Fußball

Euphorie beim TSV, Tristesse bei der Eintracht

Im Landesliga-Duell zwischen Absteiger Eintracht (l.) und Aufsteiger TSV Solingen (r.) wäre Letztgenannter inzwischen wohl Favorit. Ob es dazu überhaupt kommt, ist noch offen.
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Im Landesliga-Duell zwischen Absteiger Eintracht (l.) und Aufsteiger TSV Solingen (r.) wäre Letztgenannter inzwischen wohl Favorit. Ob es dazu überhaupt kommt, ist noch offen.

Im Solinger Frauenfußball ist derzeit viel Bewegung – neue Teams finden sich, alte verschwinden.

Von Moritz Jonas

Solingen. Vor der neun Saison gibt es im Solinger Frauenfußball viel Licht und Schatten. Neben ambitionierten Projekten wie beim TSV, Neugründungen beim BV Gräfrath und der Sportvereinigung herrscht andernorts der reine Kampf ums Überleben. So bei der Eintracht, die ehemalige Nummer eins der Stadt in Sachen Frauenfußball.

Bezeichnend für diese Entwicklung ist ein Testspiel in Vorbereitung auf die abgelaufene Saison. Damals traf Bezirksligist TSV auf die in der Niederrheinliga spielende Eintracht. Hier konnte sich der SVE noch knapp durchsetzen, aber TSV-Trainer René Langer kündigte schon damals an, dass es das Ziel sei, die Eintracht in den nächsten Jahren als Klassenprimus abzulösen. Dass dieser Machtwechsel nun so schnell vonstatten gehen würde, damit habe auch Langer nicht gerechnet. Denn neben dem Aufstieg in die Landesliga sicherte sich der TSV auch den Kreispokal. Dort wäre die Eintracht der Finalgegner gewesen, sie konnten aber aufgrund Personalmangels gar nicht erst antreten.

Während die Entwicklungskurve beim ehemals größten Konkurrenten klar nach unten zeigt, geht sie beim TSV in die entgegengesetzte Richtung. Nicht nur konnte der Kader der Aufstiegssaison zusammengehalten werden, er wurde sogar punktuell noch verstärkt. Annika Heinrich kommt von der Eintracht. Mit Lena Rupp, Zoé Zensen und Ece Öztürk kommen gleich drei Spielerinnen vom U17-Kreispokalsieger aus Gräfrath. „Das passt zu unserem Konzept, junge Spielerinnen entwickeln zu wollen“, erklärt Langer. Im Sturm wurde mit Veronika Reindl noch mal ordentlich an Abschlussstärke hinzugewonnen. Die Angreiferin kommt von der SSVg Haan. In der vorigen Saison erzielte Reindl 18 Tore in der Bezirksliga. Sie könnte die kongeniale Partnerin von 47-Tore-Stürmerin Alina Scheben werden. „Da ist uns ein echter Transfercoup gelungen“, freut sich Langer.

Trotzdem bleibt der Trainer vor der neuen Saison gelassen. Man wolle zwar mit der Einstellung in die Saison gehen, jedes Spiel zu gewinnen, der Aufstieg sei aber noch nicht das Ziel. Bevor es in neun Tagen in der Liga an den Start geht, wartet am Sonntag, 15.30 Uhr, in der ersten Runde des Niederrheinpokals Borussia Mönchengladbach auf die Aufderhöher. „Es ist schön, so einen qualitativ hochwertigen Gegner mit einem großen Namen zu haben.“ Der Fokus liege dennoch darauf, zum Ligastart fit zu sein, so Langer.

Ob die Eintracht diesen überhaupt noch erleben wird, bleibt abzuwarten. Denn die Mannschaft hängt aktuell am fußballerischen Tropf. Aus der Niederrheinliga stieg das Team mit zehn Punkten aus 30 Spielen sang- und klanglos ab. In den letzten Partien konnte überhaupt keine Mannschaft mehr gestellt werden, weshalb die Eintracht mit einem Punktabzug von drei Zählern in die Landesliga starten würde. Vorstandsmitglied Udo Römer versichert, dass man alles dafür tun werde, eine Mannschaft zu stellen. Im Niederrheinpokal wird der SVE aber schon mal nicht antreten, und auch die Reserve wurde nach dem Abstieg aus der Bezirksliga vom Spielbetrieb abgemeldet. Trotzdem gibt die Eintracht nicht auf: „Wir wollen den Unterbau im Mädchenfußball mit guten Jugendmannschaften wieder erstarken lassen“, meint Römer.

Ähnlich schwierig ist die Lage beim letzten verbliebenen Bezirksligisten SV Solingen: „Unser Kader ist es extrem angegriffen, da einige Spielerinnen aufgehört haben“, erklärt Michael Kettenbach, Trainer des SVS. Deshalb sei er auch händeringend auf der Suche nach neuen Spielerinnen – gerade auf der Position der Torhüterin. Das Ziel sei es dennoch, den Klassenerhalt in der Bezirksliga zu schaffen.

Es gibt aber durchaus auch hoffnungsvolle Projekte im Solinger Frauenfußball. Der BV Gräfrath schickt in dieser Saison ein Frauenteam an den Start. Im Mädchenfußball ist der BVG bereits sehr erfolgreich, was das Kreispokal-Triple im Mai bewies. „Der gute Unterbau hilft uns hoffentlich in der Zukunft“, sagt der Leiter für Frauen- und Mädchenfußball beim BVG, Andreas Schneider. Einige Spielerinnen der U17 bilden nun das Gerüst des neuen Teams. „Wir sind überall gut besetzt und wollen in der oberen Tabellenhälfte mitspielen. Mittelfristig soll auch der Aufstieg her“, so Schneider.

Ähnliche Ziele verfolgt auch Solingen-Wald mit seiner Mannschaft. Der Kader umfasst schon 24 Spielerinnen, die größtenteils von der Eintracht und vom 1. FC Solingen kamen. Auch einen Trainer gibt es bereits. Diesen möchte der Verein aber erst bei seiner Saisoneröffnung bekanntgeben, sagt der Vorsitzende des Vereins, Simon Brams, und ergänzt: „Das Projekt läuft sehr gut, wir haben auch schon eine U17. Wir wollen so schnell wie möglich hochkommen.“

1. FC Solingen

Aufgelöst hat sich das Frauenteam des 1.FC Solingen, das sich erst im Februar gegründet hatte. „Wir sind das Projekt falsch angegangen und gescheitert“, gesteht der 2. Vorsitzende des 1.FC, Frank Litke. In naher Zukunft wird es auch deshalb zunächst keine Frauenabteilung bei den Schabergern geben.

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