Sport

Fußball-Clubs nutzen das neue Training

Fußball-Training der E-Junioren beim SV Eintracht unter Leitung von Giuseppe Dibartolo – an der Zietenstraße wird vieles in kleinen Gruppen abgewickelt. Foto: Christian Beier
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Fußball-Training der E-Junioren beim SV Eintracht unter Leitung von Giuseppe Dibartolo – an der Zietenstraße wird vieles in kleinen Gruppen abgewickelt.

Die neuen Corona-Vorgaben haben auch Auswirkungen auf den Sport

Solingen. Es war kürzlich im Sportausschuss nur der Nebensatz einer Aussage von Kirsten Olsen-Buchkremer. Die Geschäftsführerin der Bädergesellschaft teilte mit, dass die U15- bis U19-Handballer des Bergischen HC nicht mehr trainieren dürften – eine Konsequenz des Bundesinfektionsschutzgesetzes. Dies zielt bei einem Inzidenzwert von über 100 nicht mehr auf den Standort als Bundes- oder Landesstützpunkt oder wie im Falle des BHC auf das für Nachwuchs-Leistungszentren stehende deutsche Jugend-Zertifikat ab, sondern auf die Personen, die ihrem Sport nachgehen. Und hierbei ist eine Kaderzugehörigkeit das wegweisende Kriterium.

Was kann nach der „Bundes-Notbremse“ im Sport der Klingenstadt überhaupt noch über die Bühne gehen?

Profi-Teams: Allen voran zählen hier die beiden führenden Handballvereine zu, die in ihrem geregelten Spielbetrieb schon dem Saisonende entgegenstreben – die Bundesliga-Männer der Löwen und die Zweitliga-Frauen des HSV Gräfrath. Aber auch die Bundesliga-Baseballer der Alligators wurden als Profis eingestuft, ebenso die Zweitliga-Footballer der Paladins. Und Triathletin Saskia Käs darf ihren Status mit einer Sonderrolle im Klingenbad genießen.

Kadersportler: Da der Badminton-Stützpunkt als Nachwuchsleistungszentrum mit dem STC Blau-Weiß und der NRW-Sportschule derzeit nicht relevant ist, erfolgt die Berechtigung zum Training über die persönliche Kaderzugehörigkeit. Die Brüder Kevin und Justin Dang sowie Rafe Braach können sich somit auf hohem Niveau auf die Europameisterschaft vorbereiten. Das gleiche Prinzip wird beim Fechtzentrum umgesetzt. Zudem wird Training im Bereich des Wassersports praktiziert – machbar durch eben jene notwendigen Kaderzugehörigkeiten, die auch generell im Handball greifen. Tennis und Leichtathletik können als Individualsport ausgeübt werden.

„Ein Jahr der Katastrophe für den gesamten Sport.“

Christoph Rath, Jugendkoordinator des Bergischen HC

Fußball: Die neuen Corona-Vorgaben haben diese Sportart hart getroffen, da nur noch fünf Kinder im Alter von bis zu 13 Jahren mit einem Leiter trainieren dürfen. Dies war zuvor schon mit zehn, teilweise auf Basis der NRW-Verordnung mit 20 Personen möglich gewesen. „Die Öffnung für den Kinder- und Jugendbereich war sehr wichtig, daher war es positiv, dass die Erlaubnis für Gruppensport von Jugendlichen danach nicht gänzlich wieder weggefallen ist, sondern nur in Bezug auf die Gruppengröße eingeschränkt wurde“, untermauert Gregor Wehning den städtischen Kurs, möglichst viel in Sachen Sport machbar zu machen. Der Abteilungsleiter Sportförderung im Stadtdienst Sport und Freizeit spricht von einer guten Resonanz und strikt voneinander getrennten Fünfer-Gruppen, die voneinander Abstand halten und sich während des Trainings nicht miteinander vermischen. „Bei der Anleitungsperson ist die Notwendigkeit weggefallen, sich einem Test zu unterziehen“, informiert Wehning.

Die Resonanz auf Fußballtraining sei groß, was der SV Eintracht bestätigt. „Wir haben enormen Zulauf und sind sogar an Wochenenden an der Zietenstraße aktiv“, schildert Udo Römer. Der erfreuliche Trend hat direkte Auswirkungen auf den zukünftigen Spielbetrieb. So können E- und F-Junioren doppelt als Jahrgangsmannschaften angemeldet werden. „Die Kids sind mit großem Eifer dabei, auch wenn das abschließende Trainingsspiel noch entfallen muss“, verweist Römer für die Jugendabteilung der Gelb-Schwarzen auf die strenge Umsetzung der Schutzmaßnahmen, die unter anderem den Verzicht auf Umkleidekabinen enthalten.

Solingen: Höhscheider Fußballer verzichten aus Solidarität aufs Training

Maßgeblich für den Aufwind ist bei der Eintracht auch die optimale Besetzung durch Trainer, wodurch mehrere Fünfer-Trainingsgruppen realisiert werden können. Dieses wird quer durch die in der Nachwuchsarbeit führenden Solinger Vereine so gehandhabt. Eine Pause legte hingegen der Sportring 1880/2019 ein. „Für unsere Trainer gestaltete sich der Aufwand mit dem erforderlichen Negativ-Test als zu groß. Jetzt, wo wir wissen, dass er nicht mehr notwendig ist, werden wir wieder Training anbieten“, erklärt Georg Schubert für den Club von der Neuenkamper Straße. In der kommenden Woche soll dies geschehen.

In Höhscheid wollte man mit dem Verzicht auch ein Zeichen für Solidarität zu den über 13-Jährigen setzen, die definitiv nicht auf den gerade erst sanierten Kunstrasen dürfen. Ihnen werden nunmehr alternative Aktivitäten angeboten. Der Sportring ist auch ein Beispiel dafür, wie schwer die Pandemie getroffen hat. „Unsere Bambini-Ebene ist weggebrochen“, sagt Schubert und geht davon aus, dass die Eltern ihre Kinder das im Sinne der Bewegung machen lassen, was erlaubt ist. Die Hoffnung, die Basis alsbald zu erneuern, ist aber groß.

Handball: Zuversicht strahlt auch Gregor Wehning mit Blick auf eine Öffnungsperspektive durch einen Inzidenzwert konstant unter 100 sowie intensives Testen und Impfen aus. Erst einmal herrscht beim Bergischen HC, von der Schwerpunktänderung negativ berührt, aber Frust. „Das ist emotional extrem schwierig“, schildert Christoph Rath. Im April hatte man die Erlaubnis zum Training der männlichen U15 bis U19 als zertifiziertes Nachwuchsleistungszentrum erlangt, dies mit höchsten Schutzvorgaben gut hinbekommen. „Als wir vom Training her gerade angekommen waren, an Handball zu denken, war es schon wieder vorüber“, sagt der Jugendkoordinator.

Coach Jens Sieberger Ende 2020 bei der BHC-A-Jugend gegen Melsungen – auch das Bundesliga-Team darf nicht trainieren.

Dieser steht in konstruktivem Kontakt zur Stadt. wo man den jüngsten Vorstoß für Stützpunkt-Sport durch die Sportministerkonferenz zusätzlich absegnen lassen möchte. Rath zeigt dafür Verständnis, wenngleich es für seinen Nachwuchs, von dem acht Kader-Jungs des Jahrgangs 2005 verantwortungsvoll trainieren, um viel geht: Die Teilnahme am DHB-Pokal (A-Jugend) ist abgesagt, Bemühungen gelten der B-Jugend-DM. „Ein Jahr der Katastrophe für den gesamten Sport“, so Christoph Rath, sei es ohnehin schon.

Eintracht

Camp: Am 3. Juni ist, soweit es die dann gültigen Corona-Verordnungen zulassen, die Stanno-Fußballschule an der Zietenstraße zu Gast. Zum Programm gehört eine „Olympiade“ mit verschiedenen Disziplinen und Stationen. Was es kostet, was man dafür erhält und viel Wissenswertes mehr gibt es über die Homepage der Schule um Dirk Stöber: stanno-fussballschule.com.

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