Leichtathletik

Endspurt im Studium statt beim Lauf

Der Spaß am Laufen ist bei Inga Hundeborn ungebrochen. Was ihr fehlt, ist die Zeit. Da geht das Berufliche eben vor. Foto: Andy Astfalck
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Der Spaß am Laufen ist bei Inga Hundeborn ungebrochen. Was ihr fehlt, ist die Zeit. Da geht das Berufliche eben vor.

SLC-Ass Inga Hundeborn setzt mittlerweile andere Prioritäten – weg vom Leistungssport. Der Entschluss fiel ihr keinesfalls leicht.

Von Daniel Bernards

Noch vor wenigen Tagen konnte man Inga Hundeborn live in Aktion sehen. Die in jüngerer Vergangenheit so erfolgreiche Langstreckenläuferin des Solinger Leichtathletikclubs führte als Hausaufgabe in der Corona-Zeit ein Cardio-Workout für das Bewegungsportal „Bergisch Bewegt“ durch, bei der deutlich wurde, dass sie von ihrer Fitness nichts verloren hat. Und dennoch: Als ambitionierte Wettkampf-Läuferin wird man die inzwischen in Düsseldorf lebende Medizinstudentin so schnell nicht mehr erleben – ihre Prioritäten haben sich verschoben. Die derzeitige Situation berührt sie daher vor allem als Studentin und angehende Medizinerin. Weniger als Sportlerin.

Das Lösen vom Wettkampfsport und von den Zielen großer Meisterschaften, so erzählt die 23-Jährige, sei allerdings weder „einfach“ noch „eine schnelle und spontane Entscheidung“ gewesen. „Ich habe sehr mit mir gekämpft und auch schwere Phasen gehabt, bis dieser Entschluss endgültig gewesen sei.“ Allerdings: „Am Ende war es die richtige Entscheidung.“

Schwieriger Spagat zwischen Studium und Wettkampfsport

Zu schwierig, im wahrsten Sinne des Wortes, erwies sich der Spagat zwischen anspruchsvollem Studium und Wettkampfsport, hinzu kam noch ein „Spaß machender Nebenjob“ bei einer Pflege- und Lebensgemeinschaft für Autisten in Wuppertal. Sie sei, so erzählt Hundeborn weiter, nicht die einzige in ihrem Läufer-Umfeld gewesen, die sich entscheiden musste: „Ich kenne einige, die in einer ähnlichen Situation waren und dann ebenfalls ihre Karriere beendet haben.“

Hundeborns letzter großer sportlicher Auftritt datiert aus dem Jahr 2018 – der Ausflug zu den Bergläufern bei der Europameisterschaft im mazedonischen Skopje. Für kurze Zeit hatte sie da noch mal Blut geleckt, schnell aber einsehen müssen: „Als Bergläuferin braucht man neben der Zeit auch das passende Trainingsgelände. Im flachen Düsseldorf? Schwierig!“ 2019 hörte Hundeborn sogar zwei bis drei Monate ganz mit dem Laufen auf.

Inzwischen laufe sie „mehr für sich und nur aus Spaß“. In Corona-Zeiten reduziere sich jedoch auch das: „Ich versuche tatsächlich, in meiner Freizeit ganz zu Hause zu bleiben, halte mich in der Wohnung durch Workouts und High-Intensity-Training (HIT) fit.“ Zumal sie als ganz kritische Medizinerin zu viele Menschen der Landeshauptstadt „noch in Gruppen“ rumlaufen sehe.

Vielmehr bereitet sich Inga Hundeborn inzwischen auf den Endspurt ihres Medizin-Studiums vor, zielstrebig und mit ehrgeizigen Plänen: „Wenn ich mit meiner Ausbildung fertig bin, sehe ich mich langfristig in der Allgemeinmedizin. Gerne mit eigener Praxis und auch in Solingen.“ Demnächst gehe sie ins letzte Semester, im Herbst winkt das erste Staatsexamen, danach das Praktische Jahr. Selbst die ersten Sätze ihrer Doktorarbeit wurden bereits geschrieben.

Anfragen von Kliniken aufgrund der angespannten Corona-Situation

Ihren Job in der Einrichtung in Wuppertal müsse sie aus Zeitgründen zwar bald aufgeben, dafür könnte sie demnächst woanders zum Einsatz kommen. „Aufgrund der Corona-Situation bin ich schon von einigen Kliniken angefragt worden. Nicht unwahrscheinlich, dass ich demnächst helfen werde. Vor allem, wenn die Situation kritischer wird.“

Wird es also in Zukunft gar kein Comeback der zweifachen Deutschen-Juniorenmeisterin geben? Völlig ausschließen wolle sie das nicht. Wobei sie da weniger an große Meisterschaften denke: „Aber bei einer Veranstaltung wie dem Klingenlauf würde ich gerne noch einmal mitmachen – und dann auch gewinnen.“

INGA HUNDEBORN

GEBOREN Am 22.11.1996

VEREIN Solinger Leichtathletik-Club

ERFOLGE Zweifache Deutsche Juniorenmeisterin 2016, im Zehn-Kilometer-Straßenlauf und im Halbmarathon.

BESTZEITEN 5000 Meter in 16:50 Minuten, 10 000 Meter in 35:02 Minuten und den Halbmarathon in 1:15:49 Stunden.

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