Boxen

Große Leidenschaft rund um den Ring

Mustafa Erenay (Mitte) nach einem Kampf in Wuppertal – das Boxen prägt sein Leben. Foto: imago
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Mustafa Erenay (Mitte) nach einem Kampf in Wuppertal – das Boxen prägt sein Leben.

Der Solinger Mustafa Erenay ist der Unparteiische im Boxen.

Von Moritz Jonas

Der Solinger Mustafa Erenay liebt den Ring. Fast sein ganzes Leben ist er schon im Boxsport unterwegs, angefangen hat der 47-Jährige beim Kickboxen, später hat er sich dann auch noch selbst als Boxer im Profisport versucht. Nach drei Niederlagen in drei Kämpfen war dieses Kapitel allerdings recht schnell abgeschlossen. Das dürfte Erenay jedoch wenig stören, denn inzwischen hat er seinen Platz im Ring gefunden. Seit 2011 ist er überaus erfolgreich als Ringrichter und Punktrichter unterwegs.

In seinen nun schon elf Jahren als Offizieller am und im Ring kommt er auf insgesamt 447 Kämpfe. 280 als Ring- und 167 als Punktrichter. Sein Weg zum starken Mann in der Ringmitte war allerdings nicht geplant. „Nach meiner aktiven Karriere als Profi und Amateurboxer wollte ich eigentlich eine Pause mit dem Boxen einlegen, aber Torsten Knille hat mich als Ringrichter angefragt“, erklärt Erenay. Knille ist Präsident der WBU (World Boxing Union). So kam es, dass er im August 2011 seinen ersten Kampf leiten durfte, und das ohne echte Vorbereitung. „Bis auf ein paar Lehrgänge bin ich ins kalte Wasser geschmissen worden“, erinnert sich Erenay.

Ich möchte einmal einen Kampf in Las Vegas leiten.

Mustafa Erenay

Doch der hauptberufliche Meister für Schutz und Sicherheit merkte schnell, dass er Talent für die Rolle des Kampfrichters besitzt. Gerade seine eigenen Erfahrungen als Boxer hätten ihm dabei geholfen, ein guter Ringrichter zu werden. „Auch wenn es bei mir als Boxer nie zum großen Erfolg gereicht hat, so weiß ich doch, wie man sich im Ring bewegt. Und das ist extrem hilfreich“, erläutert Erenay. Er versuche stets auf Augenhöhe und im Bewegungsfluss der Kämpfer zu bleiben, um alles im Blick zu haben. Diese Erfahrung und gute Kampfleitung bescherten ihm schon den ein oder anderen großen Kampf.

Außerdem leitete er Kämpfe von Box-Größen wie dem ehemaligen deutschen WBO-Weltmeister Marco Huck, Ex-Weltmeisterin Susi Kentikian oder dem Amerikaner Kevin Johnson, der sogar schon gegen Vitali Klitschko kämpfte – um nur einige Namen zu nennen. Zudem war er 2019 bei der WBO-Europameisterschaft in Montenegro im Einsatz. Dort leitete er den Titelkampf des Deutschen Jama Saidi. 2020 stand der Solinger außerdem bei drei Kämpfen des viel beachteten Sat-1-Promi-Boxens im Fokus.

Das sind nur ein paar von vielen besonderen Momenten in der nun schon seit über einem Jahrzehnt andauernden Ringrichter-Karriere. Mit großer Sicherheit werden einige weitere dazukommen. Erenay hat allerdings noch ein ganz besonderes Ziel vor Augen: „Ich möchte einmal einen Kampf in Las Vegas leiten“, schwärmt der Solinger. Gewiss kein unrealistischer Traum. Erenay, der 2013 von der WBU zum Ringrichter des Jahres ernannt wurde, hat sich in der Box-Welt bereits einen Namen gemacht – und ans Aufhören denkt er ohnehin lange noch nicht. „Ich bin jetzt 47 Jahre alt. Bis ich 67 bin, darf ich theoretisch noch Kämpfe leiten und wenn es meine Zeit zulässt, werde ich das auch machen“, gibt sich Erenay euphorisch. Boxen sei für ihn schließlich Leidenschaft.

Doch damit nicht genug, der Box-Experte möchte nicht nur seine eigene nebenberufliche Laufbahn als Referee vorantreiben, er möchte sein Wissen auch weitergeben. „Ich will dabei helfen, dem Boxsport in Solingen wieder eine Plattform zu geben“, sagt Erenay. Deshalb möchte er sein eigenes Studio eröffnen. Aktuell habe er sogar schon zwei Objekte ins Auge gefasst. Dort wolle er zum einen junge Talente fördern und Alt-Herren-Boxen anbieten. Des Weiteren möchte er dort Leute in realistischer Selbstverteidigung schulen. Denn Erenay besitzt nicht nur den Meisterbrief in Karate, seit 2015 ist er auch Ausbilder für Eingriffstechniken beim kommunalen Ordnungsamt in Tönisvorst bei Krefeld.

Hintergrund

International: Mustafa Erenay war bereits für die Weltverbände WBO (World Boxing Organization), WBC (World Boxing Council) und die WBA (World Boxing Association) im Ring und leitete zahlreiche Titelkämpfe.

National: Der Deutsche Boxsport-Verband von 2003 verfügt über rund 80 000 Mitglieder in 900 Vereinen. Der Sitz des Verbandes ist Kassel.

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