Leichtathletik

Der Klingenlauf-Mitorganisator bleibt optimistisch

Uwe Brockmann zeigt ein paar Erinnerungsstücke an bisher 31 Klingenläufe. 2020 fiel die 32. Auflage aus, dieses Jahr besteht noch Hoffnung. Foto: Doro Siewert
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Uwe Brockmann zeigt ein paar Erinnerungsstücke an bisher 31 Klingenläufe. 2020 fiel die 32. Auflage aus, dieses Jahr besteht noch Hoffnung.

Uwe Brockmann ist nicht nur bei den Schulstaffeln mit vollem Engagement dabei.

Von Sonja Bick

Solingen. 31 Jahre in Folge lieferten sich Klein und Groß immer an Fronleichnam spannende Laufduelle. Dann kam Corona, und der 32. Klingenlauf – für vergangenen Juni geplant – musste abgesagt werden. Ob am 3. Juni nun wieder Läufer im Südpark unterwegs sein werden, steht noch in den Sternen. „Grundsätzlich ist etwas Optimismus vorhanden“, sagt Uwe Brockmann, der seit dem ersten Klingenlauf dabei ist. Damals stand der heute 70-Jährige mit seinen Vereinskollegen des TSV Aufderhöhe im Zielbereich und notierte die Zeiten von Hand. Schon kurz darauf war er für die überaus beliebten Schulstaffeln verantwortlich – und ist es heute immer noch.

„Für die Schüler sehe ich aufgrund der großen Masse eher keine Chance zu starten, aber vielleicht für die Erwachsenen“, sagt Brockmann. „Wenn 100 bis 200 laufen könnten, würden wir es tun – natürlich mit entsprechenden Genehmigungen. Wir sind vorbereitet: Sponsoren wurden kontaktiert, Organisationsplan und Konzepte stehen.“

Wir hatten 1000 Medaillen und nur 270 Teilnehmer – es hat geregnet ohne Ende.

Uwe Brockmann erinnert sich an eine Episode der Klingenlauf-Historie

Uwe Brockmanns sportlicher Start hat weder mit der Leichtathletik noch mit Solingen zu tun. Er wuchs in Wuppertal auf und startete Mitte der 60er-Jahre als Fußball-Schiedsrichter beim dortigen ASV. „Teilweise waren alle gegen einen. Das war mit meinen 15 Jahren eine prägende Zeit, die mich aber sehr nach vorne gebracht hat.“ Dann kam er zufällig zur Leichtathletik und entdeckte das Laufen für sich: zunächst die fünf und zehn Kilometer, dann auch die 25 Kilometer („Halbmarathon gab es noch nicht“) und die Marathon-Distanz. Sogar bei der Olympia-Qualifikation für München ‘72 war er dabei. „Darauf bin ich sehr stolz.“ Mit seiner Zeit von 2:59 Stunden war er allerdings weit vom Sieger Lutz Philipp und auch noch deutlich von seiner späteren Bestzeit (2:40,13 Stunden) entfernt.

1981 folgte eine kurze Zeit bei der TSG Solingen, dann der Wechsel zum TSV Aufderhöhe. „Damals gab es in Solingen eine sehr starke Läuferszene“, sagt der pensionierte Lehrer, für den mit der Zeit auch organisatorische Aufgaben hinzukamen. Alle Solinger Leichtathletik-Vereine inklusive Funktionär Hermann-Josef Born organisierten 1989 den ersten Klingenlauf. „Tiefpunkt war die dritte oder vierte Veranstaltung“, blickt Brockmann zurück. „Wir hatten 1000 Medaillen und nur 270 Teilnehmer – es hat geregnet ohne Ende.“ Zunächst wurde in der Innenstadt gelaufen, später im Südpark. Mittlerweile sind regelmäßig mehr als 1000 Teilnehmer dabei.

Einen Großteil bilden dabei die Schulstaffeln. Die Idee kam von SLC-Urgestein Hans-Joachim Scheer. „Jede Solinger Schule hat schon irgendwie teilgenommen“, sagt Uwe Brockmann. „Auch aus Nachbarstädten, wie zum Beispiel aus Haan.“ Vor allem in der Woche vor dem Klingenlauf ist der 70-Jährige richtig gefordert: Die zahlreichen Anmeldungen müssen übers Wochenende in Läufe eingeteilt werden. Am Montag bekommen die Schulen Pläne mit den Startzeiten der Staffeln. Am Dienstag und Mittwoch wird technisches Equipment zusammengestellt und Werbematerial eingesammelt. Am Donnerstag ist schließlich der Lauf. Seine Erfahrung bringt Brockmann auch bei den Leichtathletik-Stadtmeisterschaften der Schulen sowie beim Burscheider Stadtlauf ein. Denn dort wohnt er mit seiner Frau.

Langweilig wird Brockmann auch in Corona-Zeiten nicht

Was davon 2021 stattfinden wird, weiß noch keiner. Trotzdem wird Uwe Brockmann nicht langweilig – „obwohl wir aufgrund von Corona fast nur Zuhause sind“. Die dreijährigen Zwillings-Enkelinnen halten ihn auf Trab. Zudem lernt er Italienisch und Französisch – unter anderem über Videounterricht. Und er liest sogar die französische Tageszeitung „Le Monde“, in der kürzlich auch etwas über Solingens Oberbürgermeister stand. Diese und weitere Zeitungen bekommen er und seine Frau digital zugestellt auf das Tablet. Und Uwe Brockmann geht gerne Wandern. Das Einzige, was er vermisst: Radfahren mit Touren nach Belgien oder in die Niederlande. Aber wenn das wieder problemlos möglich ist, wird vielleicht auch der Klingenlauf wieder in geordneten Bahnen ablaufen können.

Uwe Brockmann

Privat: Seit 44 Jahren ist Uwe Brockmann mit seiner Frau Ingrid verheiratet. Sie haben zwei Söhne und eine Tochter mit Zwillingsmädchen. „Privat und beruflich hat es mich quer durchs Bergische Land verschlagen“, sagt der 70-Jährige: In Wuppertal ist er groß geworden, in Solingen hat er gewohnt und gearbeitet, in Burscheid gebaut.

Beruf: Über eine ST-Anzeige hat Uwe Brockmann als Ingenieurstudent den Weg ans August-Dicke-Gymnasium gefunden und unterrichtete dort Mathe. Er studierte und blieb während seines Referendariats an der ADS. Von 1989 bis 2015 war er an der Gesamtschule Ohligs und zuletzt auch noch an der Alexander-Coppel-Gesamtschule, wo er Technik unterrichtete.

Rückblick: Am 4. Mai 2000 hat Uwe Brockmann die „erste Videokonferenz Solingens“ auf die Beine gestellt – und zwar für einen Vortrag zwischen der Uni Duisburg und der Gesamtschule Ohligs. Uwe Brockmann: „Wir hatten sehr wenig Bandbreite, und die Standleitung für einen Tag war ziemlich teuer. Aber wir wollten zeigen, dass es geht.“

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