Handball

Der HSV: Bewährtes Team, neue Talente

Akribische Arbeit am Spielfeldrand: Kerstin Reckenthälers aktueller Vertrag beim HSV läuft bis 2023. Foto: Moritz Alex
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Akribische Arbeit am Spielfeldrand: Kerstin Reckenthälers aktueller Vertrag beim HSV läuft bis 2023.

Die Handballerinen aus Solingen-Gräfrath stehen vor ihrer dritten Zweitliga-Saison.

Von Jürgen König

748 Tore erzielte der HSV in der vergangenen Saison – Bestwert. 215 davon schaffte Liga-Top-Torjägerin Vanessa Brandt.

Es war die zweite Corona-Saison für den HSV Solingen-Gräfrath. Im Gegensatz zu 2020, als man durch den Abbruch in der 2. Bundesliga blieb, herrschte diesmal Freude, darüber, dass alle 26 Meisterschaftsspiele bestritten werden konnten – an deren Ende zwei kräftezehrenden Quarantänen und der ausgezeichnete fünfte Platz standen. Es geht also weiter in der zweithöchsten deutschen Spielklasse. Was auf den Verein und das Team zukommt, analysieren wir gemeinsam mit Cheftrainerin Kerstin Reckenthäler und Manager Stefan Bögel, dem Geschäftsführer der Spielbetriebs-GmbH.

„Für uns steht der Klassenerhalt an erster Stelle.“

Kerstin Reckenthäler, HSV- Cheftrainerin

Worum ging es in der ersten, dreiwöchigen Trainingsphase?

Geprägt war der Zeitraum nach der ersten dreiwöchigen Auszeit von einem hohen Kraft- und Ausdaueranteil. „Natürlich stand das Athletische im Fokus, aber ich lege stets Wert auf einen handballspezifischen Ablauf“, erklärt Reckenthäler ihre Vorgehensweise, die bei vier zu integrierenden Neuzugängen auch stark mit Teamfindung zu tun hat – die obligatorische „Taufe“ des neuen Quartetts gehörte dazu. Die Eindrücke von Phase eins würden die Hoffnung nähren, dass es richtig gut funktionieren kann. Da störten auch Pandemie-Regeln nicht, der HSV ließ seine Testungen komplett durchlaufen.

Was hält der zweite Vorbereitungsabschnitt bereit?

Stefan Bögel kommentierte die Heimspiele des HSV, die ab dem dritten coronabedingt ohne Zuschauer abliefen, im Stream.

Am 25. Juli wird sich das seit Anfang des Monats im Urlaub befindliche Team nach „Hausaufgaben“ (Ausdauer, Kraft, Sprint in fünf Einheiten) wieder zusammenfinden und in der Folgezeit interessante Spiele absolvieren – so im Rahmen des Kannenhof-Trainingslagers am 31. Juli gegen Drittligist Fortuna Düsseldorf. Höchst interessant wird das Turnier von Zweitliga-Absteiger SG Kirchhof. Unter anderem in der Gruppe des HSV: der souveräne Deutsche Meister Borussia Dortmund. Ein Test beim Drittligisten Tus Königsdorf, wo für Henriette Clauberg ein Zweitspielrecht angedacht ist, und ein Turnier am 14. August in Nieder-Roden schließen sich an. Am 21. August kommt Venlo, eine Woche später startet die Saison eigentlich mit dem DHB-Pokal – Gräfrath hat aber ein Freilos gezogen und absolviert einen finalen Test bei Bayer Leverkusen, bevor es Anfang September mit der 2. Liga losgeht.

Wie sind die Erwartungen nach dem guten Abschneiden?

Von Platz fünf und dem 31:21-Punkteverhältnis lässt sich Kerstin Reckenthäler nicht blenden: „Für uns steht der Klassenerhalt an erster Stelle.“ Und das so früh wie möglich. Die 39-Jährige erwartet wie Stefan Bögel eine aufgewertete 2. Liga. So kommen mit Mainz, Ketsch und Göppingen bisherige Erstligisten hinzu, will es Berlin nach dem Scheitern in der Relegation sicher wissen. Bremen unter dem früheren Solinger Profi Robert Nijdam hat sich enorm verstärkt, auch Waiblingen meldet Ansprüche an. Zudem werden die Aufsteiger aus Regensburg und Heide stärker eingeschätzt als die abgestiegenen Konkurrenten aus Freiburg, Rödertal und Kirchhof. Gut für die Reisekasse: Aldekerk stockt den Kreis der NRW-Clubs mit Wuppertal, Lintfort und Solingen auf.

Wie ist der Kader für die kommende Saison einzuschätzen?

Ein frisches Quartett für den HSV Solingen-Gräfrath: Jule Polsz (v. l.), Nele Weyh, Hannah Kamp, Lucy Jörgens.

Die Mannschaftsführung setzt auf ein eingespieltes Team, kann bis auf eine Ausnahme auf die oftmalige Startformation setzen – Melina Fabisch fällt nach ihrem Kreuzbandriss noch länger aus, ihre Operation beim medizinischen Partner Helios Klinikum ist aber ebenso gut verlaufen wie ein Eingriff am Knie bei Allrounderin Cassandra Nanfack. „Wir sind mit unseren talentierten Neuzugängen gegenüber der vergangenen Spielzeit mindestens gleichwertig, wenn nicht sogar einen Tick besser“, ordnet Reckenthäler ein und hofft, dass man von Verletzungspech verschont bleibt. Im Rahmen der wirtschaftlichen Möglichkeiten, die angesichts Corona Stefan Bögel nicht viel Spielraum ließen, habe man das Beste gemacht.

Klar ist, dass das HSV-Kollektiv körperlich eher klein ist, somit eine extrem aggressive Deckung mit vielleicht auch offensiverer Herangehensweise erforderlich sei. Jule Polsz, zum erweiterten Kreis der Nationalmannschaft zählend, wird in der Abwehr vorläufig eher keine Rolle spielen. Sie, Merit Müller und Cassandra Nanfack sind Optionen für die rechte Rückraum-Position von Fabisch, deren wichtige Stopp-Fouls auch noch kompensiert werden müssen.

In welchen Bereichen sind Verbesserungen möglich?

Sowohl vorne als auch hinten sieht Reckenthäler Potenziale. „Wir hatten zwar den besten Angriff, können unsere Wurfquote aber immer noch ausbauen“, hofft sie auf ein Plus bei den richtigen Entscheidungen im Abschlussverhalten. In der Defensive soll ein zweites System Fuß fassen. Man habe zwar eine gute 6:0-Formation stellen können, aber eben auch viele Gegentore kassiert. Auch daran muss in Kürze hart gearbeitet werden.

Der Kader des HSV Solingen-Gräfrath

Torhüterinnen: Natascha Krückemeier, Lisa Fahnenbruck, Senanur Gün (jetzt als Vertragsspielerin fest im Aufgebot)

Linksaußen: Franziska Penz, Lucy Jörgens (neu von TSV Bayer 04 Leverkusen A-Jugend)

Rückraum links: Vanessa Brandt, Luca Tesche, Henriette Clauberg

Rückraum Mitte: Mandy Reinarz, Lara Karathanassis

Rückraum rechts: Melina Fabisch, Cassandra Nanfack, Jule Polsz (Leverkusen)

Kreis: Carina Senel, Nele Weyh (Thüringer HC)

Rechtsaußen: Merit Müller, Hannah Kamp (SG Kirchhof)

Abgänge: Jule Killmer, Alina Bohnen (Atzgersdorf/Österreich, Ausleihe bis 2022), Laura Winkelhoch (Bergischer HC), Barbara Bongartz (TB Wülfrath)

Funktionsteam: Kerstin Reckenthäler (Cheftrainerin), Stefanie Osenberg (Co-Trainerin), Inga Lehnhoff (erweitert das Trainer-Team), Christoph Beutner (Torwarttrainer), Carsten Walonka (Physiotherapeut), Stefan Bögel (Manager)

Sandra Münch: In der vergangenen Saison stieg die Ex-Spielerin, die beim Finale noch mal zum Einsatz kam, als Teammanagerin ein. Ihr Einsatz sei rund um alles Organisatorische bedeutend.

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