Handball

Die älteste Handballerin der Welt kommt aus Solingen

Josefine „Susi“ Meerkamp präsentiert stolz das Zertifikat, das sie als älteste Handballerin der Welt ausweist. Foto: Christian Beier
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Josefine „Susi“ Meerkamp präsentiert stolz das Zertifikat, das sie als älteste Handballerin der Welt ausweist.

Die Solingerin Josefine Meerkamp erhält einen Eintrag ins Guinness-Buch der Rekorde.

Es ist ein besonderer Tag für Josefine „Susi“ Meerkamp, wenn im Spätsommer 2021 die neue Handball-Saison im Amateurbereich startet. Nicht nur endet dann eine lange coronabedingte Phase ohne Meisterschaftspartien, sondern die Solingerin geht zugleich in ihre 60. Spielzeit. Schon dieser Wert dürfte einzigartig sein. Gesichert ist allerdings, dass Meerkamp die älteste Handballerin der Welt ist. Das bestätigte und zertifizierte nun die Guinness World Records Limited. Die 76-Jährige ist offiziell Rekordhalterin.

„Ans Aufhören habe ich nie gedacht“, sagt die Handballerin des Wald-Merscheider TV. „Auf einmal war ich 40 Jahre alt, dann 50 und 60. Aber es hat mir immer großen Spaß gemacht.“ Und konditionell hält sie die Spiele auch noch problemlos durch. „Wenn wir personelle Probleme haben, stehe ich auch 60 Minuten auf dem Feld. Auch das geht noch“, meint die Kreisläuferin, die im dritten Frauen-Team des WMTV in der Kreisliga zum Einsatz kommt. Dass sie dabei Gegnerinnen und Mitspielerinnen hat, die locker ihre Enkelkinder sein könnten, stört sie überhaupt nicht. „Ich bekomme nur positive Resonanz“, berichtet die Solingerin. „Da kam noch nie ein böses Wort.“

„Auf dem Schild stand: ‘Handball- Mädels gesucht’.“

Josefine „Susi“ Meerkamp zu ihren Anfängen 1961

Daher hat Meerkamp auch die Corona-Zwangspause nicht genutzt, um sportlich herunterzufahren. In der Nähe der Wupper wohnend, läuft sie fast täglich mit ihrem Hund die Strecke ins Tal und zurück. „Das ist zwar nicht weit, aber dafür bin ich schnell“, sagt sie. „Außerdem halte ich mich vor dem Fernseher mit allerlei Dehnübungen fit.“ Ihr Körper hat die Belastung fast immer mitgemacht. Leichtere Blessuren an Finger, Schulter und Nase gehörten dazu, doch die erste ernsthafte Verletzung zog sich die Handballerin erst 2015 zu. Ein Bruch im Sprunggelenk zwang sie mit 71 Jahren zu einer Pause. Wer nun gedacht hatte, sie würde sich nicht mehr zurückkämpfen, sah sich allerdings schnell getäuscht. Bereits nach sechs Monaten stand sie wieder auf der Platte.

Josefine Meerkamp im Trikot des Merscheider TV 1973. Damals nahm sie im Sommer an der Kleinfeld-Serie teil.

Begonnen hatte alles 1961. „Ich bin mit 16 Jahren nach Solingen gezogen und kannte keinen Menschen“, erinnert sie sich. „Plötzlich sah ich im Ortsteil Wald ein Schild. Auf dem stand: ‘Handball-Mädels gesucht’. Da habe ich mich dann einfach gemeldet.“ Am selben Tag war sie zum ersten Mal beim Training des VfL Wald dabei. Schnell wurde sie Mitglied, erlernte den Sport und wechselte später zum Merscheider TV. Dort stieg sie unter der Leitung von Heino Kirchhoff, der später noch in der 2. Bundesliga trainieren würde, in die Verbandsliga auf.

Ihren sportlichen Höhepunkt hatte sie damit erreicht, doch sie wechselte noch drei Mal den Verein. Vom MTV ging es zur DJK Vogelsang, dann zum SSC 95/98 und später zum WMTV, dem sie bis heute in der dritten Mannschaft angehört. „Die Dritte gehört wohl zu den bunt gemischtesten Mannschaften Deutschlands“, sagt WMTV-Pressesprecher Daniel Konrad. „Denn in wahrscheinlich keinem andern Frauen-Team findet sich so ein breites Altersspektrum – von ganz jung bis ganz alt – wie in dieser Mannschaft. Von der gerade einmal aus der A-Jugend entwachsenen Jugendspielerin bis hin zu unserer weit über die Stadtgrenzen hinaus bekannten, fast 77-jährigen Susi, sind alle Altersgruppen vertreten.“

In der inzwischen abgebrochenen Saison 2020/21 absolvierte die Mannschaft nur drei Spiele. Zum bisher letzten Mal war Josefine Meerkamp am 3. Oktober vorigen Jahres im Auswärtsspiel gegen den ATV Hückeswagen am Ball. Zu diesem Zeitpunkt war sie 76 Jahre und 90 Tage alt. Den Antrag, als älteste Handballerin der Welt anerkannt zu werden, stellte der WMTV aber bereits vorher. Genau 75 Jahre und 302 Tage war sie in der Begegnung alt, für die die Rekordbestätigung gilt. Es war das letzte Meisterschaftsspiel vor dem ersten Corona-Lockdown im Frühjahr 2020.

„Nach unserem Wissensstand gibt es wohl sonst keine weitere Dame, die in diesem respektablen Alter noch regelmäßig in unserem Handballsport aktiv ist – und das wurde uns nun durch die Guinness World Record Limited bestätigt“, freut sich Birgit Renninger. Sie ist eine langjährige Freundin und Mitspielerin Meerkamps, die sich gemeinsam mit Daniel Konrad bei der Beantragung der Guinness-Zertifizierung ins Zeug gelegt hat. Und Josefine Meerkamp ist glücklich darüber. „Ich bin unendlich stolz und dankbar, dass ich mein Hobby so lange mit so vielen lieben Spielern und Trainern teilen konnte“, sagt die frischgebackene Rekordhalterin.

Zur Person

Privat: Josefine „Susi“ Meerkamp wurde am 5. Juli 1944 in Rodder (Rheinland-Pfalz) geboren. Mit 16 Jahren zog sie in die Klingenstadt und wohnt inzwischen in Balkhausen in Hanglage ganz in der Nähe der Wupper. Sie hat zwei Söhne und drei Enkelkinder.

Hobbys: Meerkamp ist sportbegeistert. Sie ist nicht nur selbst aktiv, sondern verfolgt mit ihrem Lebensgefährten auch viele Sportarten als Zuschauerin. Ganz oben ist die Handball-Bundesliga zu nennen, aber auch Fußball und Wintersportarten begeistern das Paar.

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