2. Handball-Bundesliga

HSV Solingen-Gräfrath macht kurzen Prozess mit Wuppertal

Mentalitätsmonster Carina Senel: Die Gräfratherin spielte auch gegen den TVB Wuppertal mit vollem Einsatz und zog knapp 500 Zuschauer in ihren Bann. Foto: Andreas Horn
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Mentalitätsmonster Carina Senel: Die Gräfratherin spielte auch gegen den TVB Wuppertal mit vollem Einsatz und zog knapp 500 Zuschauer in ihren Bann.

Solingerinnen sind „heiß wie Frittenfett“: Ein Stimmungshoch führt zum Kantersieg - für Wuppertal gab es nichts zu holen.

Von Lutz Clauberg

Solingen. Der erste Strafwurf von Vanessa Brandt: Knallhart abgezogen springt das Spielgerät vom Innenpfosten ins Tor. Brandt vollstreckte ihren zweiten Siebenmeter vom Punkt äußerst gefühlvoll mit einem technisch perfekten Heber. Ob grob oder fein: Der HSV Solingen-Gräfrath beherrschte den TVB Wuppertal vor 467 Zuschauern in der Klingenhalle in allen Belangen. Weil die Einstellung vom Start weg da war. Die Bank mitfieberte. Und der Gegner sich in jeglicher Hinsicht eine ganze Klasse schlechter präsentierte.

32:20 (14:7) hieß es am Ende für die wie bereits gegen Herrenberg so überzeugenden Gastgeberinnen, die heiß waren wie Frittenfett. „Ich forciere das“, meinte Trainerin Kerstin Reckenthäler. „Je besser die Stimmung ist, desto schneller kommt man in Schwung.“ Das traf insbesondere wieder auf Natascha Krückemeier zu. Die Torhüterin kassierte zwar ein „Gurkentor“ zum 0:1-Rückstand, war aber danach kaum zu überwinden. Und brachte somit zusätzliche Stimmungsmomente ein.

Mandy Reinarz erobert wagemutig zwei Bälle

Jede Parade wurde beklatscht, jede gelungene Abwehraktion, jeder erfolgreiche Pass, jedes Tor. Dieser unbedingte Willen zermürbte den schwach besetzten Gegner, der in Sachen Körpersprache meilenweit vom HSV entfernt war. Mandy Reinarz hechtete trotz klaren Vorsprungs ihrer Gegenspielerin einem Ball hinterher, eroberte das Spielgerät. Zu diesem Zeitpunkt – in der 18. Minute – stand es schon 10:4.

Ein ähnliches Zeichen des absoluten Siegeswillens gelang ihr fünf Minuten später noch einmal. Und so ganz nebenbei hielt sie mit Carina Senel den Abwehr-Innenblock zusammen, erzielte wunderbare Treffer und glänzte mit Kabinettstückchen wie Rückhandpässen auf die Form verbesserte Franziska Penz. Die Linksaußen vollstreckte sicher; auch ihr gelangen herrliche Heber-Tore. Den Glanzpunkt aber, das betonte auch Kerstin Reckenthäler, setzte Cassandra Nanfack. Bei einem Durchbruch täuschte sie einen Wurf an, schickte durch die Finte die Wuppertaler Torhüterin auf den Hosenboden und schweißte mit Gewalt in den Giebel ein. „Das war das Tor des Spiels“, freute sich Reckenthäler über den einzigen Treffer der auf nahezu allen Positionen brauchbaren Nanfack. Überhaupt war das Spiel überragend, so auch der Kommentar von Thomas Rademacher.

Jule Polsz landet drei Treffer in Folge

Nach Wiederanpfiff spielte der HSV Katz und Maus mit dem Gegner. Spielwitz und Tempo sorgten für einen 15-Tore-Vorsprung (55.) durch Nele Weyh zum 29:15. Sie bekam reichlich Futter, ebenso wie Carina Senel. Beide überzeugten mit tollem Kreisläuferspiel. Die letzten vier Minuten gehörten ganz alleine Jule Polsz. Bis dahin hatte sie sich die Rechtsaußen-Position mit Hannah Kamp und Merit Müller geteilt, zum Ende hin ließ Kerstin Reckenthäler die aus Leverkusen gekommene Linkshänderin im Rückraum von der Leine. Polsz feuerte drei Mal mit Auge und Gewalt ab – drei tolle Abschlüsse eines denkwürdigen Derbys gegen einen Gegner, der in dieser Verfassung Probleme bekommen wird.

Der HSV feierte den dritten Saisonsieg ganz ruhig mit einem gemeinsamen Essen. „Ohne Alkohol“, berichtete die Trainerin. „Alle wissen, dass es ja am Mittwoch wieder anstrengend wird.“ Um 12.30 Uhr geht es auf die Autobahn, denn um 19.30 Uhr wird das Nachholspiel beim SV Werder Bremen angepfiffen. Und am Samstag kommt Liga-Konkurrent Mainz 05 in der zweiten DHB-Pokalrunde in die Klingenhalle.

Statistik: HSV: Brandt (6, 3), Penz (5), Reinarz (4), Weyh (3), Polsz (3), Senel (3), Müller (2), Karathanassis (2), Tesche (2), Münch (1), Nanfack (1), Kamp, Clauberg

2. Bundesliga: Auszeit für Lara Karathanassis

Auszeit: Die im Rückraum auf allen Positionen einsetzbare Lara Karathanassis wird ab sofort aus der Belastung genommen. Sie hat akute Probleme mit der Schulter. „Es geht nicht anders“, sagt Trainerin Kerstin Reckenthäler. Somit darf vor allem Luca Tesche auf (noch) mehr Spielanteile hoffen. Sie bot gegen Wuppertal bereits eine gute Leistung.

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Meinung von Thomas Rademacher: Das ist die Bergische Nummer eins

thomas.rademacher@solinger-tageblatt.de

Es hatte sich schon länger angedeutet, doch nun hat der HSV Gräfrath endgültig ein Ausrufezeichen dahinter gesetzt. Die Solinger Zweitliga-Handballerinen sind die Nummer eins im Bergischen Land! Im Derby ließ die Truppe von Trainerin Kerstin Reckenthäler dem TV Beyeröhde Wuppertal nicht den Hauch einer Chance.

Die Mannschaft trat von Beginn an mit einer bemerkenswerten Entschlossenheit auf, verdiente sich die Saisonpunkte fünf und sechs mit allem Nachdruck und begeisterte dabei zudem 467 Zuschauer – mehr als doppelt so viele wie in der ersten Saisonpartie.

Sollten die Gräfratherinnen auch am Mittwoch ihr Nachholspiel in Bremen gewinnen, stehen sie sogar an der Spitze der 2. Liga. Keine Frage, es läuft beim HSV. Den kühnsten Optimisten sei gesagt, dass der Verein mit dem Aufstieg in die Bundesliga nichts zu tun haben wird, aber es ist toll zu sehen, dass die vorige extrem erfolgreiche Saison nicht nur ein Strohfeuer war, sondern die Entwicklung positiv weiter geht.

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