Hockey

Ein bedeutendes Jubiläum in rauen Zeiten

Rund 30 Mitglieder hat der Solinger Hockey-Club heute noch, die meisten kamen zur Jahreshauptversammlung mit Jubiläumscharakter. Foto: Kurt Kosler
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Rund 30 Mitglieder hat der Solinger Hockey-Club heute noch, die meisten kamen zur Jahreshauptversammlung mit Jubiläumscharakter.

Der Solinger Hockey-Club feiert sein 100-jähriges Bestehen.

Von Jürgen König

Gar von glorreichen Zeiten spricht man in Kreisen des Solinger Hockey-Clubs – bezieht sich dabei allerdings auf eine erfolgreiche Ära nach dem Zweiten Weltkrieg. Sehr lang ist das her, ebenso die Gründung des Vereins. Im Jahre 1921 wurde die beliebte Sportart in der Klingenstadt aus der Taufe gehoben. Folglich darf derzeit ein großes Jubiläum den rauen Corona-Zeiten zum Trotz gefeiert werden.

Die Jahreshauptversammlung in der Gaststätte Alt Ketzberg diente dann auch nicht nur dazu, Formalien abzuarbeiten, sondern vielmehr zur emotionalen Rückschau. „In den 70er-Jahren hatten wir 120 Mitglieder und spielten mit den Männern in der hochklassigen westdeutschen Oberliga“, blickt der für ein Jahr als Vorsitzender wiedergewählte Ian Lunau auf eine weitere Hoch-Zeit und den darauffolgenden Abwärtstrend.

Die Aktiven verloren die Lust, und der Nachwuchs fehlte.

Ian Lunau, Vorsitzender des Solinger Hockey-Clubs

Die Stadt habe den SHC – aus den Fußballern des SSC 95/98 hervorgegangen – damals nicht so, wie es vonnöten gewesen wäre, unterstützt. Die Kritik bezieht sich auf den Rasen oberhalb des Hauptplatzes am Schaberg, der ohne Drainage eher selten als Trainings- und Spielstätte zur Verfügung stand. Und einen Rattenschwanz nach sich zog. Lunau: „Die Aktiven verloren die Lust, und der Nachwuchs fehlte.“ Zumal gute Spieler, wie auch in anderen Sportarten üblich, die Leistungszentren in der rheinischen Umgebung und darüber hinaus ansteuerten.

Modisch top – ein Bild aus alten Zeiten.

Der Vereinschef gehört zu einem kleinen Kreis, der sich regelmäßig in der Gaststätte Böckerhof trifft, um über Hockey und andere Dinge zu plaudern. Wie die Teilnahme an der Eröffnung der Klingenhalle im Jahr 1973, als man im Einlagespiel gegen die ESG Wuppertal im Fokus stand und dadurch einen Schwung in der Vereinsarbeit erhielt. Die Reminiszenzen gehen unter anderem in Richtung der weiteren Versuche, Hockey in der Klingenstadt lebendig zu präsentieren. Dabei fällt oft der Name von Annette Brunner, die – in den 80er-Jahren als Torhüterin zum Nationalkader zählend – lange Zeit im TSV Aufderhöhe eine beeindruckende Aufbauarbeit leistete, um dann zum Wald-Merscheider TV zu wechseln. Gleich zwei Weltmeisterschaften der 55er-Teams könnten für die Solingerin im nächsten Jahr in Virginia Beach/USA (Halle) sowie Südafrika (Feld) auf dem Programm stehen.

Brunners Leidenschaft galt stets der Jugendarbeit. Nicht selten hielten die Enkel früherer Hockey-Größen den Schläger in der Hand. Die Aufbauarbeit fand auch beim Stadtdienst Freizeit und Sport Niederschlag, indem an der Zietenstraße Hockeylinien auf den Kunstrasenbelag geprägt wurden. Heute bietet der WMTV Hockey an.

Acht Männer und Gabi Hoppe aus der Böckerhof-Runde schauen auch gerne auf die eigene Gegenwart – zu der Sportart, die ihren Reiz dadurch erhält, dass sie in den schöneren Monaten auf dem Feld und sonst in der Halle ausgeübt werden kann. „Es gibt einen Teil, die Klingenschrubber, der regelmäßig trainiert und auch an Turnieren teilnimmt. Entstanden ist dies aus dem Elternhockey“, erzählt Sylvia Bach, die wie Brunner oder Ulrike Kirchhoff schon international im Einsatz war. Die Physiotherapeutin spricht für den rund 20-köpfigen, seit 2010 aktiven Kreis, der hofft, dass Übungs- und Spielmöglichkeiten wie vor der Pandemie wieder Einzug halten.

Geschehen soll dies mit dem nach dem vergangenen Lockdown wieder aufgenommenen Training in der Sporthalle Schwertstraße, Turnieren in der August-Dicke-Schule sowie nicht zuletzt mit Betätigung im Freien. Zu den Turnieren zählt das eigene anlässlich des Oktoberfestes, aber auch das große internationale in Mönchengladbach mit 60 Teams. „Gerade zum Training, aber grundsätzlich freuen wir uns über interessierte Gäste“, sagt Hans-Georg Hartke, der den Jubiläumsabend in Ketzberg maßgeblich mitorganisiert hatte. Und der hofft, dass freitags von 18 bis 20 Uhr das eine oder andere neue Gesicht an der Schwertstraße auftaucht. Ganz im Sinne des Hockeysports, der es nicht nur aufgrund der großen Olympia-Erfolge verdient hätte, weiterhin Teil des Solinger Sportkalenders zu sein.

Kontakt: Klingenschrubber Solingen bei Facebook

Aus der Historie

Gründung: Im Hotel Voß am Mühlenplatz wurde der Hockeyverein 1921 gegründet. Treibende Kraft war der Wuppertaler Geschäftsmann Rudolf Linke.

Zuspruch: Der Aufbau ging zügig vonstatten. Eine Senioren-Mannschaft entstand schnell, ein engagiertes Damen-Team nahm ebenfalls den Spielbetrieb auf.

Neustart: 1947 ging es nach dem Krieg wieder mit organisiertem Sport los. Es folgte die beste Zeit der Rot-Schwarzen mit Saisons in der Oberliga, der damals höchsten deutschen Spielklasse. Diesen Höhen folgten dann bittere Tiefen.

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