Handball

Dem HSV fehlt noch der Killerinstinkt

Pia Adams zieht trotz Behinderung ab – die von Prudence Kinlend auf das HSV-Ass geschubste Carina Senel muss sich ducken. Links im Bild: TuS Kreisläuferin Jana Willing.
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Pia Adams zieht trotz Behinderung ab – die von Prudence Kinlend auf das HSV-Ass geschubste Carina Senel muss sich ducken. Links im Bild: TuS Kreisläuferin Jana Willing.

Frauenhandball, 2. Liga: Ordentliche Vorstellung gegen Lintfort beim 36:30.

Von Lutz Clauberg

Es hätte ein glorreicher Handball-Abend in der Klingenhalle werden können. Es passte so viel zusammen beim HSV Solingen-Gräfrath in dem Bemühen, sich für die letzte Derby-Schlappe zu revanchieren. Vor einem guten halben Jahr hatte der TuS Lintfort den überspielten HSV auf der Rolle und gewann 36:32. Doch die einseitige Partie endete nur 36:30 (20:13). Anstatt eines Feuerwerks des in allen Belangen so viel besseren HSV sahen die 250 Besucher langweilige Magerkost. Kerstin Reckenthäler war das letztlich ziemlich egal. „Wir sind angeschlagen. Deshalb war das ein super wichtiger Sieg.“ Mit nun neun Zählern steht ihr Team in der Tabelle glänzend da, während sich Lintfort nach unten orientieren muss. „Unser Problem ist die Abwehr. Wir haben kaum Gegenwehr gezeigt. Wenn du die Zweikämpfe nicht gewinnst, ist das keine Frage des Systems, sondern der Einstellung“, haderte TuS-Trainerin Bettina Grenz-Klein. „Aber der HSV hat auch stark gespielt.“

Das war in der Tat so. Schon nach 44 Sekunden gab Pia Adams mit viel Durchschlagskraft und ihrem Treffer zur 1:0-Führung die Richtung an. Die Solingerinnen deckten mit der überragenden Adams hart und mit Herz, legten einen großen Fokus auf die erste und zweite Gegenstoß-Welle und machten Lintfort nach allen Regeln der Kunst den Garaus. Lucy Jörgens kam über Linksaußen immer wieder frei zum Wurf. Am Ende standen sieben Treffer zu Buche. „Ich bin sehr zufrieden mit meiner und der Mannschaftsleistung“, sagte die 20-Jährige, die den Saisonstart wegen einer bei der Junioren-Nationalmannschaft erlittenen Schulterverletzung verpasst hatte. Noch Schmerzen? „Nein, es ist alles wieder in Ordnung.“

Wie so häufig war eine außergewöhnliche Spielerin im HSV-Dress für die spektakulären Tore zuständig. Die Art und Weise, wie die Linkshänderin Jule Polsz trifft, war zum Teil atemberaubend. Sie spielte nahezu fehlerfrei.

Und dennoch fehlte dem HSV der Killerinstinkt. 16:8 stand es in der 19. Minute – Bettina Grenz-Klein sah sich gezwungen, ihre zweite Auszeit zu nehmen. Der HSV war so krass überlegen, dass dem Lintforter Anhang Angst und Bange wurde. Die 20:13-Führung spiegelte die Überlegenheit in keiner Form wider. Ein 25:10 hätte es beinahe sein müssen. Im zweiten Abschnitt plätscherte das Geschehen vor sich hin. Lintfort kam etwas besser in die Spur, der HSV fabrizierte mehr Fehler als zuvor, ohne je in Gefahr zu geraten, den zweiten Heimsieg herzuschenken. Mandy Reinarz streute mitunter tolle Aktionen ein, Carina Senel ebenfalls, Polsz sowieso. Ihr gelang auch der schönste Treffer zum 35:27. Die spielerisch sehr überzeugende Melina Fabisch spielte einen No-Look-Pass hinter dem Rücken auf die in die Lücke durchstartende Rechtsaußen. Das gab Szenenapplaus – wie einige Minuten zuvor bei einer historischen Premiere: Die erst 15 Jahre alte Kreisläuferin Lisa Seiffarth (Jahrgang 2007) kam zu ihrem ersten Zweitliga-Einsatz.

An die 2. Liga verschwendet Lisa Kunert keine Gedanken. Sie ging im Sommer aus Lintfort zum HSV (Vertrag bis 2024), kam aus gesundheitlichen und privaten Gründen nicht an und versucht jetzt (auf Leihbasis) einen Neuanfang beim 1. FC Köln in der 3. Liga. Im Topspiel beim TV Aldekerk erzielte sie drei Treffer. Aldekerk gewann 28:23. Eine weitere HSV-Personalie: Torhüterinnen-Trainerin Natalie Hagel steht nicht mehr zur Verfügung.

HSV: Krückemeier, Grewe; Adams (10, 1), Polsz (7), Jörgens (7), Senel (6), Reinarz (4), Brandt (2), Karathanassis, Müller, Fabisch

2. Liga

Am kommenden Sonntag (13. November) reist der HSV zum erst einmal geschlagenen HC Leipzig. Julia Weise traf eine Sekunde vor Schluss zum 31:30 beim 1. FSV Mainz 05.

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