Nachruf

Eigensinn, Mut und Menschlichkeit

2003 erhielt Franz Zickuhr für sein Wirken das Bundesverdienstkreuz. Archivfoto:
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2003 erhielt Franz Zickuhr für sein Wirken das Bundesverdienstkreuz.

Zum Tod von Franz Zickuhr.

Von Daniel Bernards

Der Solinger Sport und insbesondere die Leichtathletik trauert um eine ganz besondere Trainer-Persönlichkeit. Mit Franz Zickuhr starb ein Mann, der an seinen Stationen in der Solinger Vereinslandschaft stets erfolgreich und nachhaltig arbeitete. Oben anzusiedeln ist der Deutsche Meistertitel mit dem Damen-Team im Crosslauf, der unter anderem die heutige Vereinssportlehrerin des TSV Aufderhöhe, Christine Römer (geborene Porstmann), sowie die Grünen-Kommunalpolitikerin Birgit Evertz angehörten. Zickuhr, auch im höheren Alter noch im Dienste des TSV aktiv, wurde 88 Jahre alt.

Als aktiver Sportler war Franz Zickuhr zeitweise auch Handballer, doch bald entdeckte er, dass sein Herz vor allem der Leichtathletik und hier insbesondere dem Laufsport gehörte. Seine jahrzehntelange Trainerkarriere in der Klingenstadt begann bereits in den 50er-Jahren, als die Leichtathletik ihren Platz in der DJK fand und Zickuhr erste große Erfolge mit seinen Schützlingen feierte. Das setzte sich Ende der 60er fort, als er bei der TSG anheuerte und zahlreiche Titelgewinne auf regionaler und überregionaler Ebene seine Fähigkeiten dokumentierten.

Petra Klein und Israel – zwei Schwerpunkte

Zickuhrs nächste und schließlich letzte sportliche Herausforderung war sein Wirken beim TSV Aufderhöhe. Seit 1982 arbeitete er mit zahlreichen bekannten Läufern der Stadt zusammen und feierte viele Jahre lang mit ihnen Erfolge: Peter Vetter, Bernd Feldhoff, der inzwischen ebenfalls verstorbene Jochen Grob oder Bernd Scharbert seien hier neben anderen zu nennen. Gleichzeitig entwickelte sich eine Beziehung der ganz besonderen Art zum Gehörlosen-Sport in der Leichtathletik. In einer Erfolgsgeschichte, wie sie in Solingen wohl ihresgleichen sucht, erreichte Zickuhr mit seinen Athletinnen und Athleten zahlreiche Deutsche Meistertitel und war zudem auch bei Europa- und Weltmeisterschaften erfolgreich. Zum Aushängeschild avancierte die gehörlose Läuferin Petra Klein, die sechs Mal zu Solingens Sportlerin des Jahres gewählt wurde.

Franz Zickuhr zeichneten durchaus Strenge und eine gewisse Portion Eigensinn aus, aber vor allem sehr viel Menschlichkeit und stets das Interesse für seine Athletinnen und Athleten, für die er immer als Ansprechpartner im Außersportlichen zur Verfügung stand. Seine Vorliebe für ungewöhnliche und mutige Projekte untermauert sein Engagement für den Austausch jugendlicher Solinger Sportler mit Athleten und Funktionären aus Israel. Ende der 60er-Jahre, als dieses Vorhaben begann, lag noch der Schatten der nationalsozialistischen Verbrechen auf jeder deutsch-israelischen Zusammenarbeit. Es ist vielfach Franz Zickuhr zu verdanken, dass eine Reihe an Freundschaften zu israelischen Sportlern und Funktionären entstanden.

Neben zahlreichen anderen Auszeichnungen wurde der Wein- und Wanderliebhaber 2003 mit dem Verdienstkreuz am Bande der Bundesrepublik Deutschland geehrt. Franz Zickuhr starb nur wenige Tage, bevor er seinen 89. Geburtstag gefeiert hätte.

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