Stationen in der Bundesliga und im französischen Brest läuft die deutsche Nationalspielerin inzwischen in Rumänien für den Champions League-Teilnehmer Ramnicu Valcea auf.

Raissa Tichonowitsch (49): Die Rechtshänderin auf Rechtsaußen sprang am 27. November 1994 zum ersten Mal ein. Elf Treffer gelangen ihr beim 24:21 in Wettringen. Der HSV war in großer Not, weil Minevskaja wegen einer Knie-Operation einige Monate passen musste und ihr Team in Abstiegsgefahr geriet. Die weißrussische Nationalspielerin lief kurz zuvor zwei Mal für Universität Gomel (Weißrussland) im Europapokal gegen Borussia Dortmund auf. Das Hinspiel hatte der HSV ausgerichtet. Dank ihrer Treffsicherheit blieb Gräfrath in der Regionalliga. WM-Teilnehmerin Tichonowitsch zog es anschließend über Bad Hersfeld, Leverkusen und Frankfurt/Oder nach Sulzbach/Leidersbach und überzeugte auf allen (Bundesliga-)Stationen als treffsichere Schützin.

Corinna Kunze (57): Der Transfer im Sommer 1996 war spektakulär, hatte die Ex-Nationalspielerin (62 Einsätze) doch gleich bei zahlreichen Vereinen (Engelskirchen, Minden, Leverkusen, Dortmund) in der 1. Liga hohe Trefferquoten erzielt. Wegen einer vom HSV verschuldeten Panne war sie zum Saisonstart nicht spielberechtigt. Später kam der auf dem Papier überragend besetzte Rückraum mit ihr, Minevskaja und Annette Freudenberg nicht auf Touren. Trainer Bernd Vatter warf das Handtuch, sein Nachfolger Ralf Schade wurde entlassen, ehe Jörg Hermes übernahm. Kunze blieb indes nur eine Saison.

Silke Gnad (54): Gräfrath stieg 2004 aus der Regionalliga in die Oberliga ab. Spielertrainerin wurde die Bundesliga erprobte Annekatrin Brzoskowski. Die Solingerin brachte Silke Gnad mit von der HG Remscheid. Von da an ging es bergauf. Die Sensations-Linksaußen hatte bereits 1986 für die DDR debütiert, nach der Wende unter anderem bei Walle Bremen riesige Erfolge gefeiert. In Ost und West wurde sie sieben Mal nationale Titelträgerin. Im Nationaldress holte sie Platz vier bei den Olympischen Spielen sowie den Vize-Titel bei der EM 1994. Acht Jahre war sie insgesamt spielende Co-Trainerin. Vor allem dank ihrer Klasse gelang 2005 der sofortige Wiederaufstieg, 2009 sogar die Westdeutsche Meisterschaft. Die damalige Clubführung verzichtete aus finanziellen Gründen auf den Zweitliga-Aufstieg.

Kamila Caluzynska (39): Die Verpflichtung der polnischen Nationalspielerin manifestierte das Bestreben des damaligen HSV-Sponsors und Geschäftsführers der Spielbetriebs-GmbH Michael Kölker, ab 2012 den Sprung in die 2. Liga zu wagen. Der Verein orientierte sich aber 2015 neu, kündigte den Vertrag mit Kölker zum Ende der Spielzeit 2015/16. Es folgten jede Menge Turbulenzen und ein gewaltiger Umbruch – Torjägerin Caluzynska und viele, viele andere gingen. Gräfrath, sportlich abgeschlagen, hielt dank glücklicher Fügungen die 3. Liga. Und stieg mit neuen Köpfen in der Vereinsführung, auf dem Spielfeld und auf der Trainerbank auch ohne Kölkers Zuwendungen 2019 in die 2. Liga auf. Dort läuft es mittlerweile fast schon sensationell gut.

Vitali Sidorenko (52): Der 2.01 Meter große Linkshänder aus Minsk war 1992 der erste internationale Transfercoup des HSV, der bis dato nahezu ausschließlich Top-Spieler aus Solingen und Umgebung in Scharen angezogen hatte. Bei SKA war er Ergänzungsspieler, eingefädelt hatte den Deal erneut das international herausragend vernetzte HSV-Vorstandsmitglied Dr. Gerd Butzeck. Trainer des ambitionierten Verbandsligisten damals war Manfred Bick.

Alexander Anpilogov (66): Der über zwei Meter große Rückraum-Shooter aus Tiflis (Georgien) holte 1976 mit der UdSSR Olympia-Gold und 1982 den WM-Titel – und coachte in der Saison 2000/2001 die Gräfrather Männer. Nach 15 Jahren in der Verbandsliga stieg der HSV sang- und klanglos ab. „Sascha“ Anpilogow mischte sogar selbst mit, zum Beispiel beim 24:25 gegen Hasten. Anpilogovs Landsmann Beka Ordjonikize, 50 Mal international für Georgien am Ball, war ebenfalls im Einsatz – auch er schaffte es nicht mehr, den HSV-Abstieg nach 15 Jahren in der fünfthöchsten Klasse zu verhindern.

Alexander Gladun (47): Der Deutsch-Ukrainer kam Ende März 2012 als „Heilsbringer aus dem Kloster Ettal“ zum HSV, der vehement um den Bezirksliga-Klassenerhalt kämpfte. „Sascha“ Gladun, zwischen November 1997 und Juni 1998 für den damaligen Süd-Zweitligisten SG Solingen aktiv, kam aus Freundschaft zu HSV-Vorstandsmitglied Stefan Bögel. Selbst die Transfers der Emsdettener Top-Talente Christopher Kreft und Mathias Boese reichten nicht. Es ging zurück in die Kreisliga – mit dem neuen Trainer Ralf Renninger und dem ehemaligen Bundesliga-Spieler Max Ramota.

HSV Gräfrath

Nachwuchs: Neben dem Bergischen HC treibt der HSV Solingen-Gräfrath die handballerische Ausbildung von jungen Spielern am professionellsten voran. Die „Talentschmiede“ kooperiert mit der Alexander-Coppel-Gesamtschule und dem Gymnasium Vogelsang.

Senioren: Die Frauen sind in der 2. Liga angekommen und befinden sich auf gutem Weg zur Etablierung. Die Männer streben in der Bezirksliga den Aufstieg an.

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