Leichtathletik

Fünf Gründe, warum Laufen gut tut

Die Korkenziehertrasse in Solingen nutzt Inga Hundeborn gerne für ihre Trainingsläufe. Am liebsten natürlich, wenn das Wetter auch mitspielt. Foto: Manuel Quirl
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Die Korkenziehertrasse in Solingen nutzt Inga Hundeborn gerne für ihre Trainingsläufe. Am liebsten natürlich, wenn das Wetter auch mitspielt.

Inga Hundeborn ist nicht nur eine klasse Läuferin, sie kennt sich auch als Medizinerin bestens aus

Von Inga Hundeborn

Jeder von uns kennt diese Tage, an denen wir einfach müde sind. Müde von der Arbeit, müde vom Lernen, müde vom Lockdown. Oft kostet es genau dann extrem viel Kraft aufzustehen, die Laufschuhe zu schnüren und eine Runde laufen zu gehen. Warum es sich sowohl kurz- als auch langfristig aber lohnt, diese Kraft aufzuwenden und den inneren Schweinehund zu besiegen, möchte ich in fünf Punkten „beweisen“.

1. Laufen wirkt stimmungsaufhellend

Es gibt zahlreiche Theorien dazu, wie Sport und speziell Laufen die Stimmung aufhellen und Stress reduzieren sollen. Die genauen Wirkmechanismen dazu sind heute jedoch noch nicht vollständig untersucht. Ein relevanter Faktor ist die Ausschüttung von Botenstoffen wie Endocannabinoiden, Serotonin und Noradrenalin. Diese Stoffe, die unter anderem im Gehirn freigesetzt werden und im Volksmund auch als Glückshormone bezeichnet werden, heben die Stimmung, geben Energie und wirken Stimmungstiefs entgegen. Zudem wird davon ausgegangen, dass regelmäßiges Training nicht nur kurzfristige Erfolge bringt, sondern den Hormonhaushalt des Körpers nachhaltig so moduliert, dass mehr Botenstoffe aufgenommen werden können beziehungsweise der Abbau dieser Stoffe verzögert abläuft.

Inga Hundeborn weiß aus eigener Erfahrung, wie gut es tut, sich an der frischen Luft zu bewegen.

Laufen hat damit also ähnliche Effekte wie die medikamentöse Therapie bei Depressionen und wird daher auch in der aktuellen nationalen Versorgungsleitlinie bei Depressionen empfohlen. Neben der gesteigerten Freisetzung von Botenstoffen sollen Stresshormone wie Cortisol vermindert freigesetzt werden. Damit hat Laufen nicht nur eine stimmungsaufhellende, sondern auch eine stressabbauende, also doppelt positive Wirkung. Interessant hierbei ist, dass die genannten Effekte von Ausdauertraining bei Menschen mit Depressionen noch stärker ausgeprägt sind als bei Menschen ohne Depressionen.

2. Laufen stärkt das Selbstwertgefühl

Ein weiterer Pluspunkt von Lauftraining ist die Stärkung des Wohlbefindens in unserem eigenen Körper. Diesem Effekt liegt zum Teil wieder die Ausschüttung von Botenstoffen zugrunde. Besonders die beim „Läuferhoch“, also dem bei Ausdauersportarten auftretendes Hochgefühl, eine wichtige Rolle spielenden Endocannabinoide sollen dabei von entscheidender Bedeutung sein. Außerdem stärkt man durch regelmäßiges körperliches Training sein Körpergefühl und -bewusstsein.

Ein weiterer Punkt ist, dass man beim Laufen schnell Erfolge verzeichnen kann. Sei es eine neu entdeckte Strecke, eine nie zuvor gelaufene Streckenlänge oder eine Bestzeit. Beim Laufen können wir Abenteuer erleben und über uns hinauswachsen. Wir lernen unsere eigenen Grenzen kennen und überwinden diese. Die Erfahrungen, die wir mit unseren Grenzen im Sport machen, helfen uns auch, Hürden im Alltag zu meistern.

3. Laufen steigert unsere kognitive Leistungsfähigkeit

„Gehirnjogging“ bekommt eine ganz neue Bedeutung. Denn Laufen stärkt nicht nur unseren Bewegungsapparat und hat positive Effekte auf unsere Psyche – es sorgt auch dafür, dass unsere geistige Leistungsfähigkeit zunimmt. Eine kurzfristige Steigerung der kognitiven Funktionen kann dabei durch die beim Sport gesteigerte Blutzirkulation und damit das erhöhte Sauerstoffangebot im Gehirn erklärt werden. Außerdem können sich Hirnareale, wie der supplementär motorische Kortex (SMA), welcher unter anderem für die Planung und Auswahl von erlernten Bewegungen wie auch das Sprechen zuständig ist, und der Hippocampus, ein Organ unseres Emotionsverarbeitungs- und Gedächtnissystems, durch regelmäßiges Training sogar vergrößern.

Neben diesen Wachstumsprozessen finden durch körperliches Training auch Umbauarbeiten wie Neuverschaltungen von Synapsen im Gehirn statt, sodass sich dieses immer wieder leicht verformt. Diese neuronale Plastizität hat kreativitätssteigernde und persönlichkeitsstärkende Effekte. So trainiert Laufen nebenher die kognitive Leistungsfähigkeit und sorgt dafür, dass das Hirn nie auslernt.

4. Laufen sorgt für einen besseren Schlaf

Laufen kann nicht nur für einen erholsameren Schlaf sorgen, sondern auch bei Ein- und Durchschlafproblemen helfen. Ein Grund dafür soll der gesteigerte Abbau von Stresshormonen wie Cortisol sein. Allerdings ist Sport treiben nicht immer mit gutem Schlaf gleichzusetzen, denn „Timing“ ist hier alles. Die Eidgenössische Technische Hochschule Zürich veröffentlichte 2019 im „Sports Medicine“ eine Meta-Analyse mit dem Ergebnis: „Wer weniger als eine Stunde vorm Zubettgehen intensiv trainiert, läuft tatsächlich Gefahr, länger fürs Einschlafen zu brauchen und weniger Schlaf zu bekommen.“ Dabei gilt je anstrengender die Trainingseinheit, desto mehr Erholung und Ruhe braucht der Körper vor dem Einschlafen.

Dem liegen mehrere Faktoren zugrunde. Eine Rolle spielt sicherlich die Körpertemperatur, die bei einer anstrengenden Trainingseinheit schonmal von 36 auf 39 Grad ansteigen kann und so das Einschlafen stört. Auch die schon mehrfach angesprochene Ausschüttung von Botenstoffen kann das Einschlafen stören, denn Stoffe, die die Stimmung heben und vielleicht sogar ein „Läuferhoch“ auslösen, können nicht gleichzeitig müde machen. Am besten ist es also, wenn man zwischen Trainingseinheit und dem Schlaf ein wenig Zeit vergehen lässt – zwei bis drei Stunden sind optimal. Wichtig ist außerdem, nicht zu viel zu trainieren, denn ein Übertraining kann sich auch als Schlafstörungen äußern.

5. Laufen gleich Zeit für mich

Beim Laufen kann man auf der einen Seite die Seele baumeln lassen und sich so richtig schön den Kopf „frei“ laufen. Auf der anderen Seite kann man die Laufzeit aber auch nutzen, endlich mal nachzudenken und seine Gedanken im stressigen Alltag zu ordnen. Für einige von uns ist der Lauf oder das Workout die einzige Zeit am Tag, in der wir keine Verpflichtungen vor uns haben und keine Erwartungen erfüllen müssen. Diese Zeit gehört nur uns.

Dies bedeutet für mich aber nicht automatisch, immer alleine unterwegs zu sein. Ich verbringe die Zeit auch gerne mit meinen Lauffreunden, mit denen ich über alles sprechen, aber manchmal auch einfach wunderbar schweigen kann. Für mich ist Laufen so auch eine einfache Möglichkeit, neue Leute kennenzulernen. So können wir beim Laufen auch unser Bedürfnis nach sozialen Kontakten befriedigen.

Es gibt sicherlich noch viel mehr Gründe, warum Laufen zu deiner mentalen Gesundheit beiträgt. Fakt ist: Laufen macht glücklich und fördert auf allen Ebenen ein gesundes Leben.

Inga Hundeborn

Die über einen langen Zeitraum erfolgreiche Langstreckenläuferin des Solinger LC hat für ihr Medizinstudium – derzeit absolviert sie Teil eins ihres praktischen Jahres im Petruskrankenhaus in Wuppertal – Prioritäten gesetzt und Ambitionen samt Trainingsumfängen deutlich zurückgefahren. Die Deutsche U23-Meisterin im Halbmarathon und über 10 000 Meter aus 2016 ist 24 Jahre alt und Teil der „Asics-Frontrunner“.

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