Die Woche im Sport von Thomas Rademacher

Das Triumvirat alter Solinger Handballtage macht Schlagzeilen

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Der Solinger Spitzenhandball war noch nie so gut aufgestellt wie derzeit.

Es lässt sich mit Fug und Recht sagen, dass sich der Bergische HC in der Bundesliga etabliert hat. Daran ändert auch die jüngste schwierigere Phase nichts. Zudem geht der HSV Solingen-Gräfrath nach den Sommerferien bereits in seine dritte Zweitliga-Saison im Frauenbereich. Eine Handball-Hochburg war Solingen aber schon immer. 1965 wurde der BSV Solingen 98, die Oheios, Deutscher Meister im Feldhandball. In den 90er Jahren schaffte die SG Solingen, der Vorgängerverein des BHC, in der Halle den Durchmarsch in die Bundesliga. Prägende Figuren dieser Zeit waren Trainer Bob Hanning sowie die Flügelspieler Torsten Jansen und Florian Kehrmann. Das Triumvirat legte bemerkenswerte Karrieren hin. Jansen und Kehrmann gewannen Titel um Titel, wurden beide unter anderem Deutscher Meister und 2007 gemeinsam Weltmeister. Hanning trainierte das Spitzenteam HSV Hamburg, übernahm in den 2000ern die Verantwortung bei den Füchsen Berlin, die er zunächst im Oberhaus etablierte und nach wie vor an die absolute Spitze führen will. Zudem ist er Vizepräsident des Deutschen Handball-Bundes (DHB) und bekannt für polarisierende Aussagen.

Eine solche brachte ihn in dieser Woche in die nationalen Schlagzeilen, während Jansen und Kehrmann ebenfalls von sich reden machten. Der Reihe nach: Die beiden einstigen Topspieler sind inzwischen erfolgreiche Trainer. Kehrmann holte mit dem TBV Lemgo Lippe sensationell den DHB-Pokal und wurde mit einer vorzeitigen Vertragsverlängerung bei seinem Herzensverein bis 2025 sozusagen auch persönlich gewürdigt. Jansen schaffte als Coach des HSV Hamburg die Rückkehr in die Bundesliga. Für seine Leistung wurde er als Trainer des Jahres in der 2. Liga geehrt.

Und auch Hanning machte sportlich auf sich aufmerksam. Er wird künftig neben seiner Geschäftsführer-Tätigkeit bei den Füchsen auch noch Cheftrainer von Kooperationsverein und Drittligist 1. VfL Potsdam. Für Wirbel sorgte der einstige Coach der SG Solingen aber mit seiner Aussage über die MT Melsungen im Vorfeld der Partie seiner Füchse bei den Nordhessen. „Ich finde es erschreckend, dass Melsungen viele deutsche Nationalspieler für viel Geld gekauft hat, aber die Mentalität im Verein nicht mitgewachsen ist“, sagte der 53-Jährige. „Es hat sich kein Spieler, seit er in Melsungen ist, verbessert. Im besten Fall haben sie stagniert. Ich glaube, dass dort eine unglaubliche Zufriedenheit herrscht und dass man nirgendwo mehr Geld verdienen kann als deutscher Nationalspieler. Und das färbt sich meiner Ansicht nach aufs Spielfeld ab.“ Der gebürtige Essener sieht dadurch den Erfolg der Nationalmannschaft gefährdet, die bei den Olympischen Spielen bekanntlich am liebsten Gold holen soll.

Dass Hanning damit in ein Wespennest gestochen hat, kann nicht überraschen. In Melsungen reagierte Vorstand Axel Geerken wenig amüsiert und sprach von einem Offensivfoul Hannings. Das ist verständlich. Wer lässt sich schon gerne öffentlich so angreifen – erst recht vom Geschäftsführer eines Konkurrenten, der im DHB eine hohe Funktion bekleidet? Trotzdem wirkt Geerken sehr getroffen von den Aussagen. Er hat sich provozieren lassen – und ist es nicht genau das, was Hanning wollte?

Zumindest musste er damit rechnen, dass er eine solche Reaktion bekommt. Als Medienprofi weiß er das. Seine Motive liegen im Dunkeln und bieten Raum für Spekulation. Geht es ihm wirklich um den Erfolg in Tokio? Der ist ihm unheimlich wichtig. Er war es auch, der das Gold-Ziel formulierte. Doch klappt das mit angefressenen Spielern besser? Dass sie das trotz aller Professionalität sind, ist anzunehmen. Schließlich wurden sie persönlich angegangen. Zu Recht mag man sogar sagen. Natürlich gehört sich für Hanning eine solche Attacke nicht, aber aus der Luft gegriffen sind seine Worte gewiss nicht. Die MT Melsungen verfehlt seit Jahren ihre Ziele und von ihren sechs deutschen Nationalspielern überzeugten zuletzt auch nur Kai Häfner und Timo Kastening. In dem Thema wird Feuer bleiben – eines, das Hanning bewusst gelegt hat.

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FLOP Handball: Der BHC und die Siebenmeter. Da ist richtig der Wurm drin.

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