Türchen 3

Adventskalender: Gehring verfolgt alles, aber keine geringen Ansprüche

Die Nummer 3 hat Noah Gehring in Anlehnung an Daniel Rennich getragen.
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Die Nummer 3 hat Noah Gehring in Anlehnung an Daniel Rennich getragen.

Türchen Nummer 3 im Adventskalender des ST-Sports: diesmal mit einem bisherigen Paladins-Footballer.

Von Fabian Herzog

Weisheiten von Großeltern gelten durchaus als berüchtigt. Im Fall von Noah Gehring war es aber verdammt schlau, was sein Opa ihm vor einigen Jahren mit auf den Weg gegeben hat. „Geh doch mal zum Footballtraining der Paladins“ lautete der Rat an den Enkel, der diesen in die Tat umsetzte und eine neuen (Sport-)Liebe für sich entdeckte. Beim Football-Zweitligisten nahm der 20-Jährige schon im Nachwuchsbereich eine klasse Entwicklung, gehörte in den vergangenen beiden Saisons auch zu den Leistungsträgern des Senioren-Teams und visiert nun den nächsten Schritt an. Gehring wird die Paladins verlassen und versuchen, es in die European League of Football (ELF) zu schaffen. „Das ist mein Traum“, sagt der Solinger.

Damit eifert er einem Spieler nach, den er schon zu Jugendzeiten bewundert und dessen Nummer er in der zurückliegenden Saison getragen hat. „Daniel Rennich war bei den Paladins ein Playmaker. Einer, auf den immer Verlass war“, sagt Gehring über den früheren Publikumsliebling, der ebenfalls aus dem eigenen Nachwuchs hervorgegangen war und in der Jahnkampfbahn mit der Nummer 3 auf dem Rücken für Furore gesorgt hat. „Genau das war eben auch mein Ziel“, erklärt der schlaksige Wide-Receiver.

Emotionen gehören zu Noah Gehrings Spiel dazu. Mit den Paladins wird er aber vorerst nicht mehr in die Jahnkampfbahn stürmen.

In den zehn Partien der 2022er-Spielzeit landeten 33 Pässe bei Gehring, die er für 565 Yards Raumgewinn und drei Touchdowns nutzte. Vergleicht man diese Werte mit seiner ersten Saison, als er in verletzungsbedingt nur sieben Partien vier Touchdowns erzielte (bei 20 angenommen Pässen und 351 Yards), verwundert es nicht, dass von Zufriedenheit beim ehrgeizigen Footballer keine Spur erkennbar ist. „Für uns alle war es ein enttäuschendes Jahr“, verdeutlicht Gehring, der den in letzter Sekunde realisierten Klassenerhalt überhaupt nicht feiern konnte. „Klar bin ich froh, dass wir nicht abgestiegen sind. Aber unsere Ansprüche waren ganz andere.“

Seine eigenen ganz besonders. Auch die sind wahrlich nicht gering. Aktuell setzt Noah Gehring alles auf die Karte Football, legt täglich den Fokus auf seinen großen Traum. Sei es beim Training im Fitnessstudio oder auf dem Platz, beim Anschauungsunterricht per Video oder auch am heimischen Herd. „Weil ich immer so ein schmaler, schmächtiger Typ war und zunehmen will, habe ich irgendwann mit dem Kochen angefangen.“ Und das durchaus erfolgreich. „Meine Freundin, mit der ich jetzt nach Wuppertal gezogen bin, hat sich jedenfalls noch nie beschwert.“

Türchen 3

Zu Gehrings Alltag gehört derzeit auch ein Betreuungsjob an der Albert-Schweitzer-Realschule, wo er einen zehnjährigen Jungen mit Autismus durch den Alltag begleitet. Ab dem Nachmittag dreht sich aber wieder alles um seine sportliche Karriere, der er alles unterordnet. Am vergangenen Wochenende nahm der Solinger, der in Wald und Gräfrath aufgewachsen ist, am Auswahl-Probetraining bei den Cologne Centurions teil, am 10. Dezember folgt das bei Düsseldorf Rhein Fire. „In Köln lief es schon ganz gut“, berichtet Gehring, der zuvor sogar schon bei einem ELF-Tryout, wie die Sichtungen genannt werden, in Mailand sein Können unter Beweis gestellt hat. Den 40-Yard-Sprint meisterte er dort in 4,57 Sekunden. „Die Receiver in der NFL laufen eine 4,3 oder 4,4“, ordnet er die Zeit selbst als „schon gut“ ein. „Die haben schließlich ein ganz anderes Training.“

Bei allen Ambitionen, es einmal soweit wie möglich als Footballer zu bringen, fiel der Entschluss, die Paladins zu verlassen, mit einem lachenden und einem weinenden Auge. Schließlich ist Gehring mit den Paladins eng verbunden. Seine Eltern Thorsten und Nicola bringen sich seit Jahren in unterschiedlichen Formen ein, Letztgenannte zuletzt sogar im Vorstand. Auch seine Geschwister haben im Nachwuchsbereich gespielt, wie sein Bruder Phillip (19), oder spielen immer noch, wie Schwester Leni (11) in der U13. „Die Paladins zu verlassen“, sagt Noah Gehring, „war eine harte und schwierige Entscheidung.“ Aber eine, die viele nachvollziehen können dürften. Sein Opa eingeschlossen.

Serie

Bis Heiligabend stellen wir in unserem ST–Sport-Adventskalender Sportlerinnen und Sportler vor, die die entsprechende(n) Zahl(en) tragen. Bislang waren dies Wasserball-Torhüter Dominik Millard (SGW) und Handballerin Annalena Welsch (BHC). Am Montag geht´s mit einer Eishockeyspielerin weiter.

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