Die Woche im Sport von Thomas Rademacher

Die Sorge um den Saisonendspurt in der Handball-Bundesliga wächst

thomas.rademacher@solinger-tageblatt.de
+
thomas.rademacher@solinger-tageblatt.de

Der Spielplan in der Handball-Bundesliga (HBL) war in dieser Saison von Anfang an eng getaktet.

Los ging es mit 20 statt der üblichen 18 Mannschaften erst im Oktober und nicht – wie üblich – Ende August. Bis zum 30. Juni müssen alle Teams 38 Partien absolviert haben. An dem Stichtag wird sich auch nichts mehr ändern, weil an diesem Datum viele Spieler- und auch Trainerverträge auslaufen. Das gilt nicht für den Bergischen HC, der in nahezu identischer Besetzung auch 2021/22 antreten wird, aber für zahlreiche andere Vereine. Ergo: Die Zeit drängt. Der BHC muss in zwei Monaten noch 14 Begegnungen absolvieren, der TBV Lemgo sogar 15. Nur zwei Teams haben ein überschaubares Restprogramm von lediglich zehn Spielen.

Schief gehen darf dabei nicht mehr viel. Eine weitere zweiwöchige Quarantäne – nicht nur bei den Löwen – würde arge Probleme verursachen. Je näher diese Richtung Saisonende grenzt, desto weniger wahrscheinlich wird eine Nachholung aller noch ausstehender Partien. Die Fußball-Bundesliga ordnet aus genau diesem Grund eine Hotel-Quarantäne für alle Mannschaften an, so dass sich die Spieler im privaten Umfeld nicht mehr infizieren können. Die Maßnahme ist sinnvoll, doch im Handball ist sie auch aus finanziellen Gründen kaum umsetzbar. Stattdessen plant die HBL eine Verschärfung des Hygienekonzepts inklusive noch engmaschigeren Testungen und einer strengeren Dokumentationspflicht, um Infektionsketten genauer bestimmen zu können.

Gleichzeitig setzt der BHC alle Hebel in Bewegung, um sein Risiko zu minimieren. So fahren die Spieler mit privaten PKW zum kommenden Auswärtsspiel nach Essen, und das Funktionsteam rund um die Mannschaft wird verkleinert. Alle diese Anstrengungen sind nachvollziehbar, zumal sie das große Ziel verfolgen, die Saison ordentlich zu Ende zu bringen. Ob dabei aber wirklich alle an einem Strang ziehen, darf bezweifelt werden. Wie zum Beispiel ist es erklärbar, dass beim HC Erlangen ungewöhnlich viele Aufbauhelfer auf der Tribüne sind und die Mannschaft anfeuern. Grundsätzlich ist ein wenig Stimmung eine feine Sache. Die Helfer werden auch ligaweit in kleinen Mengen geduldet. Doch muss man so übertreiben wie in Nürnberg?

Schon beim Spiel des BHC dort war gefühlt der komplette Fanclub da, um die Mannschaft anzufeuern. Nachdem sich etwa die halbe Mannschaft der Franken (genau wie fünf Spieler der Löwen) mit dem Coronavirus infiziert hatte, kehrte das Team vergangene Woche in den Spielbetrieb zurück und schlug überraschend den SC Magdeburg mit 30:28. Gäste-Trainer Bennet Wiegert merkte danach an, dass es schön gewesen sei, mal wieder vor Zuschauern zu spielen. Warum er dies einfach nur provokant erwähnte, dabei aber auch auf Nachfrage nicht klar Stellung bezog, ist rätselhaft. Aber die Frage ist klar: Führt dies die Bemühungen der Liga nicht ad absurdum?

Dieselbe Frage werfen auch die in diesen Tagen stattfindenden EM-Qualifikationsspiele auf. Erneut reisen Spieler aus zig Vereinen durch ganz Europa, um teilweise nur drei Tage später zurück in den Bundesliga-Spielbetrieb zu gehen. Diese Konstellation hat bereits zwei Mal in dieser Saison zu massiven Problemen geführt, sehenden Auges passiert es nun ein drittes Mal. Die nächste Quarantäne ist programmiert. Zum Glück in diesem Fall nicht für den BHC, der aufgrund der aktuellen Situation keine Spieler entsendet hat.

TOP Die Strukturen beim HSV Solingen-Gräfrath werden immer professioneller. Ein Beispiel dafür ist die Kooperation mit dem Wuppertaler Universitätsklinikum.

FLOP Corona sorgt für lange Leidenszeit im Eissport.

Das könnte Sie auch interessieren

Unsere News per Mail

Nach der Registrierung erhalten Sie eine E-Mail mit einem Bestätigungslink. Erst mit Anklicken dieses Links ist die Anmeldung abgeschlossen. Ihre Einwilligung zum Erhalt des Newsletters können Sie jederzeit über einen Link am Ende jeder E-Mail widerrufen.

Die mit Stern (*) markierten Felder sind Pflichtfelder.

Meistgelesen

FCB: Neuer Coach soll Aufschwung bringen
FCB: Neuer Coach soll Aufschwung bringen
FCB: Neuer Coach soll Aufschwung bringen
Verdienstkreuz: „Oheios“ lassen Rohn hochleben
Verdienstkreuz: „Oheios“ lassen Rohn hochleben
Verdienstkreuz: „Oheios“ lassen Rohn hochleben
Spätes 1:2 – BV Gräfrath verpasst den Coup nur um Haaresbreite
Spätes 1:2 – BV Gräfrath verpasst den Coup nur um Haaresbreite
Spätes 1:2 – BV Gräfrath verpasst den Coup nur um Haaresbreite
Ehrenamtler freuen sich über Würdigung ihrer Arbeit
Ehrenamtler freuen sich über Würdigung ihrer Arbeit
Ehrenamtler freuen sich über Würdigung ihrer Arbeit

Kommentare