Interview

Für die Arena würden die Baseballer umziehen

Markus Meyer und sein Vorstandsteam sind seit knapp einem Jahr dabei, die Solingen Alligators neu aufzubauen.
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Markus Meyer und sein Vorstandsteam sind seit knapp einem Jahr dabei, die Solingen Alligators neu aufzubauen.

Alligators-Chef Markus Meyer spricht über die Perspektive seines Clubs – sportlich und strukturell.

Von Thomas Rademacher

Herr Meyer, in der ersten Saison unter Ihnen als neuem Vorsitzenden sind die Solingen Alligators mit 25 Siegen und einer Niederlage von der NRW-Liga in die 2. Baseball-Bundesliga aufgestiegen. War es so entspannt, wie es klingt?

Markus Meyer: Davon kann leider keine Rede sein – was aber weniger mit dem Sportlichen zu tun hat. Ich bin froh, dass wir aufgestiegen sind, und die Leistung der Mannschaft war natürlich sehr zufriedenstellend. Was aber in diesem Jahr in der NRW-Liga passiert ist, war eine Zumutung. Immer wieder haben Gegner abgesagt, und das hatte nur selten etwas mit Corona zu tun. Einige Vereine sind viel zu locker mit dem Spielplan umgegangen. Zwischendurch hat mich das fassungslos gemacht.

Es gipfelte dann darin, dass sogar das Saisonfinale gegen die Bonn Capitals III ausgefallen ist.

Meyer: Das war wirklich eine Unverschämtheit seitens der Bonner, die sich den Spiel-Termin übrigens gewünscht hatten. Wir hatten für ein großes Grillfest eingekauft, Werbung für das Match gemacht, und dann hat die erste Mannschaft der Bonner gleichzeitig um die Deutsche Meisterschaft gespielt. Als dies feststand, hat die Dritte am Abend vor der Partie kurzfristig abgesagt. Wir haben uns trotzdem einen schönen Nachmittag am Platz gemacht, aber das war das i-Tüpfelchen, dass das Fass zum Überlaufen gebracht hat. Wir sind froh, aus dieser Liga raus zu sein und nun in der Zweitklassigkeit wieder etwas mehr Struktur in den Spielbetrieb zu bekommen.

Werden Sie den Kader für die 2. Liga verstärken?

Meyer: Wir sind noch in der Findungsphase. Interessant ist, dass wir viele Anfragen von Spielern haben, die sich über unseren Aufstieg freuen und gerne dabei sein würden. Es wäre sicher falsch, den Aufstiegskader fallen zu lassen und mit einem neu formierten Team in die Saison zu gehen. Wichtig ist uns, dass die Stimmung im Verein gut ist – die könnte man mit zu drastischen Veränderungen auch kaputt machen. Trotzdem müssen wir auch sehen, dass in der 2. Liga die Bälle schneller fliegen und wir die eine oder andere Verstärkung gebrauchen könnten. Wir lassen das Ganze jetzt erst einmal sacken.

Halten Sie es für realistisch, schon in der kommenden Saison wieder in die 1. Bundesliga aufzusteigen?

Meyer: De facto können wir das aktuell gar nicht. Die Lizenzkriterien sehen vor, dass man zwei Plätze oder Flutlicht benötigt. Beides haben wir nicht, und ich möchte nicht jedes Jahr mit einer Ausnahmegenehmigung spielen und auf die Gnade der Bundesliga angewiesen sein. Wir haben derzeit auch wichtigere Aufgaben.

Die da wären?

Meyer: Wir sind dabei, unsere Nachwuchsabteilung zu vergrößern. Das ist uns in diesem Jahr schon gelungen, so dass wir in der kommenden Saison mit einem Schüler- und einem Jugendteam antreten werden. Aber uns fehlen weiterhin Jugendliche zwischen 14 und 18 Jahren. Den jüngsten Nachwuchs bekommen wir über die Schulliga, bei der wir uns nun verstärkt auf die 1. und 2. Klasse fokussieren. Aber die Älteren werden wir vermutlich erst im Laufe der Zeit durch den Zugang bei den Jüngsten wieder bekommen. Das ist also eher ein langfristiges Thema.

Das Fernziel bleibt aber der Wiederaufstieg ins Oberhaus?

Meyer: Natürlich. Das ist ja auch ein historischer Anspruch der Alligators. Aber ich möchte die Mannschaft, die das schafft, aus dem eigenen Nachwuchs rekrutieren. Es bringt nichts, jedes Jahr mit vielen Importspielern aufzustocken, um irgendwie den Spielbetrieb in der Bundesliga aufrecht zu erhalten. Sie müssen das Salz in der Suppe sein.

Ein paar Jahre werden demnach wohl noch vergehen, bis die Mannschaft den Sprung schaffen wird. Sind bis dahin denn die Fragen bezüglich der Lizenzkriterien beantwortet?

Meyer: Das hoffe ich doch. Am Weyersberg sollen Millionen für eine Arena ausgegeben werden. Dann wollen die Alligators ihre Fragen natürlich auch positiv beantwortet haben. Ich halte es alleine wegen der Anwohner für schwierig, Flutlicht bei uns zu installieren. Realistischer ist es, an anderer Stelle eine erstligataugliche Anlage zu errichten. Das halte ich für die beste Lösung. Von daher werden sich die Alligators gewiss nicht gegen eine Arena sperren, sondern im Gegenteil sogar mithelfen, wenn wir umziehen können.

Inwiefern hat der Baseballplatz am Weyersberg Bezug zur geplanten Multifunktionsarena?

Meyer: Wir müssen von dem Gedanken weg, dort in Parkplatznähe die Arena zu bauen, und das war es dann. Wenn wir so etwas in Solingen machen, dann doch bitte richtig. Ein Sport- und Bewegungszentrum fände ich super. Das wäre auch ein bergisches Alleinstellungsmerkmal. Also mit Handball, Seniorensport, Fitness, Bowling und am besten sogar einer Eishalle. Mit einem solchen Konzept könnte man zig Fördertöpfe öffnen – gerade, wenn man für Senioren etwas in Angriff nimmt. Je länger ich über das Thema nachdenke, desto mehr bin ich überzeugt, dass man das Thema groß denken muss und auch unsere Baseballanlage benötigt wird, um Parkraum und Zuwegung zu bekommen.

Markus H. L. Meyer

Alligators: Der Solinger war bereits in den 2000er-Jahren Vorsitzender der Solingen Alligators. Unter ihm gewann der Verein 2006 zum ersten Mal die Deutsche Meisterschaft. 2007 gab er den Vorsitz ab, übernahm diesen aber Ende 2021 wieder – als der Baseball-Club kurz vor der Auflösung stand.

Beruf: Markus Meyer war lange Zeit im Sportausschuss, ist nach wie vor in beratender Funktion zum Beispiel in Arbeitskreisen tätig und Mitglied der CDU. Angestellt arbeitet der 51-Jährige bei Bayer in der Pharmaforschung und betreibt selbstständig eine Agentur für Promotion, Werbung und Events.

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