Behindertensport

Ein Kämpfer für den Behindertensport

Pressekonferenzen gehörten auch zum beruflichen Alltag von Lars Pickardt – hier im Mai 2017 in Frankfurt am Main mit Markus Rehm. Der Weitspringer und Sprinter sammelte zahlreiche Medaillen auf höchstem Niveau, so auch drei Mal Gold bei Paralympics. Foto: imago
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Pressekonferenzen gehörten auch zum beruflichen Alltag von Lars Pickardt – hier im Mai 2017 in Frankfurt am Main mit Markus Rehm. Der Weitspringer und Sprinter sammelte zahlreiche Medaillen auf höchstem Niveau, so auch drei Mal Gold bei Paralympics.

Lars Pickardt blickt zum Abschied auf viele Fortschritte und herausragende Erlebnisse

Von Moritz Jonas

Der Solinger Lars Pickardt ist acht Jahre lang Vorstandsvorsitzender der Deutschen Behindertensportjugend (DBSJ) gewesen. Nach zwei Amtszeiten, in denen er mit der Paralympischen Mannschaft an vier Olympischen Spielen teilnahm, ist nun Schluss. Pickardt lässt der jüngeren Generation den Vortritt.

Dabei war es eher ein Zufall, dass Pickardt überhaupt mit dem Behindertensport in Berührung kam, wie er erzählt: „Zu dieser Zeit war ich als Fechttrainer beim WMTV in Solingen aktiv. Irgendwann standen dann mal zwei Jungs im Rollstuhl bei mir in der Halle und fragten mich, ob wir auch Rollstuhlfechten anbieten würden. Daraufhin begann ich dann, mich mit dem Rollstuhlfechten auseinanderzusetzen.“ Mit Erfolg. Später wurde er dann sogar Bundesnachwuchstrainer im Rollstuhlfechten.

„Für mich war es immer schön, bei Wettkämpfen dabei zu sein und die strahlenden Gesichter der Jugendlichen und Eltern zu sehen.“

Lars Pickardt

Wodurch er dann später beim DBSJ landete. Ähnlich unerwartet wurde er 2013 zum Vorstandsvorsitzenden ernannt. „Mein Vorgänger teilte uns drei Wochen vor Ende seiner Amtszeit mit, dass er nicht weitermachen würde. Also musste schnell ein Nachfolger gefunden werden, wobei die Wahl dann auf mich fiel“, erzählt Pickardt. Auch wenn dieser Schritt nicht ganz freiwillig passierte, bereut habe er ihn nie. Denn es sei über all die Jahre eine tolle und spannende Aufgabe gewesen, so Pickardt. Bei aller Spannung und Freude am Job – als die Vollversammlung des DBSJ jetzt einen neuen Vorstandsvorsitzenden wählte, war indes klar, jemand neues wird nach der Wahl an Pickardts Stelle stehen.

„Für mich war es eigentlich von Anfang an beschlossene Sache, dass ich nach zwei Amtszeiten Schluss machen würde. Denn innerhalb der nächsten Legislaturperiode würde ich 50 werden, und das ist immer noch ein Amt, in dem mit Jugendlichen gearbeitet wird. Also soll es auch von jungen Leuten bekleidet werden, außerdem ist es irgendwann einfach mal an der Zeit für einen Wechsel und frischen Wind“, begründet der 49-Jährige seine Entscheidung.

Auch die Tatsache, dass er in diesem Jahr noch einmal mit der deutschen Delegation zu den Paralympics nach Tokio reisen könnte, ändert nichts an seinem Entschluss. Denn die Position des Vorstandsvorsitzenden sei schließlich keine Reiseveranstaltung, bei der es nur auf solche Ereignisse ankommen würde. Und auch der Gedanke, seinem Nachfolger gleich so ein großes Event anzuvertrauen, bereitet ihm keine Kopfschmerzen. „Die Einarbeitungsphase läuft schon, da ja nun schon länger feststeht, dass ich nicht weitermachen würde. Von daher habe ich mein Amt ruhigen Gewissens niedergelegt“, erklärt Lars Pickardt.

Insgesamt blicke er sehr positiv auf die Zeit beim DBSJ zurück. Er und sein Team hätten in diesen acht Jahren enorm viel bewegen können. Schon alleine der Fakt, dass zu seinem Einstieg beim DBSJ dieser gerade einmal acht festangestellte Mitarbeiter beschäftigte und diese Zahl inzwischen auf 143 angestiegen ist, spricht deutlich für die Entwicklung, die dort in der Vergangenheit vollzogen wurde. „Mittlerweile haben wir für jede paralympische Sportart einen hauptverantwortlichen Bundestrainer, das wäre zu meiner Anfangszeit undenkbar gewesen“, erklärt der Solinger.

Es ist aber nicht alleine der erkennbare Fortschritt, welcher Pickardt positiv auf seine Zeit beim DBSJ zurückblicken lässt. Es sind auch die vielen schönen Erinnerungen, die er sammeln durfte. Die schönsten sind gar nicht mal mit der viermaligen Teilnahme an den Paralympischen Spielen verbunden. „Für mich war es immer schön, bei Wettkämpfen dabei zu sein und die strahlenden Gesichter der Jugendlichen und Eltern zu sehen, wenn ihr Kind den ersten Wettkampf bestritt und vielleicht etwas geschafft hat, woran sie selbst nicht mehr geglaubt haben. Das war immer die größte Bestätigung, um Jugendliche weiterhin für den Behindertensport zu motivieren“, sagt Pickardt.

Aber sicherlich seien auch die Olympia-Teilnahmen in London 2012, Sotschi 2014, Rio 2016 und in Pyeongchang 2018 stets etwas Besonderes gewesen. Aber es sei eben nicht der ausschlaggebende Grund, um ein solches Amt zu übernehmen. Es ginge nur darum, den Behindertensport weiter voranzubringen.

Hintergrund

1975 kam es zur Gründung eines Jugendausschusses im Deutschen Behindertensportverband (DBS), der zugleich Nationales Paralympisches Komitee für Deutschland ist. Heute treiben 599 000 Menschen mit Behinderung im gesamten Bundesgebiet in 6300 Vereinen aktiv Sport. Von dieser Gesamtzahl sind über 46 500 Kinder und Jugendliche mit Behinderung (bis einschließlich zum 26. Lebensjahr) Mitglied in einem Sportverein.

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