Handball

Der HSV Solingen-Gräfrath spielt meisterlich

Mit einem guten Dutzend Fans im Rücken feierte der HSV den Kantersieg und die Tabellenführung. Foto: Ute Fuchs
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Mit einem guten Dutzend Fans im Rücken feierte der HSV den Kantersieg und die Tabellenführung.

Handball, 2. Bundesliga: 37:18 in Mainz – der zehnte Saisonsieg bringt die Tabellenführung zurück

Von Lutz Clauberg

Wenn es einmal läuft, dann läuft es. Und zwar richtig. Der HSV Solingen-Gräfrath hat am Samstagabend für eine weitere Sternstunde im Solinger Frauen-Handball gesorgt. Das in jeder Hinsicht überzeugende 37:18 (16:7) beim 1. FSV Mainz 05 war nicht nur der höchste Sieg in dieser so unglaublich erfolgreichen Saison – er bescherte dem Team von Kerstin Reckenthäler auch die neuerliche Tabellenführung. Die hatte am sechsten Spieltag der VfL Waiblingen vom HSV nach dessen 27:29-Niederlage bei den Füchsen übernommen. Gewinnen die Solingerinnen ihre letzte Partie 2021 am kommenden Samstag in der Klingenhalle gegen die Kurpfalz Bären aus Ketsch, hat die Spitzenposition Bestand. Mindestens bis zum 8. Januar 2022. Dann geht es nach Waiblingen.

„Das war eine Demonstration unserer Stärke. Mir fällt keine bessere erste Halbzeit ein.“

Kerstin Reckenthäler, HSV-Trainerin

„Das war eine Demonstration unserer Stärke“, sagte Kerstin Reckenthäler. „Mir fällt keine bessere erste Halbzeit ein.“ Im ersten Abschnitt wurde Mainz nämlich nach allen Regeln der Kunst aufgezäumt. „Die Grundlage war unsere Abwehr“, meinte die Trainerin. Während Mainz Schwierigkeiten hatte, auch nur annähernd brauchbare Chancen zu kreieren, fluppte es beim HSV auch offensiv. Vier Chancen, vier Tore – im Nu stand es 4:0. Der Mainzer Übungsleiter Florian Bauer sah sich gezwungen, zum ersten Mal zur Grünen Karte zu greifen. Das war in der sechsten Minute – und sämtliche Tipps oder Hinweise verpufften.

Der HSV erhöhte mühelos auf 10:3 (14.) – Bauer nahm das zweite Team-Timeout. Mit der Maßnahme, die fehlerlose Vannesa Brandt offensiver zu attackieren. Auch das stellte den HSV vor keine Probleme. Die Trainerin brachte die sofort zündende Franziska Penz für die angeschlagene Lucy Jörgens. Luca Tesche kam ebenfalls von der Bank und glänzte mit tollen Anspielen an den Kreis. Auch Nele Weyh und Jule Polsz fügten sich mehr als gut ein. Natascha Krückemeier hielt weiter top und spielte präzise Gegenstoß-Pässe. Mainz hatte nichts zu lachen – weil der HSV in der Deckung keinen Millimeter nachgab.

Nach dem Wechsel ging es im gleichen Schema weiter. Mainz bekam kaum Chancen. Und wenn Bälle auf das Tor der mit Wiederanpfiff eingewechselten Lisa Fahnenbruck kamen, war diese zur Stelle oder musste nicht eingreifen, weil die Würfe neben oder über das Tor gingen. Fahnenbruck, in dieser Spielzeit aufgrund der überragenden Leistungen von Natascha Krückemeier kaum berücksichtigt, hatte endlich einmal die Gelegenheit, sich eine ganze Halbzeit auszuzeichnen. Das gelang ihr.

In der 40. Minute folgte bereits die dritte (und letzte) Auszeit der Mainzerinnen – nach einem 5:0-Lauf der Gräf-ratherinnen, die ihre Führung bis zur 43. Minute auf 24:8 ausbauten. Und egal, wer auf der Platte stand: Es funktionierte nahezu alles. Mainz wurde ausgetanzt und ausgeknockt. „Ich musste den Mädels nur in die Augen schauen und wusste sofort: Sie wollten so weiter machen“, sagte Reckenthäler zu der Gala-Vorstellung, mit der nicht unbedingt zu rechnen gewesen war: Schließlich war Mainz im DHB-Pokal beim 29:25 ein echter Gegner.

„Offenbar klappt es auswärts momentan besser als zu Hause. Da gewinnen wir zwar auch, aber nicht so eindrucksvoll“, stellte Reckenthäler fest. Inzwischen hat der HSV in des Gegners Halle 190 Treffer erzielt – 13 mehr als daheim. Reckenthäler: „Das ist schon krass.“ Typisch für sie: „Das ist eine tolle Momentaufnahme. Aber am Montag geht es weiter mit der Vorbereitung auf Ketsch.“

HSV: Krückemeier, Fahnenbruck, Gün (nicht eingesetzt); Brandt (10, 4) Senel (6), Nanfack (4), Penz (4), Polsz (3), Karathanassis (3, 1), Kamp (2), Weyh (2), Jörgens (1), Reinarz (1), Tesche (1), Clauberg

2. Bundesliga

Verletzt: Beim Training zog sich Merit Müller eine Verletzung oberhalb der Augenbraue zu – die Linkshänderin war deshalb in Mainz zum Zuschauen verdammt. Hannah Kamp und Jule Polsz machten ihre Sache auf der Rechtsaußen-Position hervorragend, so dass der Ausfall keine Schwächung bedeutete. Die Mainzerin Elisa Burkholder erlitt bereits in der Anfangsphase des Spiels eine ähnliche Verletzung und musste ins Krankenhaus gebracht werden. „Sie wurde mit drei Stichen genäht“, berichtete Kerstin Reckenthäler über den Ausfall ihres ehemaligen Schützlings aus gemeinsamen Leverkusener Zeiten und sprach von einer Schwächung für Mainz.

Meinung: Besser geht’s nicht

thomas.rademacher @solinger-tageblatt.de

Kommentar von Thomas Rademacher

Vorige Saison war der HSV Solingen-Gräfrath die große Überraschung in der 2. Liga. Doch ein Jahr später setzen die Handballerinnen von Trainerin Kerstin Reckenthäler sogar noch einen drauf. Der HSV ist aktuell das gefährlichste Team der gesamten Spielklasse, was sich nicht nur an der Tabelle ablesen lässt. Spätestens durch den 27:25-Erfolg in Göppingen hat die Mannschaft bewiesen, dass sie auch die ganz großen Spiele gewinnen kann. Die Kantersiege über Regensburg und Mainz, die auch nicht gerade zum Fallobst gehören, unterstreichen, dass der Kampf um Spitzenplätze vielleicht doch nicht nur eine Momentaufnahme ist, wie es Reckenthäler beschreibt. Die Solingerinnen befinden sich auf einer Welle, von der sie erst einmal ein Gegner herunterschubsen muss. Da ist es fast schon schade, dass die zweiwöchige Weihnachtspause kurz bevorsteht.

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