2. Handball-Bundesliga

Der konstante Höhenflug hält an

Jette Clauberg obenauf: Fünf Tore erzielte das HSV-Eigengewächs gegen Heide. Foto: Lars Breitzke
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Jette Clauberg obenauf: Fünf Tore erzielte das HSV-Eigengewächs gegen Heide.

HSV Solingen-Gräfrath schlägt auch Heide souverän.

Von Lutz Clauberg

333 Zuschauer, 55 Tore, eine Spielerin, die förmlich aus dem Nichts kam und die Erkenntnis, dass die Mannschaft mit den wenigsten Minuspunkten in der 2. Bundesliga offenbar nur noch hoch gewinnen kann: Es läuft beim HSV Solingen-Gräfrath, dessen Höhenflug inzwischen so konstant ist, dass tatsächlich vom Aufstieg geträumt werden darf.

33:22 (16:11) gewann der Tabellenzweite. Gegen den Abstiegskandidaten MTV Heide, bei dem eigentlich nur zwei Spielerinnen durch individuelle Stärke(n) auffielen: Levke Kretschmann (9, 4) stand nach dem Abpfiff des Schiedsrichtergespanns als beste Werferin knapp vor Britt Punzius (8, 1). Das reichte aber hinten und vorne nicht, weil der Neuling meilenweit entfernt vom Tempospiel des HSV entfernt war. Von nix kommt halt nix, mag sich Trainerin Kerstin Recken–thäler erneut gedacht haben, wenn ihre Spielerinnen auch in der Schlussminute mit Vollgas auf das gegnerische Tor anrennen und keinerlei Merkmale einer Überanstrengung erkennen lassen. Heide war dem HSV in jeder Hinsicht mindestens eine Klasse unterlegen und konnt froh sein, einigermaßen glimpflich davongekommen zu sein.

„Jette hat sich sofort bereit erklärt, die Lücke zu schließen.“

Kerstin Reckenthäler, HSV-Trainerin

Wie Phönix aus der Asche trumpfte die 21 Jahre alte Henriette „Jette“ Clauberg bei ihrem ersten Einsatz über eine längere Distanz auf. „Ich habe ihr in der Woche signalisiert, dass sie auch Einsatzzeiten bekommt“, sagte „Keke“ Recken–thäler nach Jette Claubergs Top-Leistung. „Jette hat sich sofort bereit erklärt, die Lücke zu schließen.“ Die beim HSV groß gewordene Allrounderin löste in der 24. Minute die sehr unauffällige Franziska Penz auf Linksaußen ab – die ansonsten auf dieser Position gesetzte Lucy Jörgens (krank) war ebenso nicht mit dabei wie die verletzten Jule Polsz und Luca Tesche.

Jette Clauberg ist keine gelernte Linksaußen, die Konkurrenz im HSV-Rückraum ist allerdings extrem groß. Spielanteile bekommt sie von daher (reichlich) im Rahmen ihres Zweitspielrechts beim Drittligisten Tus Königsdorf. Gegen Heide lochte sie noch vor der Halbzeit per Gegenstoß sicher ein und legte mit Wiederanpfiff bei drei weiteren Kontern sowie einmal von Linksaußen nach. Ein Fehlwurf verhinderte die Traumbilanz.

Eine Spielerin erzielte in der zweiten Halbzeit sogar noch mehr Tore: Cassandra Nanfack. Sechs ihrer zehn Treffer fielen nach Wiederanpfiff. Gegen ihre Schnelligkeit und Zweikampfstärke hatte Heide keine Mittel. Auffällig temporeich agierten auch Lara Karathanassis und Mandy Reinarz. Beide schonten weder sich noch den Gegner. In der Abwehr machte Merit Müller einen tollen Job, Carina Senel zeigte nach zwei Übertritten im ersten Abschnitt mit zwei spektakulären Aktionen am Kreis, was in ihr steckt. Einen kleinen Vorwurf muss sich der HSV dennoch machen: Die Chancenverwertung genügte nicht den hohen Ansprüchen. Fünf Konter gingen in die Binsen, dazu eine Reihe freier Würfe aus der Nahdistanz. Ansonsten wäre Heide nicht so glimpflich davon gekommen.

HSV: Fahnenbruck, Krückemeier, Gün (bei einem Siebenmeter); Nanfack (10, 2), Clauberg (5), Brandt (5, 2), Reinarz (4), Müller (3), Karathanassis (2), Senel (2), Kamp (2), Penz, Weyh

2. Bundesliga

Premiere: Zum ersten Mal überhaupt in dieser Spielzeit durfte Lisa Fahnenbruck beim Anpfiff zwischen die Pfosten. Die Premiere war nicht unbedingt von Erfolg gekrönt. Die etatmäßige Nummer 1, Natascha Krückemeier, kam in der 22. Minute – und war ebenfalls nicht in Top-Form. Torjägerin Vanessa Brandt, wie Krücke–meier ansonsten immer eine Bank, spielte auch unter Schnitt.

Meinung: HSV festigt seine Rolle

Von Jürgen König

juergen.koenig@solinger-tageblatt.de

Von der Anzahl der Begegnungen her hat der HSV Solingen-Gräfrath die Hälfte seiner dritten Zweitliga-Saison hinter sich gebracht – allerdings nicht gegen alle 15 Kontrahenten gespielt. So fehlt noch der Vergleich mit dem zu den Aufstiegsaspiranten zählenden VfL Waiblingen, das Fazit hat aber auch so Bestand: Die Solingerinnen haben sich vom Abstiegskandidaten (abgebrochene Saison 2019/20) über ein absolut zweitliga-taugliches Team (2020/21) bis hin zur Spitzenmannschaft entwickelt. Und kann auch in der Akzeptanz nachhaltige Fortschritte registrieren. So hat sich die Besucherzahl in der Klingenhalle jenseits der 300 eingependelt. Die HSV-Verantwortlichen wünschen sich verständlicherweise mehr, aber der Wert ist absolut in Ordnung. Hinter Göppingen (565 Zuschauer im Schnitt) und Nürtingen (332) liegt Gräfrath mit 318 auf Rang drei. Und die Spitzenpartien stehen noch aus – auch diesen Nimbus hat sich der HSV verdient.

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