Mein Blick auf die Woche im Sport in Solingen

Der Frauenfußball hat jetzt eine große Chance

tom
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thomas.rademacher@solinger-tageblatt.de

Nachdem die Frauen bei der Fußball-EM alle begeisterten, kommt die Equal-Pay-Debatte wieder auf. Denn beim Gehalt gibt es im Profisport eine große Lücke zwischen Frauen und Männern. Das sollte sich ändern, meint ST-Sportredakteur Thomas Rademacher.

Solingen. Den ganz großen Coup hat das deutsche Fußball-Nationalteam am vergangenen Sonntag verpasst. Die Frauen verloren auf der wohl größten Bühne dieses Sports, im ausverkauften Wembley-Stadion, 1:2 nach Verlängerung gegen England. Die Mannschaft ist Europameister der Herzen – schließlich hatte sie das deutsche Publikum in den Tagen und Wochen zuvor restlos begeistert. Was sich auch in der Einschaltquote widerspiegelte: Fast 18 Millionen Menschen sahen im Endspiel zu.

Das sind zwar nicht so viele wie beim WM-Finale der Männer 2014, als rund 34,5 Millionen einschalteten, doch es ist ein extrem hoher Wert. Betrachtet man nun noch die sportliche Leistung, die auf dem Feld geboten wurde, kommt schnell die Equal-Pay-Debatte auf – also: Warum verdienen die Frauen weniger als die Männer? Sogar Bundeskanzler Olaf Scholz hatte sich dazu geäußert, und, ja man muss es so sagen, in die Nesseln gesetzt.

Das Argument, dass die Frauen genauso viel leisten wie die Männer, ist zwar richtig. Aber Profisport funktioniert anders. Da, wo enorme Fernseh- und Sponsorengelder gezahlt werden, wird das Geld eingenommen und ausgegeben. Und das ist eben im Männerfußball der Fall. Interessanterweise kommt diese Diskussion nicht auf, wenn die deutsche Handballnationalmannschaft der Männer begeistert und wie im WM-Finale 2007 mehr als 16 Millionen Zuschauer vor die Fernsehschirme lockt. Die Forderung, Handballer wie Fußballer zu bezahlen, taucht an keiner Stelle auf, obwohl die Handballer doch genauso viel leisten.

Dieses Beispiel zeigt, dass die Diskussion um gleiche Bezahlung ideologisch geprägt ist. Geschlechter sollten auf einer Stufe stehen, bei Handballern und Fußballern ist das aber nicht so wichtig. Realistisch ist es in beiden Fällen leider nicht. Aber beide, also der Frauenfußball genauso wie der Handball, sollten alles daransetzen, die gewaltige Lücke etwas kleiner zu gestalten. Beides kann die Massen begeistern. Das beweisen die Einschaltquoten. Aber keiner Sportbranche ist es in Deutschland je gelungen, den Schwung eines herausragenden internationalen Ereignisses nachhaltig mit in den eigenen Ligabetrieb zu nehmen. Auch Eishockey hat dies nach der sensationellen Silbermedaille bei Olympia 2018 nicht geschafft.

Die große Chance für den Frauenfußball ist jetzt da. Es wäre ihm zu gönnen, dass es gelingt, Begeisterung zu erhalten. Die Profispielerinnen würden von einem Boom profitieren, weil sie gewiss besser bezahlt würden als bisher – wenn auch nicht wie die Männer. Und auch in Solingen ist auf einen Schwung im Nachwuchsbereich zu hoffen, was wiederum den hiesigen Vereinen hilft. Olaf Scholz übrigens hat seine Unterstützung bereits zugesichert. Dann kann ja nichts schief gehen.

Football: Die Paladins mit der Angriffsmaschine Moses Harris kommen langsam, aber sicher in der 2. Liga ins Rollen.

Kein Flop, aber eine bittere Nachricht aus dem Handball: Fabian Gutbrod hat sich erneut verletzt. Diesmal ist es das Außenband. Der BHC-Kapitän ist vom Pech verfolgt.

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