Tennis

Ein Durchmarsch ist nicht die erste Option

Freude beim TC Ohligs mit der verdienten Sektdusche, v. l.: Achim Lück (Teambetreuer), Mick Veldheer, Till Wegner, Stan Bormans, Cornell Wette, Karlson Wegner, Sandro Kopp und Coach Karsten Focke. Foto: Jörg Bergmann
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Freude beim TC Ohligs mit der verdienten Sektdusche, v. l.: Achim Lück (Teambetreuer), Mick Veldheer, Till Wegner, Stan Bormans, Cornell Wette, Karlson Wegner, Sandro Kopp und Coach Karsten Focke.

Solinger TC 02 und TC Ohligs 1914 feiern Aufstiege der Tennis-Herren.

Von Jürgen König

Eine Woche nach dem Solinger TC 02 durfte sich am vergangenen Samstag auch der TC Ohligs 1914 der Sektdusche unter Corona-Bedingungen hingeben – beide Herren-Teams schafften den Aufstieg: Widdert von der Niederrheinliga in die Regionalliga, der dritthöchsten deutschen Spielklasse; Ohligs von der 1. Verbandsliga in eben jene Niederrheinliga. Wir beleuchten die überaus erfreuliche Situation an der Widderter Straße und Kiefernstraße.

Stellen die Aufstiege Überraschungen dar?

Freude beim STC mit Selfie, v. l.: Simon Beaupain, Benjamin Loccisano, Karsten Saniter Moritz Poswiat, Marco Tesanovic, Nico Mertens, Jonas Poswiat, Ferdinand Spickhoff, Jan Bangert, Gero Kretschmer.

Sicher nicht beim TCO, der als klarer Favorit in die Spielzeit gegangen war und das Rennen wohl auch in voller Team-Stärke – der Barmer TC hatte im Zuge der Pandemie zurückgezogen – für sich entschieden hätte.

„Es war schon so, dass wir zumeist ein bisschen unterfordert waren“, sagt Sandro Kopp. Der 20-jährige Österreicher ist die Nummer 777 in der Welt und Profi, sorgte kürzlich durch einen Satzgewinn gegen seinen Landsmann Dominic Thiem für Aufsehen – der Nummer drei in der Welt.

Beim STC gab es trotz des Start-Verzichts von TC Bredeney 3 und MTV Kahlenberg durchaus andere Aspiranten, aber die Solinger blieben souverän. „Mit dem Sieg in Oberhausen war die Entscheidung gefallen“, resümierte Kurt-Reiner Witte. Der Unternehmer hatte sich zu Beginn des Jahres im Management der 1. Herren zurückgemeldet.

„Eigentlich war das schon eine Niederrheinliga-Truppe.“ 

Jochen Hierl vom TC Ohligs

Wie sind die Saisons für beide Vereine verlaufen?

Dem sofortigen Wiederaufstieg in die 3. Liga war beim STC der Abstieg unter denkbar unglücklichen Umständen vorausgegangen. „Die vergangene Saison war sehr zerpflückt und von einem ständigen Hin und Her bei den Aufstellungen geprägt, das hat uns vieles an Energie entzogen“, sagt Karsten Saniter, der verantwortliche Coach. Das gestaltete sich diesmal gänzlich anders, man sei immer in Top-Besetzung und voll fokussiert gewesen. Saniter: „Es war eine Saison, wo wir wieder hin wollten. Ich bin total zufrieden.“

Das war auch Wittes Pendant in Ohligs, Jochen Hierl. „Eigentlich war das in diesem Sommer schon eine Niederrheinliga-Truppe“, meint der Solinger, der unter anderem auf eine sehr erfolgreiche Bundesliga-Tätigkeit bei Blau-Weiß Neuss blicken kann. Der TCO machte sein Meisterstück mit dem umkämpften Erfolg in Dinslaken, erzielte ansonsten Kantersiege.

Was war die Basis für den doppelten Erfolg?

In beiden Fällen setzten die Verantwortlichen an der Spitze der Teams auf ausländische Kräfte. Beim STC waren es der Belgier Simon Beaupain und der Monegasse Romain Arneodo, beim TCO das niederländische Duo Mick Veldheer/Bart Stevens und eben Sandro Kopp. „Ich bin jetzt seit drei Jahren hier, es ist für mich so etwas wie eine neue Heimat“, spricht der Österreicher für alle internationalen Spieler. Zum finalen Match war er mit dem eigenen Auto angereist – gemeinsam mit dem Teamkollegen Veldheer. Die beiden trainieren in Seefeld/Tirol zusammen.

Gleichwohl setzen die Clubs auch auf vereinseigene Akteure, insbesondere beim STC geht die Rechnung mehr und mehr auf. Ferdinand Spickhoff war bereits eine feste Größe im Niederrheinliga-Team, andere stehen auf dem Sprung. Cordt Ehlenbeck tut dies in Ohligs. Hinzu kommen etablierte Spieler wie ein Gero Kretschmer in Widdert oder die Wegner-Brüder beim Ortsrivalen. Die Struktur stimmt.

Wird der Aufstiegskurs im Sommer 2021 beibehalten?

Zumindest offiziell nimmt man am Ende der Viehbachtalstraße etwas Tempo raus. Jochen Hierl spricht sogar von „Stillstand“, stellt wie Coach Karsten Focke den Klassenerhalt obenan. Das Duo nennt zwei wahrlich gravierende Gründe. So wartet in Ermangelung von Absteigern in der nächsten Saison eine große Gruppe auf den Neuling, und: „Der Club muss auch mit den sportlichen Erfolgen wachsen.“

Auch in Widdert weiß man um die zahlreichen Gegner, die von Kurt-Reiner Witte vor Monaten ausgerufene Rückkehr in die 2. Bundesliga bleibt aber zumindest ein mittelfristiges Ziel. „Die Basis haben wir gelegt, jetzt geht es um die eine oder andere gezielte Verstärkung“, sagt der frühere Vorsitzende. Und Karsten Saniter will mit dem Kern weiterspielen, den Markt beobachten, am liebsten die Feinjustierung vornehmen. „Auch wenn zum Beispiel ein Nico Mertens beruflich mehr beansprucht sein wird, müssen wir uns in der 3. Liga nicht verstecken“, ist Saniter überzeugt. Sein persönlicher Vorschlag: angesichts der Vielzahl an Mannschaften – die 3. Liga hatte nicht gespielt und hat somit keine Absteiger – zwei Gruppen bilden.

„Die vielen Fans haben gezeigt, dass das gesamte Umfeld mitzieht.“ 

Karsten Saniter vom Solinger TC

Wie sind die Clubs insgesamt aufgestellt?

Der STC ist der Branchenführer in Solingen, verfügt unter anderem über ein höherklassiges Damen-Team und Jugend auf Verbandsebene. Unter der Leitung der Vorsitzenden Simone Backhaus hat eine Weiterentwicklung stattgefunden, die sich auch in der Umsetzung des NRW-Programms „Moderne Sportstätte 2022“ niederschlägt. Plätze wurden draußen wie drinnen neu hergerichtet. Diese Arbeiten gehen einher mit positiven Signalen. „Die vielen Fans in Oberhausen haben gezeigt, dass das gesamte Umfeld mitzieht“, sagt Karsten Saniter, dessen Team aufgrund des „Corona-Spielplans“ nur eine Heimbegegnung bestreiten durfte.

Auch der TCO hat die Fördermaßnahmen – insgesamt fließen rund 2,152 Millionen Euro in die Klingenstadt – für sich entdeckt. Die Anlage soll attraktiver werden, und auch behindertengerecht. Für die erste Mannschaft ist Michael Kölker ein verlässlicher Partner. „Jochen Hierl sorgt mit geringen Mitteln für eine optimale Förderung und bringt den Verein damit nach vorne“, lobt der Forst-Chef. Die Bildung eines echten Unterbaus für die 1. Herren, so von Karsten Focke in Aussicht gestellt, passt da ins gute Bild des Herren-Tennis-Sports.

Tennis

Sandro Kopp: Die Nummer drei des TC Ohligs widmete sich am vergangenen Samstag intensiv der Formel-1-Berichterstattung. „Mein Vater war Formel-3-Fahrer, deswegen interessiere ich mich sehr dafür“, erklärte er die Leidenschaft.

Romain Arneodo: Die Nummer zwei des STC erreichte beim Challenger-Turnier im italienischen Cordenons das Halbfinale der Doppel-Konkurrenz. Damit steht er jetzt auf Platz 90 der Doppel-Weltrangliste.

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