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Es geht schnell zur Sache – und immer wohltuend fair

Auf der vereinseigenen Anlage an der Eifelstraße verfügt der Merscheider Turnverein über exzellente Sportmöglichkeiten – auch beim Roundnet mit Celine Derikartz. Fotos: Christian Beier
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Auf der vereinseigenen Anlage an der Eifelstraße verfügt der Merscheider Turnverein über exzellente Sportmöglichkeiten – auch beim Roundnet mit Celine Derikartz.

ST-Mitarbeiterin folgt der Einladung des Merscheider TV und versucht sich im Roundnet.

Von Celine Derikartz

„Den Ball am besten mit dem vorderen Bereich der Handinnenfläche schlagen, das ermöglicht mehr Kontrolle“, rät mir Michael Friedrichs. Stimmt, das klappt gleich viel besser. Mit dem Handballen war der Streufaktor doch recht hoch. Roundnet oder Spikeball ist eine recht junge Trend-Sportart aus den USA, die sich aber mittlerweile auch in Deutschland wachsender Beliebtheit erfreut. Grund genug, um das schnelle und dynamische Ballspiel zu testen und ein Probetraining beim Merscheider TV zu bestreiten.

Auch ohne Stollenschuhe war unser jüngstes „Mitgemacht!“ von großem Einsatz und viel Spaß geprägt.

Unter der Anleitung von Trainer und Gründer der Abteilung, Michael Friedrichs, ist erst einmal lockeres Einspielen angesagt, um ein Gefühl für den Spielball zu bekommen. Dieser ist leuchtend gelb, aus einem weichen Gummi und darf mit jedem Körperteil gespielt werden – meistens natürlich mit den Händen. Wie immer hat die Sache auch einen Haken: Der Ball darf nicht gefangen, sondern muss stets direkt mit dem ersten Kontakt gespielt werden. Also erst mal gegenüber aufstellen und das Spielgerät locker hin und her pritschen, so dass der Ball im Spiel bleibt. Nachdem ich mich an das Spielgerät gewöhnen konnte, geht es dann ans Eingemachte, beziehungsweise an das, was den Sport ausmacht: Ein kleines Trampolin, das mit einem elastischen Netz bespannt ist.

Auf dieses Netz muss der Ball geschlagen werden, die Richtung ist dabei egal. Vier Spieler können ein einzelnes Netz bespielen – 2 gegen 2, auch in gemischten Teams. Die Regeln ähneln denen im Volleyball, nur dass es beim Roundnet keine Spielfeldbegrenzungen gibt und kein Netz das Feld in zwei Hälften teilt. Wie der Name verrät, handelt es sich um ein 360-Grad-Spiel. Jeder Spieler darf sich rund um das Trampolin absolut frei bewegen. Ziel ist es, als Zweier-Team den Ball nach maximal drei Kontakten so auf das Netz zu befördern, dass das gegnerische Team nicht mehr an den Ball kommt.

Innerhalb eines Teams wird abwechselnd geschlagen, da ein Spieler den Ball nicht zweimal direkt nacheinander berühren darf. Trotz der Tatsache, dass in Teams gegeneinander gespielt wird, stehen Gemeinschaftsgefühl und Fairness beim Roundnet an erster Stelle. So darf das gegnerische Team in seinen Laufwegen und Spielzügen nicht behindert werden. Kurios: Es gibt keinen Schiedsrichter, der auf die Einhaltung der Regeln achtet. Noch kurioser: Es funktioniert. „Es wird kaum diskutiert, der Sport selbst und das faire Miteinander stehen im Mittelpunkt. Auch bei richtigen Spielen und Turnieren einigt man sich immer ohne Schiedsrichter“, erläutert Friedrichs begeistert.

„Einfach mitzocken!“
Michael Friedrichs zur Devise

Ich bin wirklich verblüfft und fasziniert, da könnten sich einige Sportarten doch mal eine Scheibe abschneiden. Auf alle Fälle herrscht eine sehr angenehme und entspannte Atmosphäre, die ansteckend ist. Das geht offenbar nicht nur mir so: Nach und nach trudeln immer mehr Spielerinnen und Spieler ein, die Netze füllen sich. Man kann jederzeit dazustoßen und mitmachen. Oder wie Michael Friedrichs es formuliert: „Einfach mitzocken!“ Das Spiel ist schnell aufgebaut. Im Eifer des Gefechts wird dann oft so lange gespielt, bis die Dunkelheit hereinbricht.

Derzeit gibt es deutschlandweit etwa 50 Teams, die in einer Netball-Liga starten. Für diesen Ligabetrieb hofft auch der MTV zukünftig einen Startplatz zu ergattern. Dabei wurde die Abteilung erst im Mai 2020 von Michael Friedrichs gegründet. Entsprechend stolz ist er über deren schnelles Wachstum. Gespielt hat Friedrichs Netball schon früher, unter anderem beim Wuppertaler Unisport, nun möchte er auch in Solingen die Begeisterung für diesen Sport wecken. Davon, dass er bei diesem Unterfangen sehr erfolgreich ist, kann ich mich auch gleich selbst überzeugen. Ich habe gar nicht gemerkt, wie die Zeit vergeht. Kein Wunder: Man findet sich schnell im Spiel zurecht, da die Regeln recht einfach gehalten sind. Es geht schließlich darum, den kleinen gelben Ball irgendwie im Spiel zu halten und den Gegner dabei geschickt auszuspielen.

Der persönlichen Schlagtechnik sind an Kreativität keine Grenzen gesetzt: Nach und nach stellt sich ein Gefühl dafür ein, wie sich der Ball auf dem Netz bewegt, in welchem Winkel und in welcher Stärke er gespielt werden muss. Mal reicht ein leichter Kontakt aus, um den Gegner ans Netz zu zwingen. Mal ist ein fester Schlag nötig, damit der Ball möglichst weit wegspringt und für den Gegner schwer zu erreichen. Strategie und Taktik sind daher ebenso wichtig wie Schnelligkeit – im Kopf und auf den Beinen. Man kann es sich nicht leisten, stehen zu bleiben. Mitunter bedeutet das auch spektakuläre Sprünge und Schläge, um den Ball noch zu erreichen, sowie schnelle Drehungen und Richtungswechsel. Da hätte ich doch mal besser ein Paar Stollenschuhe eingepackt. Die tragen nämlich viele der anderen Spielerinnen und Spieler, wie mir irgendwann auffällt. Insgesamt hatte ich viel Spaß und konnte eine der letzten Trainingseinheiten im Freien mitmachen. Über den Winter geht es in die Halle, auch da heißt es dann: Einfach zocken! Kontakt: www.merscheider-tv.de; Mail: info@merscheider-tv.de

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